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In Frankreichs Provinz Berry : Händchenhalten mit dem Kolibri

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Die verspielte Seite der Dichterin: George Sand liebte es, gemeinsam mit ihrem Sohn Puppenspiele in ihrem Schloss in Nohant aufzuführen. Bild: Rob Kieffer

Alles hier ist ruhig, geduldig, langsam reifend: In der tiefen, zentralfranzösischen Provinz Berry fand die Schriftstellerin George Sand Muße und Inspiration.

          Hier saßen sie, hielten Händchen und schauten sich verliebt in die Augen“, sagt Monsieur Rauzy, und die Mundwinkel unter seinem Schnauzer nehmen verträumte Züge an. Er zeigt auf die moosbetupfte Steinbank, die im Park unter dem ausladenden Laub mächtiger Bäume steht. Die sechsundzwanzig Jahre alte Frau, die sich zu dem verschworenen Rendezvous eingefunden hatte, hieß mit Mädchennamen Aurore Dupin und war nach einer forcierten Heirat zur Baronin Dudevant geworden. Ihr Schwarm war Jules Sandeau, ein etliche Jahre jüngerer Jurastudent mit blondem, krausem Haar. Die damaligen Besitzer des Château du Petit Coudray, in der Region Berry im allertiefsten Zentralfrankreich, waren Bekannte der im benachbarten Nohant lebenden Großmutter von Aurore Dupin. Sandeau war ihr zufälliger Gast. „Aurore und Jules hatten sich bei einem Freundschaftsbesuch im Sommer 1830 kennengelernt. Es war der Beginn einer beispiellosen literarischen Karriere“, sagt Pierre Rauzy, Eigentümer des mythischen Manoir.

          Die beiden Turteltauben zogen nach Paris, schrieben gemeinsam einen ersten Roman, woraufhin Madame Dupin auf den Geschmack kam und eigene Werke zu verfassen begann. Da Frauen als Schriftsteller in jener Epoche verpönt waren und kaum Veröffentlichungschancen hatten, legte sie sich ein männliches Pseudonym zu. Sie lieh sich den Familiennamen ihres Liebhabers, kappte die drei letzten Buchstaben und fügte einen englischen Männervornamen hinzu: George Sand war geboren. Sie schrieb ein kolossales OEuvre aus hundert romantischen, teils sozialkritischen Romanen, feministischen Schriften, republikanischen Manifesten, journalistischen Artikeln, Tausenden von Briefen an ihre vielen Verehrer, an Poeten und Künstler von Heinrich Heine bis Victor Hugo.

          George Sands Arbeitszimmer in ihrem Schloss in Nohant.
          George Sands Arbeitszimmer in ihrem Schloss in Nohant. : Bild: Rob Kieffer

          Pierre Rauzy und seine Frau Lydie, beide pensionierte Lehrer, haben ihren Wohnsitz in Toulouse aufgegeben, um sich ganz der Pflege des Château du Petit Coudray zu widmen und das Andenken an eine der berühmtesten und seinerzeit wegen ihres freizügigen Lebenswandels und sozialen Engagements auch umstrittensten Persönlichkeiten der Literatur zu pflegen. Von Mai bis Oktober öffnen die Rauzys das historische Anwesen für Besucher und veranstalten George Sand gewidmete Lesungen, Theater- und Musikabende.

          Schreibwut, Emanzipation und Männerverschleiß

          Die umtriebige Autorin gab ihrem Jules Sandeau, den sie als „liebenswürdig und leicht wie der Kolibri der duftenden Savannen“ bezeichnet hatte, bald den Korb. Auch die Ehe mit Baron Casimir Dudevant, einem Schürzenjäger und Säufer, wurde schnell aufgelöst. George Sand zog sich auf das mittlerweile von ihrer verstorbenen Großmutter geerbte Landschloss von Nohant zurück, auf dem sie ihre Kindheit verbracht hatte. Dort schrieb sie und erzog ihre Kinder Maurice und Solange. Sie verbrachte mit kurzen Unterbrechungen mehr als vierzig kreative Jahre in der dörflichen, von Hecken- und Weidenlandschaft geprägten Abgeschiedenheit des Berry, das sich über die Départements Indre und Cher erstreckt.

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