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Veröffentlicht: 18.06.2016, 07:00 Uhr

Südafrika Der Tourist im Wellblech

In den Townships von Südafrika leben Millionen von Menschen. Immer häufiger bekommen sie Besuch von Urlaubern, die allerdings oft selbst nicht wissen, was sie sich davon versprechen.

von Katharina Wilhelm
© Katharina Wilhelm „Alle Farben dieser Welt“ lautete einst der Slogan eines Modeunternehmens. In den Hüttensiedlungen Südafrikas wird er auf ganz eigene Weise wahr.

Sechs Fremde drängen sich zu Lohlobo in die Wellblechhütte. Sie ist die letzte Station der „Township Tour“. Lohlobo trocknet gerade ihr Geschirr ab, eine zweite Frau, vielleicht ihre erwachsene Tochter, sitzt abwesend in einem rosa Bademantel auf dem Bett. Der kleine Fernseher läuft. Es ist ein grauer Tag, und in der dunklen Hütte zieht es.

Lohlobo grinst die fremden Besucher fröhlich über beide Backen an: „What’s your name?“ Das ist wohl das, was in den Werbeprospekten für die Tour mit der „unbeschreiblichen Lebensfreude“ der Townshipbewohner gemeint ist. Was sie sonst noch sagt, wirkt allerdings weniger lebensfroh: „Es gibt keine Arbeit für uns! Es ist das fünfte Jahr, in dem ich nicht arbeite. Alles, was ich tue, ist, diese Hütte instand zu halten, zu waschen und sauberzumachen.“ Sie zuckt mit den Schultern. Die zweite Frau sagt nichts, sondern betrachtet die Fremden in ihrem Zuhause nur verschüchtert. Wir, die Fremden, mit unseren Smartphones und Kameras in der Hand, wissen darauf nichts zu erwidern. Der ein oder andere versucht es mit einem aufmunternden Lächeln. Dann stolpern wir aus der Hütte zurück ans Tageslicht.

Seit zweiundzwanzig Jahren ist die staatlich organisierte „Rassentrennung“, die sogenannte Apartheid, in Südafrika beendet. Das Land ist jetzt eine Demokratie. Townships, die während der Apartheid eingerichteten Wohnsiedlungen für die schwarze oder farbige Bevölkerung, gibt es aber noch immer. Der Trennung nach Hautfarbe folgte eine wirtschaftliche. Doch heute zählen die Townships zu den Sehenswürdigkeiten des Landes.

Hütten halb so groß wie die Hotelzimmer der Touristen

In vielen Townships gibt es sogenannte „Township Touren“, bei denen Einheimische oder Guides die Besucher durch das Viertel führen. Brasilien, Indien und eben auch Südafrika - der sogenannte „Slum-Tourismus“ boomt.

Unsere Tour führt durch Langa, das älteste Township der Kapregion. Langa ist ein schwarzes Township, die meisten der schätzungsweise zweihundertfünfzigtausend Einwohner sind Xhosa. Wie im Rest des Landes gab es auch in Langa vor vierzig Jahren Proteste, erzählt Odwa, der aus dem Township stammt. Am 16. Juni 1976 demonstrierten mehr als zehntausend Schüler zunächst in den South Western Townships, bekannt als Soweto, gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache, der Sprache der weißen Oberschicht. Für die meisten schwarzen Schüler wurden die Chancen auf Bildung dadurch enorm verringert, schlicht, weil sie der Sprache nicht mächtig waren. Hunderte schwarze Kinder und Jugendliche kamen bei den Protesten ums Leben. Der Aufstand galt als Wendepunkt für den Widerstand im Land, es folgten landesweit nicht endende Proteste gegen das Apartheidsregime.

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