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Luxusresort Milaidhoo : Das maledivischste Resort auf den Malediven

Viel Wasser, viel Sonne, wenig sonst: Das Resort Milaidhoo ist luxuriös, trumpft damit aber nicht auf. Bild: Milaidhoo Resort

Luxusresorts gibt es im Indischen Ozean wie Sand am türkisblauen Meer. Doch Milaidhoo ist anders: Es besinnt sich auf die lokalen Wurzeln – mit Erfolg.

          Nachts leistete der Wind ganze Arbeit. Tosend stürmte er über den Indischen Ozean, rüttelte an Palmen, ließ offene Terrassentüren knallen und trieb die Wolken vor sich her. Aus der Ferne hörte man ein tiefes Grollen. Die Flughunde, dachten wir im Halbschlaf, würden sich doch wohl in Sicherheit gebracht haben? Am frühen Morgen dann, kurz nach sechs Uhr, als der Spuk vorüber war, als die Sonne aufging und jenes feinsandige, von irreal türkisfarbenem Wasser umgebene Paradies namens Milaidhoo erwachte, konnten wir das Werk des Sturms betrachten: ein Himmel wie frisch gewaschen, blau und beinahe wolkenlos. Schüchtern umschmeichelte einen der warme Wind, als wollte er sich für die unruhige Nacht entschuldigen, dabei hatten wir ihm seine Eskapaden längst verziehen. Und der weiße, staubtrockene Sand schien irgendwie regenresistent zu sein.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Mit dem Begriff Paradies sollte man vorsichtig umgehen – ihn allerdings ausgerechnet hier zu unterschlagen, wo die Zeit stillzustehen scheint, wo das Grübeln aufhört, als sei man ein Meister der Meditation, wäre dieser kleinen Malediveninsel gegenüber ungerecht. Sie liegt durch ein Riff geschützt im Baa-Atoll, eine halbe Stunde mit dem Wasserflugzeug von Malé entfernt, jener dicht besiedelten Hauptinsel, die nicht mehr als eine Durchgangsstation ist, eine Transitzone ohne Verlockungen.

          Alle stammen von den Malediven

          5,4 Hektar misst Milaidhoo, ein Bilderbuchsehnsuchtsort im Nirgendwo mit insgesamt fünfzig Villen, von denen dreißig auf Stelzen im Wasser stehen und zwanzig palmenumgeben am breiten Sandstrand. Einige dieser Palmen biegen sich lässig Richtung Meer. Alle Villen haben einen großen Süßwasserpool, in dem man tatsächlich schwimmen kann, was aber im 27 Grad warmen Meerwasser viel mehr Spaß macht.

          Das Restaurant Ba’theli in Form traditioneller Lastkähne ist das Reich von Chefkoch Ahmed Sivath. Die Rezepte stammen aus seiner Familie, er hat sie verfeinert.

          Erst im vergangenen Jahr eröffnete das Fünf-Sterne-Luxus-Boutique-Resort Milaidhoo, was auf den Malediven, wo permanent irgendein sehr teures, sehr luxuriöses Resort mit einem spektakulären Spa oder einem noch spektakuläreren Unterwasserrestaurant eröffnet, erst einmal nichts Besonderes ist. Eigentlich. Aber Milaidhoo ist anders. Und es gehört schon einiges dazu, auf einem hart umkämpften Markt wie dem der Malediven, wo mehr als dreißig Fünfsternehotels um Gäste werben, herauszustechen.

          „Milaidhoo tut das, indem es sich selbstbewusst auf die maledivischen Wurzeln besinnt und die Tradition hochhält“, sagt Ahmed Shuhan, der General Manager. Supermodernen Schnickschnack sucht man hier vergeblich. Das Konzept scheint jedenfalls aufzugehen: Selbst in der Nebensaison beträgt die Auslastungsrate mehr als achtzig Prozent; kein Wunder also, dass Ahmed Shuhan wie ein zufriedener Mann wirkt. Bereits jetzt, sagt er stolz, kämen Gäste zum zweiten Mal. Er selbst stammt von den Malediven, 67 Prozent seiner Mitarbeiter tun das – „mehr, als in jedem anderen Malediven-Resort“, auch das ist Teil des Konzepts. Ziel sei, die Rate weiter zu steigern.

          Vergessen, dass es eine andere Welt gibt

          Auch der Architekt, erzählt er, sei ein Einheimischer: Mohamed Shafeeq. Dessen helle, lichtdurchflutete Villen mit ihrem rustikal-modernen Charme, deren Eingangstüren an ein Portal erinnern, lassen sich um 180 Grad öffnen und heben die Grenze zwischen Innen und Außen auf. So hält die tropische Natur mit ihren fremden Geräuschen Einzug. Man hat das Gefühl, im Freien zu leben und zu schlafen, was bei einer Temperatur, die sowohl tagsüber als auch nachts stets zwischen 24 und 30 Grad liegt, ziemlich angenehm ist. Und die Mücken? Keine Spur von den fiesen Tierchen, und man fragt sich, wie es dem Hotelmanagement gelingen konnte, sie davon zu überzeugen, die Gäste in Ruhe zu lassen. All jene, die sich sonnenbrandgeplagt abschotten und ihren Körper tiefkühlen möchten, können die Terrassenfront schließen und die Klimaanlage betätigen, die – und dafür ist man dem Inneneinrichtungsverantwortlichen wirklich dankbar – tatsächlich nur über einen einzigen Knopf verfügt und einem nicht das Gefühl verleiht, ein Versager auf dem Gebiet der modernen Hoteltechnik zu sein.

          Lass Licht und Luft hinein: Der maledivische Architekt Mohamed Shafeeq entwarf die Villen, deren Türen sich weit öffnen lassen.

          Was man auf so einer Insel tut? Vergessen, dass es eine andere, laute Welt gibt. Aufs Meer schauen. Im Sand liegen. Barfuß laufen. In der Hängematte dösen. Schnorcheln. In nichts steht die Unterwasserwelt der Überwasserwelt nach. Schönheit im Überfluss. Ein Gewimmel bunter Fische, darunter Schmetterlingsfische, Doktorfische und Anemonenfische. Über die Riffkante schoss ein Schwarm Füsiliere. Ein paar Papageienfische machten sich mit ihrem kräftigen Gebiss hörbar an den Korallen zu schaffen. Sie hatten es auf die Korallenpolypen und deren Kalkskelette abgesehen. Wohl kein Lebewesen dieser Welt scheidet etwas Schöneres als diese Tiere aus: feinsten Korallensand. Sogar eine Schildkröte zog gemächlich ihre Bahnen, vollkommen ungerührt von unserer Gegenwart.

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