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Am Lago Maggiore : Langsame Fahrt durch die gestirnte Nacht

  • -Aktualisiert am

Die Patronin hegt den Garten

Der Schatz des Rivabella liegt auf seiner Rückseite. Die Vorderfront an der belebten Uferstraße nach Italien ist eher unspektakulär. Dem Pendlerverkehr, der sich in Stoßzeiten durch das kleine Örtchen quetscht, hat das Hotel demonstrativ den Rücken zugewandt. Die 18 Zimmer und Fenster gehen zur Seeseite hinaus. Hinter dem Haus beginnt eine andere Welt und Orlanda Quaglias Reich. Die 82 Jahre alte Patronin des Rivabella hat den Garten angelegt, den die Gäste heute beim Frühstück oder Sonnenbaden genießen. Im Haus hat sie ihrem jüngsten Sohn mittlerweile weitgehend das Feld überlassen, aber das Terrain jenseits der breiten Frühstücksterrasse ist noch immer ihres.

Den Garten am Ufer des Rivabella pflegt bis heute die Patriarchin des Hauses.
Den Garten am Ufer des Rivabella pflegt bis heute die Patriarchin des Hauses. : Bild: Astrid Ludwig

„Ich bin noch jeden Tag im Garten“, erzählt die gebürtige Brissaghesin. Fast vierzig Jahre hat sie ihn gehegt und gepflegt. All die dunklen, trüben Nadelgehölze und Bäume hat sie entfernen lassen und stattdessen einen mediterranen, botanischen Garten ersonnen. Statt einfacher Trampelpfade führt heute ein verschlungenes Wegenetz hinunter zum See. Stufen und Böden sind mit dem für das Tessin so typischen Granit belegt, der in der Sonne glitzert. Auf die Wege, die jeden Zipfel des Grundstückes erkunden, ist sie besonders stolz. „Die sind mit Poesie angelegt“, lacht sie. „Das Rivabella ohne Garten wäre undenkbar“, sagt ihr Sohn liebevoll. „Das ist das Lebenswerk meiner Mutter.“

In mehreren Ebenen windet sich die terrassierte Anlage hinunter bis zum Seeufer, fast wie in einem Theaterhaus, nur dass die Bühne hier im Lago Maggiore endet. Haushohe Palmen stehen zu Dutzenden auf dem Gelände, ebenso Kamelien und mannsgroße Oleanderbüsche, die rot und rosa blühen. Im Frühling duften die Mimosen, im Frühsommer schaukeln Taglilien ihre Häupter in der Brise. Und Hortensien blühen in einem geradezu unverschämt tiefen Blau, das jeden Gärtner jenseits der Alpen neidisch werden lässt. Hangbeete wechseln ab mit geraden Rasenflächen, auf denen Bänke oder Sonnenliegen das süße Nichtstun preisen. Ein paar Stufen führen zum Strand und zum Wasser. Vom hektischen Treiben oben im Ort hört man hier nichts, nur die kleinen und großen Passagierschiffe tuckern auf ihrem Weg von Cannobio oder Luino nach Ascona oder Locarno vorbei. Die Anlegestelle liegt an der Seepromenade nur ein paar Gehminuten entfernt.

Bis Mitternacht von Hand gewaschen

Ugo Quaglias Familie ist seit Jahrhunderten in dem kleinen Tessiner Grenzort verwurzelt. Die Kunstschlosserei, in der früher sein Vater und heute sein älterer Bruder arbeiten, existiert seit 1782. Als Orlanda Quaglia 1974 das Rivabella übernahm, war sie bereits 45 Jahre alt und hatte wenig bis gar keine Ahnung von der Hotelerie. „Meine Mutter hatte in einem Hotel gearbeitet, aber das war auch alles“, erinnert sie sich. Doch sie träumte von der gutgehenden Frühstückspension. Der Umbau dauerte zwei Jahre. Eröffnung war am Himmelfahrtstag im Mai 1976. „Am ersten Tag kamen 19 Gäste“, sagt Ugo. Darunter viele Gäste aus dem Grenzgebiet. Das Tessin war damals schwer angesagt und Sehnsuchtsort der Deutschen.

Die ersten Tage verliefen etwas chaotisch. „Ich wusste noch nicht einmal, wie die Industrie-Kaffeemaschinen funktionierten“, lacht Orlanda Quaglia. Und eine Waschmaschine gab es auch noch nicht. „Bis Mitternacht haben wir von Hand gewaschen und gebügelt.“ Die ganze Familie war eingespannt, auch alle vier Kinder und der Ehemann. Ugo war damals gerade 12. Er musste die Gäste beim Frühstück bedienen. Der Vater trug die Koffer, „obwohl er vorher immer betont hatte, niemals die Koffer der Gäste tragen zu wollen“, erinnert sich Orlanda Quaglia schmunzelnd.

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