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Curaçao : Was Tula uns beigebracht hat

  • -Aktualisiert am

Auf Klein-Curaçao befindet sich ein Lieblingsstrand der Holländer. Bild: Katharina Wilhelm

Curaçao war der Hauptumschlagplatz für Sklaven in der Karibik. Doch diese Vergangenheit interessiert heute kaum noch jemanden. Stattdessen beschäftigt man sich lieber mit Farbfragen und sonnenverbrannten Holländern.

          Dass man in aller Welt den Namen der Insel Curaçao nur in Verbindung mit der Farbe Blau kennt, liegt an Edgar Senior. Im Jahr 1499 kam der Spanier auf die Insel, baute sogleich Orangen an und musste zu seinem Verdruss feststellen, dass ihr Fruchtfleisch ungenießbar war. Dann presste er die Schalen aus, um zu prüfen, ob sich wenigstens ein Getränk aus ihnen machen ließe. Seine Enttäuschung über das Resultat vertraute er seinem Tagebuch an: Aus der Schale, schrieb er, sei ein hellblauer Saft hervorgetreten, der dermaßen giftig aussehe, dass ihn bestimmt kein Mensch von Verstand probieren wolle. Hätte Edgar ein paar Jahrhunderte später gelebt, hätte er mit der Lebensmittelindustrie ein glänzendes Geschäft gemacht.

          Als seine Nachfahren, die 1896 die Senior-Likörfabrik gegründet hatten, Edgars Tagebuch fanden, beschlossen sie, unter Nachhilfe von Lebensmittelfarbe einen blauen Schnaps herzustellen. Heute gibt es Blue Curaçao auch in Rot, Grün oder Braun, und die Fabrik im Landhuis Chobolobo in Willemstad mit den Orangenbäumen und ihren bitteren Früchten auf dem Parkplatz ist zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Da man den Namen einer Insel aber nicht schützen lassen kann, wird Blue Curaçao auf der ganzen Welt nach eigenem Gutdünken hergestellt und ist im Zweifelsfall genauso wenig echt wie die kräftige blaue Farbe.

          Das Meer Curaçaos ist hingegen wirklich blau, und zwar so sehr, dass Mitarbeiter der Unesco ein eingeschicktes Foto der Playa Abou im Norden der Insel beim Wettbewerb um den schönsten Strand der Karibik 1973 für ein Schwimmbad hielten. Nur auf der Schwesterinsel Klein-Curaçao, die etwa eineinhalb Stunden entfernt zwischen Curaçao und Bonaire liegt, ist das Wasser noch ein bisschen blauer. Es entschädigt gewissermaßen für die äußerst karge, graue Vegetation an Land, die noch öder ist als die der großen Schwester.

          Holländer in Reih und Glied

          Curaçao gehört zu den Inseln unter dem Winde, genauer gesagt zu den Inseln außerhalb des Einflusses des Nordost-Passats, und dennoch sorgt ein stetiger Luftzug für ein extrem trockenes Klima und vielerorts für mehr Kakteen als Palmen. Auf Klein-Curaçao machte zudem exzessiver Phosphatabbau im neunzehnten Jahrhundert auch den letzten Rest Grün zunichte. Das Wrack eines aufgelaufenen Tankers am Strand und die zerfallene Ruine eines Leuchtturms vervollständigen die Endzeitstimmung der 1,7 Quadratkilometer großen Insel, die – was Wunder – einst zu Quarantänezwecken genutzt wurde.

          Viele Street-Art-Kunstwerke in Willemstad thematisieren Mut, Veränderung und Herkunft.
          Viele Street-Art-Kunstwerke in Willemstad thematisieren Mut, Veränderung und Herkunft. : Bild: Katharina Wilhelm

          Trotzdem setzen Tag für Tag mehrere Boote mit Touristen von Curaçao hierher über. Ihre menschliche Fracht wirft sich an den schmalen Strandabschnitt, der von der jeweiligen Schifffahrtsgesellschaft gepachtet wurde, um sich den Sonnenbrand ihres Lebens zu holen. Der Kapitän der „Miss Justine“, die zu Miss Ann Boattrips und damit zu einem der beiden größten Veranstalter gehört, rät allen schon auf der Hinfahrt dringend zur Sonnencreme und fügt resigniert hinzu, er wisse schon jetzt, dass mehr als die Hälfte der Passagiere die Rückfahrt über das tiefblaue Wasser krebsrot antreten würden. Dass er recht behalten soll, kann nicht an Verständnisschwierigkeiten liegen, denn der niederländische Kapitän macht alle Ansagen in seiner Muttersprache und wiederholt sie nur auf Anfrage in gebrochenem Englisch. Wie sich herausstellt, kommen abgesehen von uns alle fünfzig Passagiere aus den Niederlanden. Dass dies die Regel ist, merkt man spätestens daran, dass sämtliche Hinweisschilder auf Klein-Curaçao ausschließlich auf Niederländisch verfasst sind. So kommt es, dass das blaue, klare Wasser beim fakultativen nachmittäglichen Schnorchelausflug von etwa dreißig Holländern durchstoßen wird, die einer einzigen Schildkröte hinterherjagen. Auch die scheint Holländer gewohnt zu sein und lässt sich beim Anknabbern einer Koralle kaum stören.

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