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Couchsurfing : Unterwegs in fremden Betten

Mein Sofa ist Dein Bett, egal wo Bild: dpa

Überall auf der Welt gibt es Menschen, die unbekannte Gäste beherbergen. Couchsurfing ist günstiger als ein Hotel und stiftet neue Freundschaften.

          Man fragt sich, wie Leute ticken, die regelmäßig Fremde auf ihren Sofas übernachten lassen. Haben die keine Freunde? Langweilen sie sich zu Hause? Sind sie am Ende gar exhibitionistisch veranlagt?

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fest steht: Sie tun es. Immer mehr Menschen öffnen ihre Häuser für Gäste. Deren Motiv leuchtet ein: Fast jeder Reisende hat sich in einer fremden Stadt schon mal auf der Couch oder im Gästebett von Freunden einquartiert. Meist genießt man solche herzlich-improvisierten Unterkünfte mehr als ein anonymes Hotel - die Gastgeber und ihre Wohnungen lassen ein Gefühl von Zuhause aufkommen.

          So gesehen verwundert es nicht, dass Couchsurfing und Social Travelling, also das Übernachten in Privatwohnungen, der neue Reisetrend sind. Man kann zwar nicht in jeder Stadt der Welt Freunde haben, aber überall auf der Welt gibt es Menschen, die Fremden für ein paar Tage ein Bett anbieten.

          Wie unter echten Freunden wollen viele nicht einmal Geld dafür - vor allem diejenigen, die auf Plattformen wie Couchsurfing, Hospitality Club oder Haustausch eingetragen sind. Das sind mehr als 3 Millionen Menschen weltweit, wobei nicht jeder, der sich registriert, automatisch Couchgäste beherbergen muss. Unter ihnen ist es verpönt, Geld zu verlangen oder zu bezahlen, wenn man eines der Quartiere in gut 80 000 Städten und fast allen Ländern der Welt teilt.

          Viele wollen sparen

          Viele Mitglieder wollen in erster Linie sparen. 20 Euro kostet die Registrierung auf der Couchsurfing-Plattform, gefolgt von einer Kontrolle der Identität, das gibt allen Beteiligten Sicherheit. Die Unterkunft ist kostenfrei. Manche werden nach einer Nacht auf einem fremden Sofa selbst zum Gastgeber, andere lieber nicht. Immerhin jedes dritte Mitglied bietet ein Bett an. Trotz des ungleichen Verhältnisses scheint das System prächtig zu funktionieren. Rund sechs Millionen Gäste seien schon über fremde Sofas gehopst, berichtet der Marktführer Couchsurfing. Wobei ein Sofa auch ein Gästebett sein kann, eine Matratze auf dem Boden oder gar ein eigenes Zimmer.

          Die größte Frage ist natürlich: Wie sicher ist es, sich Fremde ins Haus zu holen oder als alleinreisende Frau bei einem fremden Mann zu übernachten? Für viele ist es eine gruselige Vorstellung. Bisher machte aber nur ein Verbrechensfall Schlagzeilen, als eine Touristin aus Hongkong 2009 in England vergewaltigt wurde. Ansonsten erzählen sich die Nutzer in Internetforen fast nur Gutes. Auch eine Studie der Universität Michigan ergab, das Verhältnis guter zu schlechten Erfahrungen liege bei 2500 zu eins.

          Offen aus Gastfreundschaft

          Den meisten Zimmerbesitzern darf man also unterstellen, dass sie ihre Wohnung aus Gastfreundschaft öffnen. So hatte es sich Bob Luitweiler gedacht, der 1949 die erste Bewegung dieser Art gründete, die Servas Open Doors. Er verstand sich als Friedensstifter und wünschte sich, dass die Idee um die Welt ginge. Mit dem Internet tat sie es dann. Die meisten Sofa-Anbieter sagen heute Sätze wie: „Ich habe von der Hilfsbereitschaft anderer profitiert und will etwas zurückgeben.“ Manche sind pragmatischer: „Wir haben keine Zeit zum Reisen, also holen wir uns die Welt ins Haus.“ Wieder andere bekennen: „Ich wohne ungern allein und freue mich über Besuch.“

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