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Costa Blanca : Blick auf blaue Buchten und Orangenhaine

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Betulich und langsam: Der Zitronen-Express Bild: SRT

Kleiner Zug, große Reise: Der Trenet de la Marina verbindet die beiden Touristenzentren Alicante mit Dénia an der spanischen Costa Blanca.

          "Zwei Stunden Parkplatzsuche. Was soll das? Mit dem Auto kann man einfach nicht nach Alicante fahren", schimpft eine alte Spanierin am Bahnsteig des Jugendstilbahnhofs von Alicante. Dann greift sie ihre schwere Einkaufstaschen und schwingt sich mit einem Ruck in den "Trenet de la Marina". Einmal pro Stunde verkehrt der kleine Zug zwischen der Provinzhauptstadt Alicante und dem Hafenstädtchen Dénia. Nicht nur spanische Mamas befahren die 80 Jahre alte Strecke entlang der Mittelmeerküste, sondern auch viele Jugendliche, die spät abends zwischen den Diskotheken an der Küste hin und her pendeln. Auch Touristen haben den Charme des "Zügleins" entdeckt.

          Der alte Kopfbahnhof von Alicante ist voller Leben. Ein paar Spanier warten auf den Zug und schimpfen über steigende Preise und die fallende Moral in der Welt. Touristen schlendern mit ihren Luftmatratzen durch die frisch getünchte Bahnhofshalle - bis dumpfes Hupen die Abfahrt ankündigt und alles in den Zug drängt. Mit einer Dieselfahne und etwas unbeholfen rollt die Bahn über die Weichen und verliert sich dann langsam in der warmen Herbstsonne der Costa Blanca.
          Die eingleisige Strecke führt von Alicante direkt am Mittelmeer entlang. Es geht durch enge Tunnel und über schwindelerregende Brücken. Die Aussicht ist atemberaubend. Mal hat der Fahrgast Einblick in tiefe Schluchten mit blühenden Oleanderbüschen und halb verfallenen Fincas, dann zeigen sich die architektonischen Auswüchse des Massentourismus: Eine Urbanisation im Stil arabischer Kasbahs zieht vorbei, kurz danach eine Zeile monotoner Reihenhausfassaden.

          Geruhsames Zuckeln durchs Gebirge

          Alle paar Minuten macht der Zug Halt: Mehrere Dutzend kleine Bahnhöfe säumen den Weg. Deshalb braucht die Bahn für die knapp 80 Kilometer lange Strecke auch fast zweieinhalb Stunden. An manchen Stationen steigt nur ein einziger Fahrgast zu. In Benidorm dagegen, der Touristenhochburg mit ihren endlosen Sandstränden, schieben sich Hunderte Urlauber in den Zug.

          Doch das Gedränge währt zum Glück nur kurz. Die meisten der zugestiegenen Gäste wollen in den Themenpark Terra Mítica, der Besucher auf eine Zeitreise in die Antike schickt. Statt der Dörfer der Costa Blanca wollen diese Touristen lieber Nachbauten römischer Tempel, griechischer Ruinen und das Ägypten der Pharaonen besuchen.
          Nur wenige Minuten später rollt der Zug fauchend in den Bahnhof von Altea ein. Hoch über der Station thront die malerische Altstadt mit der blauen Kuppel der Kathedrale - ein Wahrzeichen der Costa Blanca. Dann beschleunigt der Fahrer das Tempo. Die alte Spanierin schreckt aus dem Schlaf hoch und blickt verstört in die Abgründe rechts und links der Trasse: Der Zug passiert das wilde Bergmassiv der Sierra Bernia.

          Sehenswert: Calpe

          Hinter dem Tunnel von Mascarat eröffnet sich eines der schönsten Panoramen der weißen Küste: Am Horizont ragt mitten aus dem Meer der riesige Felsen Peñon de Ifach. An seinem Fuß schmiegen sich die kalk-weißen Fassaden von Calpe. Einst war die Stadt ein beschauliches Fischerdorf, heute ist sie eines der Touristenzentren an der Costa Blanca.
          Durch duftende Orangenhaine, vorbei an Äckern mit Olivenbäumen und Weinbergen rollt der Zug weiter durch die Ortschaften Gata, Benissa und Teulada bis nach Dénia. Hier ist Endstation. Mit einem letzten Seufzer macht der Trenet Halt, die Passagiere steigen aus. Erst die Touristen, dann die Einheimischen. Auch die alte Spanierin ist noch an Bord. Angestrengt zerrt sie ihre Einkäufe aus dem Wagen, dann zieht sie langsam von dannen und mischt sich wie alle anderen in das geschäftige Treiben des Bahnhofsviertels.

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