Home
http://www.faz.net/-gxh-3ev8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Chalkidiki Landpartie zu den Philosophen

29.05.2002 ·  Schon Aristoteles hat hier gelebt und gewirkt, der Kriegsherr Xerxes aber hat vor 2.500 Jahren vergeblich versucht, sich mit seiner Flotte einen Weg durch den Athosberg zu bahnen.

Von Jule Reiner
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Wenn Ouranopolis nicht das Ende, sondern der Anfang einer ruhigeren Reisewelt darstellt, so unternimmt man von dort aus vielleicht etwas, was man nie vorhatte. Inspiriert von der geheimnisvollen Stille der Athosrepublik, die sich der Welt verweigert, führen ein paar Tage ohne Strandleben zu mancher Überraschung.

Pünktlich, wie es die Linienbusse nicht sind, steht ein Herr am Morgen mit Wagenschlüssel und Mietwagenpapieren in der Hotellobby. Chalkidiki ist weitläufig und teilweise noch recht unwegsam. Um auf die beiden anderen "Finger" der Halbinsel nach Sithonia und Kassandra zu gelangen, muss man erst weit in das steinalte Cholomonos-Gebirge landeinwärts fahren.

Der Stolz der Griechen

In dem nach Eselsmist riechenden Dorf Stagira lernt man in mühevoller Entzifferungsarbeit: "Auch Aristoteles war hier". Auf dem Dorfplatz steht eine Statue, ein uriges Kafenion mit meerblauen Stühlen lädt zu einem kleinen Schwarzen ein, dem "ellinikós kafés". Und schon kann der Wirt einiges zur Orientierung beitragen. Jeder Grieche spricht stolz über das alte Hellas. Natürlich wurde der kluge Philosoph hier geboren! Und auch der Kriegsherr Xerxes war hier. Schon vor 2.500 Jahren versuchte er, den Fuß des Athosbergs mit einem Kanal aufzuschneiden, um seine Flotte nicht um den Berg segeln zu müssen.

Wildblumentupfen zwischen Pinien

Verwegen war die Menschheit schon am Anfang ihrer Techno-Geschichte. Doch Xerxes ist gescheitert. Geblieben ist eine von Zedern, Pinien, Glockenheide und Wildblumentupfen marmorierte Landschaft: himmelblau und klar, als läge ein Brennglas über ihr. Im nächsten Dorf Arnea hängen die berühmten Flokatis über Terrassenbrüstungen und an den Wänden alter Bauernhäuser. Als Bettvorleger in Hippiewohnungen mögen sie bei uns aus der Mode gekommen sein. Hier im Land der Bienenzüchter und Hirten, wo sie immer noch hergestellt werden, wirken sie romantisch.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen