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Chalkidiki Kunstvolle Felsen des Sithon

29.05.2002 ·  Ihren Namen hat Sithonia, der mittlere Finger, vom Meeresgott Poseidon, in dessen Element die riesigen Felsformationen weit hinein ragen.

Von Jule Reiner
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Der Sohn des Meeresgotts Poseidon gab dem mittleren Finger Sithonia seinen Namen. Vielleicht, weil schon zur Zeit der antiken Besiedelung diese enormen Felsen im glasklaren Meer lagen. Glattgeschmirgelt wie von einem riesenhaften, göttlichen Bildhauer, der sich mit Statuen und Kleinkram nicht abgegeben hätte, bilden sie die Skulpturenkulisse an der Ostflanke Sithonias.

Landschaftskunst aus der Natur geboren. Bei dem beschaulichen Örtchen Sarti beginnt sie. Leicht unterscheidet man hier den alten Dorfkern der Fischer und Bauern vom modernen Badeort. Beide zusammen bilden ein vergnügtes Miteinander von Familienclans, verliebten Pärchen und Wanderern, die schon eingangs des Inselfingers als Individualisten auffallen.

Zu Fuß mitten hinein ins duftende Paradies

Auf Sithonia sind Schusters Rappen der Schlüssel zum Paradies. Denn überall führen Pfade, manchmal auch Eselspfade, die mit dem Wagen unter Geholper und Achsenquietschen befahrbar sind, zu traumhaften Stränden. Eine Tagesreise rings um den bauchigen Mittelfinger wirkt wie ein Elixier aus Kräuterextrakten und Blütenduft, so naturbelassen und streckenweise menschenlos ragt er hoch über die Ägäis.

In elementarer Schönheit, weil vermutlich Sithon persönlich die Erbfolge seines Vaters an diesem Ort angetreten hat, liegt Porto Koufos am äußersten Zipfel. "Es gibt hier ein paar Tavernchen...", würde man Freunden gerne nach Hause zuflüstern. Zum Beispiel die mit der dicken Wirtin, dem schlaksigen Sohn und dem Dorfpfarrer, der so gern sein "grassaki", sein Weinchen hier nimmt. Auch er bekommt immer wieder einen verträumten Blick, wenn er das Glitzern der Bucht sieht.

Überreste aus den 70er Jahren

Über die dichter besiedelte Westseite Sithonias führt der Weg zurück auf den Handrücken der Halbinsel. Unterwegs stellt sich das riesige, zur Zeit seiner Entstehung hypermoderne Hotel- und Casinoareal Porto Carras in den Weg. Das Monument eines griechischen Großreeders umgürtet sozusagen die Hüfte des schönen Sithon. Sicher könnte man das Hotel mit seinen Zitaten auf die späten 70er Jahre, sein orange, braun und metallig gehaltenes Ambiente belächeln. Aber Stilwille kann nachhaltig interessant wirken.

Nicht weit liegt Nikiti, eine muntere Perle zwischen diesen frühen Tourismusjahren und heutiger rustikaler Erneuerung. Zwei Tage am gepflegten Strand rücken die von Holperpisten verbogenen Knochen wieder gerade.

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