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Burma : Das offene Meer

  • -Aktualisiert am

Hier wird der Fisch zum Trocknen aufbewahrt - im Ufersaum einer Insel des Mergui-Archipel in der Andamanensee. Bild: Günter Kast

Bisher waren die meisten Inseln des Mergui-Archipels militärisches Sperrgebiet. Jetzt kommen Touristen auf Segelyachten in den Süden Burmas

          Es ist erst neun Uhr morgens, aber die schwüle Hitze liegt schon wie eine Glocke über Kawthaung. Burmas südlichste Stadt unterscheidet sich auf den ersten Blick gar nicht so sehr von Ranong auf der anderen Seite des Flussdeltas, jenseits der Grenze, in Thailand, nur vier Autostunden von der Ferieninsel Phuket entfernt. Der Geruch von getrocknetem Fisch vermischt sich mit dem faulig-süßen Duft reifer Durianfrüchte. Kahlgeschorene Mönche ziehen durch die Straßen und sammeln in Blechnäpfen Almosen. Händler laden Kautschuk, Langusten und Cashewnüsse in knatternde und stinkende Longtailboote.

          Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Glasnost- und Perestrojka-Politik des burmesischen Regimes allmählich auch hier im Süden ankommt. Das „Honey Bear Hotel“ wirbt um Kunden, ein Straßencafé serviert „Expresso“, und an der Hafenmeisterei ermahnt ein Schild in holprigem Englisch die Behörden, doch bitte freundlich zu den Touristen zu sein. Für einen Staat, der seine Bürger bis 2011 vor „ausländischen Einflüssen“ warnte, ist das durchaus ein Kurswechsel. Vor allem aber: Im Hafen von Kawthaung, das zu Zeiten der Briten Victoria Point hieß, sieht man jetzt neben Fischerbooten auch den schneeweißen Katamaran „SY Meltemi“ der deutsch-österreichischen Charterfirma Burma Boating vor Anker liegen.

          Dessen Skipper Roland Bouwkamp erledigt die Zoll- und Einreiseformalitäten mit großer Geduld und Routine. Den an Bord kommenden Beamten schenkt er einen Guten-Morgen-Whiskey ein, das hebt die Stimmung. Formulare wechseln den Besitzer, wohl auch Geldscheine, die Reisepässe bleiben bei den Behörden. Alles wirkt etwas undurchsichtig.

          In eine andere Welt

          Keine Stunde später segelt die „Meltemi“ hinaus in eine andere Welt. In eine geheimnisvolle, maritime Wunderwelt, die nur per Boot zu erkunden ist. Der Mergui-Archipel in der Andamanensee mit seinen rund 800 Inseln und Inselchen, verteilt auf die Fläche Belgiens, gilt als einer der letzten Gegenden, die es für Segler in den Tropen zu entdecken gibt.

          Zwar kamen einige wenige Tauchboote aus Thailand bereits Ende der neunziger Jahre. „Doch sie mussten in Kawthaung einen bewaffneten Aufpasser an Bord nehmen und durften nur wenige Inseln anlaufen“, erklärt der niederländische Skipper. Das Militär, das hier Stützpunkte unterhält, legt keinen großen Wert auf westliche Entdecker. Das änderte sich erst mit der politischen Öffnung des Landes. Während 2015 bereits fünf Millionen Neugierige ins Land strömten, kam auf den einsamen Inseln im Süden nur ein winziger Bruchteil davon an. „Als wir vor drei Jahren anfingen, lag die Zahl der ausländischen Besucher bei unter 2000 pro Jahr. Jetzt sind es etwa 3500“, schätzt Janis Vougioukas, einer der Gründer von Burma Boating.

          Die Moken verbringen ihr Leben vor allem auf dem Wasser.
          Die Moken verbringen ihr Leben vor allem auf dem Wasser. : Bild: Polaris / StudioX

          Die Zahlen dürften bald rasant steigen. Denn dem Reiz dieser Eilande kann man sich nur schwer entziehen. Dabei erfüllen die Inseln die Postkartenklischees nur bedingt: Nur selten wiegen sich Kokospalmen sanft im Wind. Es gibt auch keine auf Stelzen gebauten Luxusresorts wie auf den Malediven oder in der Südsee. Stattdessen sind die meist steil aus dem Meer aufragenden Inseln mit dichtem Dschungel überzogen, in den kein Weg führt. Wie ein Schleier umhüllt der Wald die Eilande. Gelegentlich sieht man Nashornvögel, Weißkopfseeadler und auch Affen, die am Ufer nach Muscheln suchen. Meist aber ist es vollkommen still. Fast gespenstisch still. Drehorte für „Jurassic Park“-Fortsetzungen sehen so aus. Was sich hinter diesem grünen Vorhang aus haushohen Mahagoni- und Feigenbäumen wohl verbergen mag? Es wäre das perfekte Versteck für Verbrecher und Piraten, für Robinsonaden. Aber auch ein guter Ort, um politische Gefangene wegzusperren? Vougioukas sagt, er wisse nicht genau, was das Militär hier macht. Inseln, die der Marine unterstünden, dürften nicht besucht werden. Aber man solle sich die Soldaten nicht als hochgerüstete Außenposten eines paranoiden Staates vorstellen. Er habe einmal den Kommandanten einer Artilleriebasis kennengelernt. Dessen Lager habe auch nicht anders ausgesehen als die Siedlungen der hier lebenden Seenomaden, der Moken. Und auf den Schiffen der Marine sei keine Bewaffnung zu erkennen: „Das sind meist nur umgebaute Fischerboote.“ Es sind diese vielen Fragezeichen, die Geheimnisse, die den Archipel so faszinierend machen.

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