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Hotel „The Strand“ : Bett, Bar und Billard in Burma

Durch schwierige Zeiten

Ein französischer Koch, der im Londoner Savoy gelernt hatte, elektrisches Licht, elektrische Ventilatoren, Telefonanschluss, moderne Sanitäreinrichtungen – das kleine, feine Hotel war sofort auf der Höhe der Zeit. Es wurde zum Treffpunkt deutscher Baumwollfabrikanten, britischer Verwaltungsbeamten und französischer Händler. Die Zeiten waren mal besser, mal schwieriger, aber das „Strand“ blieb, was es war.

Heute gibt es mehr als nur ein luxuriöses Hotel in der Stadt, doch „The Strand“ ist nach wie vor das mit dem klingendsten Namen: Die Bar, die es schon zu Zeiten Kiplings und Orwells gab.

Im Jahr 1948 wurde Burma unabhängig. Damit änderte sich zunächst nur eines: Es tanzten nun auch junge burmesische Paare bei den regelmäßigen Tanzvergnügen. Unter der britischen Herrschaft mit ihrer Verachtung für alles Einheimische wäre das undenkbar gewesen. Die Stadt hatte mittlerweile auch einen Flughafen, erste demokratische Wahlen wurden ausgerichtet, es war eine hoffnungsvolle Zeit. Sie hielt bis 1962 an, als der Sozialismus eingeführt wurde und das Hotel – gegen Bezahlung freilich – in den Besitz des Staates überging. Das Hotel verstaubte allmählich vor sich hin, Wasser gab es nicht mehr zuverlässig, und in den siebziger Jahren konnten Rucksackreisende für ein paar Dollar ein Zimmer bekommen. Reisende durften nur ein paar Tage im inzwischen völlig isolierten Land bleiben. Doch das Schlimmste sollte noch kommen: die blutigen Aufstände Ende der achtziger Jahre und ihre gewaltsame Niederschlagung durch das Militärregime. Das „Strand“ fand neue Besitzer und eröffnete 1993 in frisch renoviertem Zustand. Nun lief das Wasser wieder, zugleich war das Ungeziefer verschwunden. Die Teakholzböden, die Bäder mit den bunten Kacheln und den Butlerservice in jedem Stockwerk, der zu sämtlichen Uhrzeiten Tee serviert, gibt es seitdem. Das Haus hat nun nur noch einunddreißig Suiten.

Die Zimmer erinnern mit alten Fotos und Lackarbeiten daran, dass man hier nicht irgendwo schläft, sondern in einem Land mit reicher, alter Kultur.

Das Hotel manövrierte sich durch die schwierigen Zeiten. Heute hat die Stadt fünf Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Yangon nicht mehr, die wurde im Jahr 2006 Naypyidaw, eine Retortenstadt irgendwo im Dschungel auf halbem Weg nach Mandalay. Auch gibt es heute mehr als nur ein luxuriöses Hotel in der Stadt. Konkurrenten wie das Shangri-La haben hier ein Haus, und das einstige Wohnhaus des Gouverneurs ist heute ein kleines Hotel, das von Belmond betrieben wird. Doch „The Strand“ ist nach wie vor das mit dem klingendsten Namen.

Kühle Drinks nach tropischen Tagen

Erst kürzlich, im Jahr 2016, wurde wieder renoviert. Ein Anbau wurde abgerissen, nun hat das Hotel erstmals einen Garten mit einem gar nicht einmal kleinen Swimmingpool. Das Spa mit seinen zwei Behandlungsräumen ist angenehm sachlich gehalten, aber in einer Stadt voller Pagoden muss man auch wirklich keine zusätzlichen Entspannungsbuddhas mehr aufstellen.

Es waren zwei armenische Brüder, Aviet und Tigran Sarkies, Sprösslinge einer umtriebigen Händlerfamilie, die die richtige Nase hatten und das „Strand“ gründeten.

Ansonsten blieb das „Strand“ konsequent seinen Wurzeln treu und konzentrierte sich aufs Kerngeschäft: Die Bar ist von angemessener Lauschigkeit und gut bestückt, auf der Karte stehen auch ein paar historische Cocktails, etwa der Pegu Club von 1920 – benannt nach einem legendären Gentlemen’s Club im alten Rangun –, eine angenehm bittere Orangenangelegenheit mit Gin. Die Lobby ist kühl und elegant gehalten, genau das Richtige nach einem tropischen Tag in der Stadt, und erfreulicherweise frei von Kolonialkitsch. Die Zimmer erinnern mit alten Fotos und Lackarbeiten daran, dass man hier nicht irgendwo schläft, sondern in einem Land mit reicher, alter Kultur.

Die mitunter liebenswerte Muffigkeit britischer Hotelkästen, die sich in quastenbehängten Vorhängen, Kissenbergen, dicken Teppichen und tendenzieller Übermöblierung äußert, geht dem modernen Strand ab. Es muss seine Geschichte auch nicht mit Accessoires herausstreichen, man kennt sie schließlich, sie ist lang und glorreich. Es reicht, wenn man entspannt in neue Zeiten hinübergleitet. Für das von langen Jahren der Isolation und Misswirtschaft gebeutelte Land Burma würde man sich eine ähnliche Erfolgsgeschichte wünschen.

In Rangun

• Das Hotel: „The Strand“ ist Mitglied bei The Leading Hotels of the World (de.lhw.com) und mit fünf Sternen bewertet. Die Innenstadt ist fußläufig erreichbar, Taxis sind günstig (zur Shwedagon-Pagode zahlt man 3000 Kyat, etwa 1,80 Euro). Das Doppelzimmer kostet ab 213 Euro pro Nacht, Frühstück à la carte ist inbegriffen. Informationen und Buchung unter www.hotelthestrand.com.

• Rangun entdecken: Die beste, weil kühlste Reisezeit ist von Oktober bis Januar. Wer sich nicht allein nach Rangun wagt, dem sei eine viertägige Intensivtour mit Guide empfohlen, bei der man auch „The Strand“ als Unterkunft wählen kann. Buchbar über Rose Travel, Telefon 0 80 22/6 62 50, www.rosetravel.de.

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