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Boeing 787 : Wir sehen uns in Tokio

  • -Aktualisiert am

Ja, sie fliegt: Die Boeing 787 beim Abheben in der Nähe von Tokio Bild: AFP

Über den Wolken soll das Klima jetzt besser sein: Der sogenannte Dreamliner beginnt den Liniendienst. Eindrücke vom Erstflug.

          Es ist wie ein kleines Familientreffen, an diesem sonnigen Oktobermittwoch am Flughafen Narita bei Tokio, vor allem unter den Amerikanern. Mit breitem Grinsen sitzt Thomas Lee am Gate 59 und genießt ein Blitzlichtgewitter. Es gilt nicht nur dem Kalifornier, sondern auch dem Bilderrahmen auf dem Sitz neben ihm. Darin konserviert sind zwei Zertifikate, die Thomas Lee zu einer lebenden Luftfahrtlegende machen, davon jedenfalls ist er absolut überzeugt. So stark sogar, dass er den sperrigen Bilderrahmen den weiten Weg aus den Vereinigten Staaten nach Tokio geschleppt hat. "Triple First", so nennt er seine Errungenschaften: Mit 17 nahmen ihn seine Eltern 1970 auf den Erstflug der Boeing 747 von New York nach London mit, vor vier Jahren war er auf der ersten A380-Linienverbindung von Singapur nach Sydney. Und jetzt steht er kurz davor, den ersten Passagierflug einer Boeing 787, des Dreamliners, zu besteigen.

          "Vor kurzem war ich noch ein nervöses Wrack", kokettiert Lee, denn er war diesmal nicht zum Premierenflug eingeladen. Es bedurfte mehrerer Briefe an die japanische Fluggesellschaft ANA und Besuche beim Kundenservice in Los Angeles, bis Lee die Möglichkeit eingeräumt wurde, für 78 700 japanische Yen (744 Euro) eine Economy-Passage auf dem Erstflug nach Hongkong und zurück zu buchen. Dieses Privileg galt sonst nur für in Japan ansässige ANA-Vielflieger bei einer Verlosung, Tausende hatten sich um die hundert verfügbaren Sitze beworben.

          34.000 Dollar für ein Ticket

          Auch Gino Bertuccio ist aus den Vereinigten Staaten angereist. Der hemdsärmelig auftretende, glatzköpfige Italo-Amerikaner ist erpicht darauf, in jede Kamera seine Geschichte zu erzählen. In heiserem, italienisch eingefärbten Englisch. "Luftfahrt ist meine Leidenschaft, und ich gebe mein Geld für Erstflüge aus", erklärt der Kosmetik-Importeur. Und erzählt freimütig von dem Abenteuer, das ihn an diesem Tag nach Tokio gebracht hat: Bei der Online-Auktion einer Businessclass-787-Passage wollte er ein Gebot von 25200 australischen Dollar eintippen, "aber ich war so nervös, das ich aus Versehen 225000 eingab". Am Ende kamen ihm die Spielregeln der Auktion zu Hilfe, und er musste "nur" knapp 34000 Dollar berappen, um zu den ersten Dreamliner-Passagieren zu gehören. "Aber ich fühle hier etwas weniger Begeisterung als damals beim A380-Erstflug, da war ein doppelstöckiger Jet schon aufregender", gesteht Bertuccio nach drei Stunden in der 787.

          Jungfernflug der Boeing 787: „Hier fehlt ein wenig der Glamour“
          Jungfernflug der Boeing 787: „Hier fehlt ein wenig der Glamour“ : Bild: AFP

          Und dann sind da noch Dean Wood und seine Frau Stephanie, ebenfalls aus Miami. Sie schreitet wie ein Angelina-Jolie-Double durch die Kabine und freut sich über jede Kamera, die sich auf sie richtet. Er berichtet, dass er mit Flugzeugersatzteilen handelt und auch schon bei der A380-Premiere dabei war. "Aber hier fehlt ein wenig der Glamour", findet Stephanie, "nicht mal Champagner gab es am Gate wie damals." Nur ein Holzbecher mit Sake wird zur Feier des Tages gereicht.

          Drei Jahre und fünf Monate Verspätung

          Doch für Japan, und auch für die Fliegerei insgesamt, ist die Bedeutung der Dreamliner-Einführung kaum zu unterschätzen. "Die 787 ist ein Symbol für die japanische Beharrlichkeit nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe", sagt Rob Henderson, Boeing-Sprecher in Tokio. "35 Prozent der 787 werden hier hergestellt, genauso viel wie in den Vereinigten Staaten."

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