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Veröffentlicht: 23.01.2013, 17:25 Uhr

Biathlon In bester Lauf- und Schießgesellschaft

Rennen, Schießen, Rennen - was ist dieses Biathlon eigentlich für ein Sport? Fritz Fischer, amtierende Legende in dieser Disziplin, weiß es. In Ruhpolding bietet er Camps für Anfänger und Fortgeschrittene an.

von Franziska Horn
© Franziska Horn Die Scheibe ist gar nicht so wichtig, eher schon Ausdauer und Tunnelblick. Denn Biathlon formt den Charakter, findet Fritz Fischer.

Fritz Fischer ist ein Original - und Leistungssportler mit Unterhaltungswert. Und jeder Menge Tiefsinn. „Wie kann man mit einer Kleinkaliber-Waffe bei Puls 170 ruhig schießen? Wie geht man generell mit positivem Stress um? Darum geht es bei diesem Sport“, sagt Fischer. Als Athlet hat er alles erreicht: Zwischen 1980 und 1992 nahm er an vier Olympischen Spielen teil, holte Medaillen, dazu jede Menge Weltcup-Siege und Deutscher-Meister-Titel. Heute ist die lebende Legende 56 und topfit, mental wie physisch. „Medaillen gewinnen ist schön, aber wennst als Mensch keinen Charakter hast, hast auch nix davon“, findet er. Und: „Schießen und Rennen, das hat sich aus der Jagd mit Skiern entwickelt.“ Aktuell ist Fischer Disziplintrainer der deutschen Biathlon-Männermannschaft, und seit 2005 bietet er auch Schnupperkurse in seinem Sport an.

Lokaltermin in Ruhpolding. Acht Teilnehmer zwischen 18 und 64 Jahren treten an zum ersten Biathlon-Camp dieses Winters, vier Männer und vier Frauen. Zwei Tage soll das Camp dauern, am Ende winkt ein Wettkampf in der Chiemgau-Arena Ruhpolding. Wenn hier alljährlich im Januar rund 45 Nationen zum World Cup antreten, machen rund dreißigtausend Zuschauer und unzählige Fernsehkameras das Sechstausend-Seelen-Dorf zum Epizentrum der Sportwelt. Doch heute schlittern nur ein paar versprengte Läufer über umliegende Loipen. Schuld ist das Wetter, das klar hinter den Erwartungen zurückbleibt. Das ist vorsichtig formuliert. Es regnet auf eine harschig angefrorene Schneedecke, doch echte Winterfans kann auch das nicht schocken.

Fragil auf Lachsschnitten

Zuerst bekommen wir das nötige Material verpasst: Ski, Schuhe und Stöcke. Die dynamisch geformten Carbonski sind schmal wie Lachsschnitten aus dem Tiefkühlregal und scheinen ebenso wenig zu wiegen. Man könnte Outdoor-Mikado mit ihnen spielen. Auch der Biathlonschuh ist Hightech, er sitzt knapp und stramm wie ein Handschuh. Mit einem gezielten Kick klicken wir die Schuhspitze in die Skibindung ein. Sehr fragil das Ganze. Allein das Stehen auf den Ski fühlt sich wackelig an. Erst recht das Gehen: Wie Kleinkinder üben wir staksig die ersten Schritte. Gemäß dieser Logik folgt nun Ballspielen. Im Kreis aufgestellt werfen wir uns die Kugel zu. Schon klar, hier geht’s ums Gleichgewicht und um die eigene Mitte. Langsam werden die Würfe sicherer, Trainerin Mona Gstatter ist zufrieden.

Sie gehört zu Fischers Trainerteam und entstammt wie ihre rund 14 Kollegen dem Leistungssport. Mit sieben hat sie das Langlaufen begonnen, mit elf ist sie zum Biathlon gewechselt. Mit 21 blickt sie bereits auf eine ganze Karriere zurück. Was sie vor allem gelernt hat? „Disziplin, im ganzen Leben!“, sagt sie sofort. „Kein Alkohol, wenig Zeit für Freunde, hohe Konzentration. Und Willen. Den brauchst du, wenn du fünf- bis sechsmal pro Woche trainierst. Und dass die ganze Familie mitspielt, jahrelang.“

Lasagne als Kraftfutter

Dann bringt Mona uns geduldig zwei Stunden lang die Grundtechniken des Skatens bei. Oder zumindest die Anfänge davon. Im Schlittschuhschritt und ohne Stöcke üben wir einen kraftvollen Fußabdruck. „Das Gewicht immer über dem Knie und über der Bindung halten!“, ruft Mona quer über die ovale, weitläufige Piste. Mitunter gelingt es. Keinem von uns war klar, wie schwierig es ist, fahrend auf einem Bein zu balancieren. Denn darauf kommt es an. Allmählich begreifen wir, welch astronomischer Abstand uns von den Topläufern trennt - allein technisch. Nach wenigen Runden sind wir völlig ausgepowert. Obwohl wir uns jetzt kraftsparend mit dem Schub der überlangen Stöcke in Zwei-Eins-Technik vorankämpfen. Das heißt, dass nur auf jeden zweiten Gleitschritt ein Stockeinsatz kommt. Trotzdem: Kondition ist die zweite große Zutat für diesen Sport.

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