http://www.faz.net/-gxh-7hlrx

Besuch in Highclere Castle : Et in Downtonia ego

My castle is my home: Maggie Smith als Lady Violet, forschen Schrittes das Bowling Green durchmessend. Bild: Nick Briggs

In England startet die vierte Staffel der Fernsehserie „Downton Abbey“. Am Drehort Highclere Castle läuft derweil ein anderer Film.

          Erster Eindruck –- unterwältigend. Fehlt eine Etage, waren es nicht drei Obergeschosse? Nein, die Erinnerung trügt. Als einen „Ausbund an Masse“ hatte John Fowles in seinem Roman „Die Geliebte des französischen Lieutenants“ den Pier von Lyme Regis beschrieben. Und so hat sich Highclere Castle alias Downton Abbey, die, wie englische Zeitungen diesen Sommer behaupteten, berühmteste Immobilie der Welt, in den dreiundzwanzig bislang ausgestrahlten Folgen auch stets gegeben: als selbstbewusster Hauptdarsteller, ebenbürtig den Exponenten der gräflichen Fernsehfamilie Crawley.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Hundert Kilometer westlich von London, inmitten der rollenden Hügel im Norden der Grafschaft Hampshire, gelangt man durch einen steinernen Bogen auf eine Privatstraße. Nach ein paar Kilometern Fahrt durch eine abgezirkelte Parklandschaft taucht das Schloss unvermittelt auf, als man es schon beinahe erreicht hat. Bald darauf steht man auf knirschendem Kies vor der zweiflügeligen Haustüre, die von gusseisernen Drachen flankiert wird, hinter denen sich Schuhschaber verbergen. Am Portal die Jahreszahl der Erweiterung: 1842. Da bewohnte die Familie Carnarvon das Anwesen schon seit mehr als hundertfünfzig Jahren.

          Die Tische sind gar nicht richtig gedeckt

          Der Sandstein seiner Mauern bröckelte immer wieder in der langen Geschichte des Hauses; neuerdings stehen die Chancen gut, dass die Rechnungen bezahlt werden können. Darüber wäre mit den Inhabern zu reden. Aber das in Aussicht gestellte Gespräch mit der deutsch sprechenden Lady Carnavorn -– „„She will be extremely busy““, hatte ihre Pressefrau angekündigt -– findet entgegen der Vereinbarung gar nicht statt, weil sowohl die Hausherrin als auch ihre Sprecherin in Urlaub sind. Die Sitten im englischen Adel sind auch nicht mehr, was sie einmal waren.

          Dabei legt sich die zweite Ehefrau des achten Grafen mächtig ins Zeug. Sie hat als gelernte Wirtschaftsprüferin die Vermarktung und die Verwaltung des Gutes mit einer eigens gegründeten Firma übernommen. Um die Stimmung vor der Ausstrahlung der vierten Staffel anzuheizen, hat sie unlängst auf ihrem Blog eine Debatte vom Zaun gebrochen: Im Film seien die Tische nicht richtig gedeckt, und überhaupt gebe es viel zu wenig Personal -– zwölf Diener statt sechzig. Prompt entbrannte eine Auseinandersetzung über die historische Präzision der Serie.

          Mit Whisky begossene Wegmarken

          Obendrein hat sie zwei Bücher geschrieben, eines davon („“Lady Almina und das wahre Downton Abbey““) erscheint Anfang Oktober in deutscher Übersetzung. Und im Keller hat die Gräfin ein ägyptisches Museum verwirklicht, eine Art Miniaturtal der Könige, als Schlusspunkt des Rundgangs. Der beginnt im Erdgeschoss gleich zur Linken mit der Bibliothek, die für den Fernsehauftritt kaum verändert wurde. An die sechstausend Bücher stehen hier, viel Biographisches, „„40 Years in India““, „„Racing At Home and Abroad“,“ „„Irish Pedigrees““, „„Letters To Young Shooters““, aber auch Roland Le Furieux und Tasso.

          Die roten Sofas, auf denen Robert Crawley, Graf von Grantham, schicksalhafte, mit Whisky begossene Wegmarken seines Lebens durchlebt, der Schreibtisch, an dem er seinen Briefverkehr erledigt – das ist nun Teil einer Gegenwart, die von Besucherscharen durchströmt wird. An Spitzentagen kommen mehr als tausend Neugierige. Diesen Gästen, überwiegend mittelalte Menschen weißer Hautfarbe, zeigt man nur einen Bruchteil der Räume. Doch trennt nur eine rote Kordel Herrn Krethi und Frau Plethi vom Lebensraum des Adels.

          Weitere Themen

          70 Jahre Ehe Video-Seite öffnen

          Die Queen und Prinz Philip : 70 Jahre Ehe

          Zum 70. Hochzeitstag von Queen Elizabeth und Prinz Philip am Montag wird gefeiert. In London werden für die beiden ab Mittag die Glocken der Westminster Abbey lange läuten. Dort haben sie geheiratet.

          Kölsche Glühwein-Polizei Video-Seite öffnen

          Qualitätskontrolle : Kölsche Glühwein-Polizei

          Heiß, heißer, zu heiß- Lebensmittelkontrolleur Oliver Maier prüft auf dem Kölner Weihnachtsmarkt nicht nur Sauberkeit und Lagerung des Heißgetränks, sondern auch die Temperatur. Doch warum darf ein Glühwein nicht wärmer als 78 Grad sein?

          Topmeldungen

          Trotz geplatztem Deal : Lufthansa greift nach der Lufthoheit

          Auch nach der gescheiterten Übernahme des Air-Berlin-Ablegers Niki baut die Lufthansa ihre Stellung aus. Der Bund steht dagegen heftig in der Kritik.

          Kryptowährung : Bulgarien ist Bitcoin-Großbesitzer

          Bulgarien besitzt Bitcoin im Wert von fast drei Milliarden Euro. Damit könnte das Land fast 20 Prozent seiner Staatsschulden bezahlen. Es gibt nur einen Haken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.