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Beste Lage : Deutschland, deine Winzer!

Verkostung beim Spitzenwinzer: Nicht nur vergorener Traubensaft, sondern auch Herzblut Bild: Bergmann, Wonge

Während man in südlichen Spitzenweingütern bei Verkostungswünschen wie ein Tagedieb angeschaut wird, öffnen einem deutsche Ausnahmewinzer Tor und Tür. Eine Liebeserklärung.

          Es muss jetzt endlich einmal gesagt werden, damit ein für alle Mal Schluss ist mit dieser unausrottbaren Minderwertigkeitsmeckerei und diesem ganzen Pinot-Grigio-Prosecco-Gehampel: Deutschland ist für alle Weinliebhaber der Garten Eden auf Erden. Basta! Und zwar nicht nur, weil zwischen Ahr und Saar, Rheinhessen und Rheingau, Kaiserstuhl und Elbufer phantastische Weine von famosen Winzern gekeltert werden. Nicht nur, weil das Weinland Deutschland ein kunterbunter Vielvölkerstaat an Böden und Rebsorten, Ausbaumethoden und Klimazonen, Temperamenten und Philosophien ist. Nicht nur, weil hier selbst Spitzenqualitäten von internationalem Rang zu lächerlichen Preisen verjubelt werden, bei denen sich das befreundete Ausland noch nicht einmal zum Naserümpfen herablässt. Sondern auch und vor allem deshalb, weil man in allen dreizehn deutschen Anbaugebieten Samstagnachmittage erleben kann wie wir neulich bei den Knipsers in der Pfalz.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Das Weingut Knipser in Laumersheim, Familienbetrieb seit 1876, Mitglied im Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter seit 1993, Bewirtschafter von sechzig Hektar Rebflächen in herausragenden Lagen, Produzent von jährlich einer knappen halben Million Flaschen in überragender Qualität, wurde von den Brüdern Werner und Volker Knipser zu Ruhm und Ehren geführt. Es gehört zur Crème de la Crème des deutschen Weinbaus, wird von allen Weinführern so regelmäßig wie zuverlässig unter die zwanzig besten Betriebe des Landes gewählt, kann sich also mit vollem Recht als eine Art Château Mouton Rothschild oder Romanée-Conti oder Vega Sicilia oder Pingus oder Opus One Winery Germaniens bezeichnen. Und wer hockte neulich am Samstagnachmittag in seinem Hof auf einem Bänkchen, als wir zur Verkostung zu diesem Leuchtturm, diesem Koloss von Rhodos der deutschen Weinkultur fuhren? Volker Knipser, frohgemut und wohlgelaunt wie immer und wie immer zu allen Schandtaten bereit, wenn sich jemand ernsthaft für seine Weine interessiert.

          In bacchantischer Nächstenliebe

          Wir tranken uns mit ihm durch das gesamte Sortiment, vom Gutsriesling für knapp sieben Euro bis zum Großen Gewächs für kaum vierzig Euro, von der berühmten CuvéeX über den exotischen Gelben Orléans bis zum Sekt aus weiß gekeltertem Spätburgunder, der vierzehn Jahre lang Zeit zum Reifen hatte. Zu jeder Flasche erzählte uns Knipser die passende Geschichte, bei jedem Glas lernten wir Verblüffendes, mit jedem Schluck tranken wir nicht nur vergorenen Traubensaft, sondern auch Herzblut, weil er uns jeden Wein so leidenschaftlich pries wie seine große Liebe. Und zum Schluss verschwand der Herr Spitzenwinzer höchstpersönlich im Keller, um unsere Bestellung auf die Sackkarre zu hieven.

          Erst als wir im Auto auf dem Weg nach Hause saßen, begriffen wir, wie selbstverständlich uns das Außerordentliche längst geworden ist und welches Glück uns auch dieses Mal beim Weinkauf widerfahren war: Wir spazieren in eines der besten und berühmtesten Weingüter Deutschlands, und einer der besten und berühmtesten Winzer Deutschlands empfängt uns dort wie alte Freunde, um in bacchantischer Nächstenliebe seinen Wein mit uns zu teilen - eine aberwitzige Vorstellung wäre das in Frankreich, Italien oder Spanien; ein König mindestens, wenn nicht gleich Kaiser oder Papst müsste man in diesen Ländern sein, damit sich die Winzer überhaupt zu einer persönlichen Degustation herabließen; ein Bittsteller, ein Würmchen ist man dort allzu oft, wenn man es wagt, nach den Weinen des Hauses zu fragen, geschweige denn darum ersucht, sie zum Kosten zu öffnen.

          Weggescheucht wie Schmeißfliegen

          Mit Schaudern erinnerten wir uns daran, wie wir einmal in grenzenloser Naivität bei Vega Sicilia in der Ribera del Duero vorfuhren, um guten Tag zu sagen - und an der in Fort-Knox-Manier gesicherten Pforte des legendären Weinguts von einem uniformierten Wächter weggescheucht wurden wie Schmeißfliegen. Wir mussten an den trostlosen Anblick der verbarrikadierten Châteaus in Bordeaux denken, die längst prestigesüchtigen Trophäensammlern mit milliardenschwerer Brieftasche gehören und höchstens zweimal im Jahr für eine Angebersause der Jetset-Schickeria aufgesperrt werden. Und kein bisschen besser sind uns die zu Schnöselboutiquen aufgemotzten Verkaufsräume im Piemont oder in Kalifornien in Erinnerung, in denen ahnungslose Möchtegernmodels den Wein mit spitzen Fingern und der dumpfen Hingabe fleischgewordener Schaufensterpuppen verkaufen.

          Volker Knipser winkte uns in seinem abgewetzten Pullover zum Abschied nach. Im Kofferraum klimperten leise die Flaschen. Und wir summten ein Liedchen - auf Deutschland, seine Winzer und unser Glück.

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