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England : Beet und Breakfast

  • -Aktualisiert am

Da blüht das Herz jedes Blumenliebhabers auf: Der Garten des Clapton Manor in den Cotswolds. Bild: Astrid Ludwig

Wer von Rosen, Clematis oder Rittersporn nicht genug bekommen kann, der sollte in England in einem „Bed and Breakfast for Garden Lovers“ absteigen – zum Beispiel im Clapton Manor.

          Das mit der Richtung beschäftigt uns jetzt schon. Was hatte Karin gesagt? Der Eingang in ein Tudor-Haus aus dem 16. Jahrhundert führt immer nach rechts, nicht nach links. Links lauert das Böse, der Teufel. Rechts dagegen das Gute. Politisch kann das nicht gemeint gewesen sein, daran lässt unsere liberale Hausbesitzerin in Brexit-Zeiten keinen Zweifel. Also doch jahrhundertealter Aberglaube aus der Zeit Heinrichs VIII. Aber liegt unser Zimmer jetzt rechts oder links vom Eingang? Schließlich gibt es gleich vier davon – einen vorne und drei hinten, wobei ein Eingang im Nichts endet. Wir entscheiden uns für den Vordereingang. Von dort führt die Treppe direkt in den Flur zum Garden Room, in dem wir logieren. Der liegt rechts, also im Reich des Guten und bietet, wie der Name schon vermuten lässt, einen wunderbaren Blick vom ersten Stock in den romantischen Garten von Clapton Manor, einem rund fünfhundert Jahre alten, herrschaftlichen Farmhaus in der kleinen Ortschaft Clapton-on-the-Hill in den Cotswolds von Gloucestershire.

          Alles am Garden Room ist sehr Garten: die Blumenmotive auf den Kissen, die botanische Literatur im Regal, die Bilder an den zartgrünen Wänden und das Farnmuster der Vorhänge. Morgens kratzt die Kletterrose „Fantin Latour“ in der leichten Brise mit ihren zartrosa Knospen am Fenster, die tiefblauen Blüten der Clematis „Perle d’Azur“ wetteifern mit dem klaren Morgenhimmel, und beim Blick nach draußen schaukeln die pummeligen Kugelköpfe des Allium drei Fuß hoch in den Staudenbeeten gleich gegenüber. Bonzo, der schwarze Labrador-Mischling, und Blitzen, der weißgescheckte Terrier, haben es sich bereits auf dem Rasen bequem gemacht und dösen in der Sonne. Herrlich, so könnte jeder Morgen beginnen.

          Karin Bolton serviert ihren Gästen English Breakfast mit Ei, Tomaten und Pilzen, Sausages, Beans und Black Pudding.
          Karin Bolton serviert ihren Gästen English Breakfast mit Ei, Tomaten und Pilzen, Sausages, Beans und Black Pudding. : Bild: Astrid Ludwig

          Karin Bolton steht in ihrer riesigen Küche am anderen Ende des Hauses und hat wie stets gute Laune und einen bissigen Scherz parat. Einmal das volle Programm bitte – English Breakfast mit Ei, Tomaten und Pilzen, Sausages, Beans und Black Pudding, der erdig schmeckenden Blutwurst, die nichts für Zartbesaitete ist. Die sechzigjährige Hauswirtin kocht Marmeladen zum Niederknien, und bei bis zu zehn verschiedenen Müslisorten beginnt die Entscheidungsnot gleich nach dem Aufstehen. Riesige Feuerstellen sind typisch für den englischen Baustil der Tudor-Zeit, und vor solch einem Kaminungetüm, in das glatt ein Kleinwagen passen würde, steht auch der alte Mahagonitisch im leuchtend orange gestrichenen Esszimmer. Meist ist für vier gedeckt. Das Clapton Manor ist ein winziges Bed and Breakfast mit nur zwei Gästezimmern – dem Windrush Room, benannt nach dem benachbarten Flüsschen Windrush, und dem Gartenzimmer.

          Sozialkontakt gehört dazu

          Wir gehören zu den Gästen, die sich gleich tagelang eingebucht haben, weil wir das Haus kannten. Vor fast zwanzig Jahren waren wir schon einmal hier. Die Mehrheit von Karins Besuchern übernachtet dagegen nur für ein Wochenende oder zwei, drei Nächte. Und so lernen wir bei Toast und Ei morgens die Gartenfreunde Edith und Olaf aus Kiel kennen und das Pfarrer-Ehepaar Iris und John aus Yorkshire. Wir plaudern angeregt mit Susan und Paul aus London, die demnächst heiraten wollen. Auf das Software-und-Investment-Banker-Paar aus San Diego, das all unsere insgeheimen Vorurteile über Nordamerikaner bestätigt, hätten wir verzichten können. Aber Sozialkontakt gehört bei B&B schließlich dazu.

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