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Italiens Basilikata : Hinter Eboli sind noch die alten Götter am Werk

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Illustration für einen Endzeitroman: Das Hinterland der Basilikata mit seinen sich an Hängen aufstapelnden Dörfern scheint nahezu entvölkert. Bild: Fabre/Le Figaro Magazine/laif

Den Namen dieser Stadt auszusprechen, brächte Unglück: Ist das nur ein Aberglaube? Und das mit der kaputten Fensterscheibe nur Zufall? Auf Geistersuche in der Basilikata, dem rauhen Süden Italiens.

          Wie erzählt man eine Geschichte aus dem oft geheimnisvollen Süden Italiens, ohne den Ort des Geschehens – in dem sich seit Jahrzehnten allerlei Merkwürdiges ereignen soll – namentlich zu erwähnen? Und das aus Sorge, der Computer könnte plötzlich explodieren oder die Lampe von der Decke fallen. Die Geschichte beginnt an einem frostigen Winterabend auf einer Landstraße in der Basilikata, der vielleicht unbekanntesten Region ganz Italiens. Eine heiter aufgeräumte Gruppe von Freunden sitzt im Auto. Das gemeinsame Abendessen anlässlich eines Geburtstagsfestes hat alle glücklich gemacht.

          Die ländliche Küche Süditaliens kann, vor allem wenn Mütter, Tanten und Cousinen gemeinsam kochen, eine kulinarische Offenbarung sein. Draußen ziehen als schwarze Riesenschatten vor nachtblauem Himmel die Berge vorbei. Ein Sternenfirmament überspannt die Landschaft. Hier – es mag manchmal das gefühlte Ende der Welt sein – gibt es weder Industrie noch Verkehrsstaus, die mit ihren Emissionen dieses funkelnde Universum verdunkeln könnten. Nachts in der Basilikata, dem antiken Lukanien, ist der Weltraum, sind Sterne, Götter und Wunder zum Greifen nah. Im Auto hingegen sind alle zum Scherzen aufgelegt.

          Pino sitzt am Steuer, auf der Rückbank drängen sich Giovanna, Roberta, Pasquale und Rita zusammen. Das Leben ist schön in solch sternenklaren Augenblicken. „Wisst ihr, wo wir letzte Woche waren?“, fragt Roberta in die Runde hinein. „Endlich mal in diesem Unglücksort, von dem alle sprechen. Quel paese. Also uns ist nichts passiert. Ich fand es sehr romantisch.“ „Nein, nein, nein“, antwortet der eigentlich immer sanftmütige Pino. „Darüber möchte ich nichts hören. Das ist doch alles Aberglaube.“ – „Keineswegs. Dieser Ort ist verflucht. Seit jeher. Ich war dort im vergangenen Jahr und lag danach eine Woche mit einer Magen-Darm-Infektion im Bett.“ – „Dann hast du einfach etwas Falsches gegessen.“ – „Du denkst doch nicht, dass ich dort etwas gegessen habe?“ – „Das ist ein ganz harmloses kleines Städtchen.“ – „Harmlos? Und warum spricht hier niemand den Namen auch nur aus? Warum sagen alle nur ,quel paese‘?“ – „Aberglaube!“

          Neugierig auf die dunklen Geheimnisse des Ortes

          Das Geplänkel geht ein paar Minuten so weiter, bis Roberta, trotzig geworden, den Namen dieses in ganz Italien als Unglücksort verrufenen Städtchens – „dann sehen wir jetzt einfach mal, ob was passiert“ – ausspricht. Was dann geschieht, ist außerordentlich. Das Unaussprechliche klingt noch in den Ohren – die vier Silben des Namens klingen tatsächlich etwas grollend, ja unheimlich –, als sich mit einem metallenen Scheppern das Fenster der Beifahrertür einen Spalt breit öffnet, um dann wie von Zauberhand im Inneren der Tür zu verschwinden. Eiskalte Winterluft weht ins Wageninnere hinein und mit ihr der für den Winter im Süden so typische Geruch nach frisch verbranntem Holz und Kaminrauch. Alle schweigen, alle sind verblüfft. „Aberglaube, nicht wahr?“, sagt Pino.

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