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Thailand : Hier braucht der König keinen Vorkoster

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Oase in der Millionenstadt: Blick auf den frisch renovierten Old Wing des „Oriental“, das Herz des Hauses. Bild: Jochen Müssig

Aus der Seemannsherberge „The Oriental“ im einst abgeschotteten Bangkok wurde das Weltklassehotel einer Weltstadt. Jetzt feiert es runden Geburtstag.

          „Wir haben zehn Repeater heute“, sagt Frau Direktorin. Repeater sind Wiederholungstäter; einer war dreimal da, und ein Australier beginnt am Nachmittag seinen 92. Aufenthalt. Und das, obwohl es an den beiden Pools bei Vollbelegung so eng zugeht wie in einem Mittelklassehotel auf Mallorca. Amanda Hyndman, Britin, 52 Jahre alt, ganz elegante Dame und Hoteldirektorin des „Oriental“, das seit 2008 „Mandarin Oriental“ heißt, zählt die Ankünfte des Tages. Sie schnauft kurz durch. Vorbereitungen werden besprochen: Was machen wir zum 92. Besuch? Weitere Themen drängen. Die Zeiten sind schnell geworden, sehr schnell. Und dennoch durchweht das Hotel Ruhe und der Gast fühlt sich heimisch. Weil der Liftboy, ohne hinzuschauen, die richtige Etage für ihn drückt. Weil das Haus leise ist und betörend riecht. Es packt ihn, befällt ihn wie ein Virus, den man nicht mehr losbekommt Es gibt Leute, die im „Mandarin Oriental“ vier Wochen am Stück Urlaub machen, in der Oase mitten im Zehn-Millionen-Moloch - auch, wenn sie im River oder Garden Wing logieren, die rein äußerlich nach Zweckbauten aussehen.

          In der Hotelchronik des „Oriental“ steht nüchtern: „Gegründet 1876 als Seemannsherberge“. Das legendäre „The Oriental“ - eine rauhe Seemannsherberge! Rund hundert Jahre später wurde diese Herberge so häufig wie kein anderes Haus als bestes Hotel der Welt gekürt. Ende des 19. Jahrhunderts aber hatten Fremde in der abgeschotteten, mit zweihunderttausend Einwohnern schon mächtig großen Königsstadt noch nichts verloren. Sie mussten in dieser Seemannsherberge nächtigen, draußen vor der Stadt. Es gab noch nicht einmal die sich müde drehenden Ventilatoren. Die Häuser waren Pfahlbauten. Es gab schwimmende Märkte und Segelschoner, die in der Mitte des Chao Phraya auf Reede lagen.

           „The Oriental“ war früher eine rauhe Seemannsherberge. Rund hundert Jahre später wurde diese Herberge so häufig wie kein anderes Haus als bestes Hotel der Welt gekürt.

          Anna Leonowens war eine Zeitzeugin, die hilft, mit ihren Berichten Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Sie kam 1862 in Bangkok an, um am Hof den 67 Königskindern Englisch- und westlichen Benimmunterricht zu geben. König Mongkut, besser bekannt als Rama IV, bestimmte das so, denn er wollte sein Reich langsam öffnen. Also fing er mit seinen Kindern an: Sie sollten lernen, dass es auch außerhalb des Königreichs Kulturen gab. Anna aber sah eine ärmliche Stadt auf dem Wasser, aus dem nur die goldenen Spitzen der Pagoden herausragten. So manche Häuser, meist aus Bambus, waren „tastefully designed“, wie Anna schrieb, die durch den Roman „Anna und der König von Siam“ von Margaret Langdon bekannt wurde.

          Das Königshaus ist am Telefon

          Alles Leben spielte sich auf und am Wasser ab. Die ersten Dampfschiffe aus Hongkong und Singapur erreichten Bangkok. Heute stehen rechts und links vom „Mandarin Oriental“ zwei ziemlich verfallene Gebäude, die an die Anfangszeit des zwanzigsten Jahrhunderts erinnern. Auf dem einen weist der Name East Asian Company auf die Handelstätigkeiten hin. Und natürlich gibt es den Old Wing des „Oriental“, in dem mit der Seemannsherberge alles anfing. Er wurde zum hundertvierzigsten Geburtstag mit einem Aufwand von 17 Millionen Euro frisch renoviert und umgebaut.

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