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Australien : Schni, Schna, Schnappi, Schnappi, Schnappi, Schnapp

Dreieinhalb Tage für sechzehnhundert Kilometer im australischen Outback und in den Lautsprechern John Williamson. Bild: Freddy Langer

Eine Fahrt durchs Outback im Takt der australischen Country-Musik, oder: Was bedeutet Sehnsucht eigentlich ganz genau?

          Es sah nach Regen aus, als ich John am Uluru traf, dem riesigen roten Felsbrocken im Zentrum Australiens, der früher Ayers Rock hieß, aber das soll man nicht mehr sagen. Das Licht war trüb. Die Wolken hingen tief. Es waren schwarze Schleier, die wie Geister aus der Ferne angeritten kamen. John schien sich nicht daran zu stören, im Gegenteil. Er grinste, während ich am Sattel eines Leihfahrrads schraubte, mit dem ich den Berg umrunden wollte. Nein, er komme nicht mit, sagte er. Nicht jetzt, nicht mit dem Fahrrad. Später schon, im Auto, na klar, deshalb sei er ja hier. Und dann sagte er, dass er schon einmal alles richten wolle. Ich hatte keine Ahnung, was er damit meinte, trotzdem warf ich ihm den Autoschlüssel zu. „Well, get things started“, wiederholte ich sein Angebot, fast wortgetreu, betonte es nun aber als Aufforderung. Ich würde mich überraschen lassen. Er hatte eine Stunde Zeit.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          John war Radiomoderator gewesen, bevor er vor einigen Jahren in Rente ging und sich daranmachte, kreuz und quer durch Australien zu reisen. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. John Kenneally. Ich hatte den Namen nie gehört. In Südaustralien dagegen war John mit seinen täglichen Radioshows ein kleiner Star gewesen. Zehn Jahre lang verantwortete er gemeinsam mit einem ebenfalls glatzköpfigen Partner die Bald Brothers Morning Show bei ABC, dann warb ihn ein kommerzieller Sender für dessen FIVEaa Breakfast ab, und Samstag Nacht war er auch regelmäßig auf Sendung. Alle hörten ihm zu, viele riefen ihn an, man konnte mit ihm plaudern, live, in der Sendung. Über Kurioses reden. Noch lieber über Musik. Er nahm die Zuhörer ernst, wollte von ihnen lernen. Das war das Geheimnis seines Erfolgs. Wenn sie etwas zu erzählen hatten, behielt er sie eine Stunde lang am Telefon, nur hin und wieder von Musik unterbrochen. So jedenfalls erzählte er es mir später. Wir teilten uns das Auto bis Adelaide, etwas mehr als sechzehnhundert Kilometer. Dreieinhalb Tage hatten wir für die Strecke eingeplant.

          John Kenneally
          John Kenneally : Bild: Freddy Langer

          „All set“, sagte John, als ich von meiner Runde zurückkam. Er saß am Steuer, das Fenster war offen, den nackten Ellbogen streckte er über den Türrahmen hinaus. Die Wolken hingen jetzt noch tiefer, und sie waren noch dunkler geworden. „Mind if I drive?“ Das war natürlich rein rhetorisch gemeint. Vom Autoradio führte ein dünnes Kabel zu einem iPod auf seinem Schoß, einem winzigen Kästchen, metallicviolett. Mit der einen Hand drehte er den Zündschlüssel. Mit der anderen tippte er auf das kleine Gerät. Und noch bevor der Dieselmotor leise zu nageln begann, schlug aus den Autolautsprechern John Williamson sacht die Saiten seiner akustischen Gitarre an, zart klang ein Didgeridoo wie aus der Ferne herüber, doch gleich darauf brauste eine elektronische Orgel mitten in das Lied, wie ein Sturm, der über flaches Land fegt. Oder sollte das der letztgültige Ausdruck sein für diesen gewaltigen Stein, zu dessen Füßen wir noch immer parkten?

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