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Auf Gorilla-Suche in Kongo : Der Dschungel als Droge

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Der Herrscher des Regenwalds: Ein Flachland-Gorilla zeigt Präsenz. Bild: Getty Images

Zirpen und Zischen, Schnurren und Rascheln: An die Geräusche und die Atmosphäre tief im Regenwald der Republik Kongo muss man sich gewöhnen. Erst dann ist man bereit für seine Bewohner: die Flachlandgorillas.

          Ich weiß nicht, welche Drogen die Leute zu sich genommen haben, die behaupten, im Wald finde man Ruhe und Frieden. Ich habe versucht, im Regenwald zu schlafen. Es geht nicht. Überall zirpt und schnurrt und raschelt und quietscht und rauscht und gackert und knarzt es. Dort draußen ist die Hölle los.

          Es ist drei Uhr dreißig irgendwo im Nirgendwo der westafrikanischen Republik Kongo. Seit zwei Stunden liege ich wach und starre stumpf auf den Ventilator über meinem Kopf. Surrend dreht sich der Holzpropeller in seiner goldenen Fassung, der Einschlafeffekt bleibt aus. Es ist die zweite Nacht in einer kleinen Basthütte mitten im tiefsten Regenwald im Nordwesten des Kongo, die zweite ohne Schlaf. Nicht weil es zu heiß ist oder zu feucht oder ich mich nun doch fürchte. Es ist einfach irre laut. Die dissonante Melodie umringt einen wie eine dichte Wolke, und wenn man mal versucht, die einzelnen Stimmen zu erkennen, scheitert man kläglich, weil die Geräusche und Töne, die hier vor allem nachts durch den Urwald rasen, den meisten von uns mindestens so fremd sind wie ihre Urheber. Statt biologisch-geologisch adäquat deutet man natürlich alles falsch: Zum Beispiel bin ich mir ganz sicher, dass da jemand in Flipflops stöhnend um mein Haus herumtanzt. Dann meine ich ganz klar das Zischen einer Schlange erkannt zu haben und bilde mir ein, sowieso komplett umzingelt zu sein, von Menschen, Tieren, viel Unbekanntem. Und als ich mich dann doch endlich in die dunkelste Dunkelheit traue und erkenne, dass dort überhaupt gar nichts ist, da fange ich an, an mir und meinem Verstand zu zweifeln.

          Im Herzen der Finsternis

          Ich muss an Joseph Conrad und seinen am Ufer des Kongo wahnsinnig gewordenen Elfenbeinjäger, Mister Kurtz, denken. So weit weg von allem, so ohne Telefon, ohne Radio, ohne Internet, ohne jegliche Kontaktmöglichkeit zu meiner eigentlichen Realität, geistert mir das „Herz der Finsternis“ ständig durch den Kopf. Die nackte Wildnis, die Einsamkeit, sie stellt einen wirklich auf die Probe. An Flucht zurück in die Zivilisation ist nicht zu denken. Bis Brazzaville sind es vier Stunden Autofahrt plus zweieinhalb Stunden Flug mit einer winzigen Propellermaschine. Zwischen dem Nationalpark Odzala Kokoua, an dessen Rand ich mich befinde, und der Hauptstadt liegt außer dichtem Wald, ein bisschen Savanne und dem reißenden Kongo-Fluss nicht viel - würde man loslaufen, man würde vielleicht nie einem Menschen begegnen.

          Kein Bett im Kornfeld, sondern im Regenwald. Und mit dem Schlafen ist es hier nicht so einfach.
          Kein Bett im Kornfeld, sondern im Regenwald. Und mit dem Schlafen ist es hier nicht so einfach. : Bild: Wilderness Safaris

          Denn im Gegensatz zur benachbarten Demokratischen Republik Kongo, kurz „DRC“, ist die Republik Kongo, die ehemalige französische Kolonie, schwach bevölkert. Hier leben im ganzen Land viereinhalb Millionen Menschen, allein in Kinshasa, der Hauptstadt von „DRC“, sind es elf Millionen. Das wird einem in Brazzaville immer wieder gerne erklärt, wenn man am Ufer des Kongo steht und in der Abendsonne neugierig rüber auf die Skyline von Kinshasa blinzelt. Was einen dort wohl erwarten würde? Ein zentralafrikanisches Gotham City, so malen es einem zumindest die diesseitigen Kongolesen aus. Hier mag es friedlich wirken, dort drüben ist alles anders, sagen sie. Kongo ist eben nicht gleich Kongo. Zwar liegen keine zwei Hauptstädte auf der Welt so nah beieinander wie „Brazza“ und Kinshasa, nur trennt sie mehr als nur das braune, reifendurchsetzte Wasser des Flusses. Drüben auf der anderen Seite steigt die Kriminalität, hier in Brazzaville kann man sich sogar nachts entspannt durch die staubigen, von Taxiströmen beleuchteten Straßen bewegen. Im Kongo-Brazzaville ist der letzte Bürgerkrieg seit über einem Jahrzehnt beendet. Für zentralafrikanische Verhältnisse herrscht stabiler Frieden.

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