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Wales : Auf einen Sprung nach Wales

Da ist was im Berg: Im nördlichen Wales hat man eine Höhle des britischen Bergbaus in die sechsstöckige Hüpfbühne „Bounce Below“ verwandelt. Bild: ZWEA

Vom walisischen Schieferbergbau ist bis auf Löcher wenig geblieben. Aber in den Höhlen zu hüpfen ist ein Riesenspaß.

          Irgendwann, wenn man ein paar Minuten gehüpft hat, kommt man auf die Idee, die Netze zu prüfen. Die Faser, die einen in diesem düsteren Raum – groß wie eine Kathedrale, kühl wie ein Grab – über einem ziemlich tiefen Abgrund hält. Nur das Licht, das matt die surreal anmutende Halle beleuchtet, sagt uns, dass wir im modernen Leben sind, es leuchtet grün, blau, rot, orange und erinnert an das, was frühere Generationen „Diskothek“ und die Jungen von heute „Club“ nennen. Sind wir wahnsinnig? Gehen in eine alte Schieferhöhle und spielen Riesentrampolin? Aber darin besteht gerade der Spaß: etwas zu tun, was sich herrlich anfühlt und außerdem ein bisschen verrückt ist.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Das müssen sich die Leute der Firma Zipworld auch gedacht haben, als sie in das Projekt „Bounce Below“ nahe dem Nest mit dem unaussprechbaren Namen Blaenau Ffestiniog im nördlichen Wales investierten – und eine menschengemachte Höhle des britischen Bergbaus in eine sechsstöckige Hüpfbühne verwandelten. „Bounce Below“ ließe sich frei übersetzen mit „Hüpfen in der Tiefe“. Und so hüpfen, taumeln und rudern wir jetzt hier herum, nicht immer mit der größten Eleganz, aber korrekt ausgestattet mit Helm und Sneakers, bei zehn Grad Celsius auch am heißesten Sommertag, und je mehr Menschen auf einmal eines der Riesentrampoline bevölkern, desto unsicherer wird der eigene Schritt – und desto schneller purzeln wir. Was ja das Schöne daran ist. Das Umfallen. Das kindliche Gefühl, sich aus dem Gleichgewicht bringen, sich aus der Kurve tragen zu lassen, ohne dass es wehtut.

          Wie dick also müssen die Netze sein, damit wir ihnen zehn, zwanzig Meter über dem harten Steinboden unser Leben anvertrauen? Das größte Trampolin hier im Inneren des Berges ist von der Weite eines kleinen Sportfeldes; ein Mensch zusätzlich darauf darf kaum mehr ins Gewicht fallen als eine Fliege. Ich prüfe mit der Hand: straff gespannte, knallharte Kunstfaser in mehreren Schichten. Vier Netze übereinander. Würde eines reißen, wären noch drei weitere da. Es müsste reichen.

          Hopsen wie ein Frosch

          Als ich liege, habe ich den Drang, die Augen zu schließen und mich vom Hüpfen der anderen herumrollen zu lassen wie ein Paket. Was für eine schöne Übung: nichts tun müssen, alle Verantwortung abgeben. Mir fällt ein, dass ich einen Notizblock dabeihabe, ich bin ja in Ihrem Auftrag hier, liebe Leserinnen, aber wer wäre blöd genug, auf diesem wabbeligen Untergrund schreiben zu wollen? Der Notizblock ist im Rucksack. Und der Rucksack liegt nicht mehr da, wo er vorhin noch lag – ein paar Hüpfer meiner Mithüpfenden, und er hat sich hopsend wie ein Frosch zwei Meter von mir entfernt. Soll er. Weit wird er nicht kommen.

          Ich schaue nach oben. Die Kinder, die heute dabei sind, wechseln ständig die Etagen. Nach unten geht es durch eine bewegliche Rutsche, nach oben über eine seitlich angebrachte Treppe, in die Seitenhöhlen durch einen schwankenden Tunnel, so dass man sich festhalten muss, um nicht auf allen vieren zu landen. Hin und wieder ruft jemand oder lacht, aber es ist seltsam, der Berg zwingt uns allen eine gewisse Feierlichkeit auf, als wären wir in der Kirche. Das Angemessenste innerhalb dieser uralten Wände ist Schweigen. Dann habe ich es. Das Raumempfinden erinnert ein bisschen an Weltall – oder zumindest unser filmgeprägtes Bild davon.

          Plitsch! Ein Tropfen hat sich von der Höhlendecke gelöst, die hoch oben im Halbdunkel zu ahnen ist, und ist mir auf die Nase gefallen. Jetzt frage ich mich, ob es hier auch Fledermäuse gibt. Die Betreuer, die uns hereinbrachten, haben nichts davon erzählt.

          Offiziell heißt die Schieferhöhle Llechwedd, aber da ich das genauso wenig aussprechen kann wie den Namen des benachbarten Städtchens, lasse ich es gleich bleiben. Besucher zahlen den nicht ganz unerheblichen Preis von 25 britischen Pfund (20 Pfund für Jugendliche unter siebzehn Jahren), bekommen einen Helm und werden durch einen langen Gang in die Höhle geführt. Empfohlen wird robuste Kleidung, man könnte beim Hüpfen schmutzig werden. Sandalen oder Flipflops sind nicht erlaubt. Besucher mit schwachem Herzen oder in schlechter Verfassung sollten klug sein und aufs Hüpfen verzichten. Einmal in der Höhle, hat man eine Stunde, um sich frei im Gewölbe zu bewegen und zu hüpfen, was das Zeug hält. Wer ordentlich hüpft, dürfte nach sechzig Minuten fix und fertig sein.

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