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Auf der Cheops-Pyramide : Das ist der Gipfel

  • Aktualisiert am

Keine Mücken, aber guter Ausblick: Blick von der Spitze der Cheops-Pyramide. Bild: picture alliance / abaca

Dürfen die das? Drei russische Freunde besteigen die Cheops-Pyramide und machen sensationelle Fotos. Natürlich dürfen sie das nicht. Wadim Machorow erzählt – und entschuldigt sich.

          Ich habe mich schon immer zu Ägypten hingezogen gefühlt. Und so lange ich denken kann, wollte ich auf der Spitze der großen Cheops-Pyramide stehen. Irgendwann haben mein Freund Witalij Raskalow und ich dann begonnen zu recherchieren und alte Fotos gefunden, die von den Pyramiden aus aufgenommen worden sind. Da haben wir gemerkt, dass tatsächlich immer wieder Leute dort hinaufklettern, trotz des formalen Verbots. Und wir haben uns gedacht: Warum sollten wir das nicht wiederholen?

          Es war schwieriger als wir dachten. Witalij, unser Freund Marat und ich kamen am 18. März tagsüber auf das Gelände der Pyramiden, zusammen mit den Touristenhorden. Eine halbe Ewigkeit sind wir unten auf und ab gegangen und haben auf die Dämmerung gewartet. Abends wird dort eine Licht-Show gezeigt. Es sind sehr viele Sicherheitsleute und Polizisten auf dem Gelände. Irgendwann kam aber ein unbeobachteter Moment, und wir konnten den Aufstieg beginnen. Wir sind einfach so schnell und geräuschlos wie möglich hinaufgeklettert. Es war kühl, wir hatten extra Handschuhe mitgebracht und auch ein Mittel gegen Mücken, weil wir gelesen hatten, dass es dort viele geben soll. Aber es flog nicht eine einzige umher. Der Aufstieg hat rund 20 Minuten gedauert, die Große Pyramide ist fast 140 Meter hoch. Man muss sich das vorstellen, als würde man eine große Treppe hinauf steigen, wobei jede Stufe einen Meter hoch und mit Staub bedeckt ist. Manche sind auch nicht ganz fest. Es war ziemlich anstrengend.

          Aber oben hat man den großartigsten Ausblick der Welt. Diese Lichter der Stadt im Hintergrund! Wir waren völlig atemlos vor Begeisterung. Eine halbe Stunde sind wir ungefähr oben geblieben. Am Rande zu stehen haben wir uns nicht getraut, damit uns niemand sieht. Deshalb haben wir liegend auf den Steinen mit einem kleinen Stativ fotografiert. Die Steine an der Spitze sind voller Inschriften in mehreren Sprachen. Sogar russische Inschriften gab es schon. Die müssen Touristen in früheren Zeiten dort hinterlassen haben.

          Witalij Raskalow (vorne, dahinter Marat Djupri) ist 20 Jahre alt und lebt als freier Fotograf in Moskau.
          Witalij Raskalow (vorne, dahinter Marat Djupri) ist 20 Jahre alt und lebt als freier Fotograf in Moskau. : Bild: Wadim Machorow

          Als wir uns an den Abstieg machten, war es schon stockfinster. Hinabzusteigen ist noch viel anstrengender als hinaufzuklettern. Wir hatten großes Glück, dass uns auch auf dem Rückweg niemand bemerkt hat. Ich habe erst hinterher erfahren, dass es sogar gesetzlich und bei Strafe verboten ist, auf die Pyramiden von Gizeh zu klettern. Deshalb möchte ich mich entschuldigen. Wir sind keine Vandalen und hatten keine bösen Absichten. Wir haben uns nur unseren Traum erfüllt.

          Ich habe vor vier Jahren angefangen zu fotografieren, seit zwei Jahren mache ich das professionell. Also eine richtige Fotografenausbildung gibt es bei uns in Sibirien nicht. Das Institut in Moskau ist weit weg, und von diesen kleinen, privaten Fotoschulen halte ich ehrlich gesagt nicht so viel. Deshalb habe ich mir das, wie so viele Fotografen in Russland, selbst beigebracht. Es ist ja nicht wichtig, wie du gelernt hast. Wichtig ist, was herauskommt.

          Wadim Machorow ist 23 Jahre alt und arbeitet als freier Fotograf in Nowosibirsk.
          Wadim Machorow ist 23 Jahre alt und arbeitet als freier Fotograf in Nowosibirsk. : Bild: Witalij Raskalow

          Das Fotografieren aus großer Höhe habe ich in meiner Heimatstadt Nowosibirsk angefangen, meistens abends und nachts. Richtige Wolkenkratzer haben wir nicht, aber das höchste Gebäude der Stadt ist immerhin 88 Meter hoch. Dort bin ich zuerst hinaufgestiegen. Ich schaue mir gerne die Straßen, die ganze Infrastruktur der Stadt, auch Fabriken und Kraftwerke von oben an. Man muss natürlich schwindelfrei sein, aber gefährlich ist das eigentlich nicht. Nur manchmal gab es Probleme mit Sicherheitsleuten oder Hausbewohnern, wenn ich auf Dächer steigen wollte. Aus der Höhe kann man so viele Dinge sehen, die man am Boden gar nicht wahrnimmt. Es ist eine Art von Erhöhung, eine Erweiterung der Perspektive. Mir gibt das auch ein gewisses Gefühl von Freiheit, die Welt von oben zu betrachten.

          Nowosibirsk ist die drittgrößte Stadt Russlands mit eineinhalb Millionen Einwohnern. Man kann es hier schon aushalten, aber mir ist es inzwischen trotzdem ein bisschen langweilig geworden. Deshalb haben Witalij und ich angefangen, durch Russland zu reisen und aus der Höhe zu fotografieren. Jetzt versuchen wir, auch in fremde Länder zu reisen. Im Sommer wollen wir, wenn es klappt, zehn europäische Hauptstädte besuchen und dort ein interessantes Projekt auf die Beine stellen, das die Leute vielleicht genauso interessiert wie unsere Pyramidenbilder.

          Aufgezeichnet von Ann-Dorit Boy.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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