24.09.2002 · Durch den Film "Windtalkers" wird gegenwärtig das Interesse an der Kultur der Navajo-Indianer geweckt. Ihre Sprache wurde als Geheimcode im Zweiten Weltkrieg eingesetzt.
Von Rasso KnollerNicolas Cage spielt in dem kürzlich angelaufenen Film "Windtalkers" die Hauptrolle. Die eigentlichen Stars sind in dem Kinostreifen aber die Navajo-Indianer. Einige von ihnen wurden im Zweiten Weltkrieg als so genannte "Code Talkers" rekrutiert. Basierend auf ihrer ohnehin komplizierten Sprache entwickelten sie einen Geheimcode, den die japanischen Dechiffrierexperten nicht knacken konnten.
Das Navajo-Reservat, das Land der Windtalkers, ist ein entlegener Winkel Arizonas. Selbst wer nicht mit dem Pferd, sondern mit dem Auto dorthin unterwegs ist, muss gutes Sitzfleisch haben, um dorthin zu kommen. Und wird wahrscheinlich enttäuscht sein, wenn er Bilder aus Wildwestfilmen im Kopf hat. Denn so großartig die Natur ist, so trostlos sind die Siedlungen der Indianer. Tuba City und Kayenta heißen die Städte, die Besucher im Reservat auf dem Weg ins Monument Valley durchfahren.
Der größte Indianerstamm der USA
Unter den Indianern der Vereinigten Staaten sind die Navajo mit mehr als 200.000 Menschen die größte Gruppe. Sie kamen vor ungefähr 600 Jahren aus Alaska und Nordkanada nach Arizona und New Mexiko. Deswegen hat ihre Sprache auch keinerlei Ähnlichkeit mit der der anderen Indianer des Südwestens. Sie gilt als eine der schwierigsten Sprachen der Welt.
Ein knallhartes Geschäft
Wer im Reservat übernachten will, tut gut daran, sein Bett im voraus zu reservieren, denn es gibt nur wenige Hotels und deren Preise liegen deutlich über den sonst üblichen.
Indianerromantik findet sich hier nicht. Nur selten wird ein Tourist auf einen Indianer in Stammeskleidung und mit Schmuck treffen. Und wenn, dann hat dieser meist ein Geschäft daraus gemacht und kassiert für ein gestelltes Bild den entsprechenden Obolus. Generell darf bei Tanzzeremonien nicht fotografiert werden. Denn was für unsere Augen wie eine Folkloreveranstaltung aussieht, hat für die Indianer religiöse Bedeutung.
Die Hopi-Indianer
Völlig vom Reservat der Navajo eingeschlossen sind die nur 8.000 bis 10.000 Seelen zählenden Hopi-Indianer. Vor Ankunft der Navajo bewohnten sie die fruchtbaren Ebenen. Um sich vor deren Angriffen zu schützen, zogen sie sich im Laufe des 13. Jahrhunderts auf die schwer zugänglichen Hochplateaus zurück. Die alten Dörfer, die sie dort oben gründeten, sind die ältesten ständig bewohnten Siedlungen der Vereinigten Staaten und heute ein beliebtes Reiseziel für an Indianerkultur interessierten Touristen.
Keine Fotos und keine Souvenirs
Die Kamera muss bei einem Besuch dort in der Tasche bleiben. Anders als die Navajo, haben die Hopi in ihrem Reservat ein totales Fotoverbot verhängt. Auch gilt dort noch mehr als bei den Navajo, dass nichts - und sei es auch noch so unscheinbar - als Souvenir aus dem Reservat mitgenommen werden darf. Dinge, die für uns keinen besonderen Wert zu haben scheinen, können dort kultische Bedeutung haben.
Wer das Monument Valley besucht, muss auch den Geheimtipp Canyon de Chelly sehen. Der lange Umweg über Ganado und Chinle lohnt sich. Denn der 42 Kilometer lange Canyon steht dem berühmteren Grand Canyon zwar an Größe, aber an Schönheit nur wenig nach.