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Argentinien Der Wolkenzug wird vom Tourismus entdeckt

 ·  Nach einer langen finanziellen Durststrecke wurde die Andenbahn 1992 privatisiert. Die Investoren setzen seitdem verstärkt auf den Tourismus. Und die Besucher drängt es zum "Toten Deutschen".

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Am frühen Morgen rattert der Zug über den Salar de Arizaro, den drittgrößten Salzsee Südamerikas. Die hauchdünne Salzkruste verwandelt den See in eine weiße Winterlandschaft. Kein Baum, kein Haus, keine Straße. Soweit das Auge reicht nichts als Salz. In der Küche macht sich Ignacio frisch für den neuen Tag. Er hat die Nacht auf Pappkartons und Rucksäcken verbracht. Aus einer Schublade zerrt er eine kleine Holzbox mit einem Spiegel. Dann beträufelt er sein Haar mit eiskaltem Bergwasser und zieht die feuchten Strähnen mit einem Kamm gerade. Wo er das Wasser her hat, bleibt sein Geheimnis, denn die Vorräte im Wassertank über dem einzigen Klo im Zug sind über Nacht zu Eis erstarrt.

Die einsamste Station heißt "Toter Deutscher"

In der verwaisten Ansiedlung Caipe hoch über dem Salzsee macht der Zug erneut Halt. Vier Erwachsene, sechs Kinder und ein Dutzend zerzauste Hunde trotzen in der gottverlassenen Gegend der Kälte. Mit flinken Handgriffen lassen die Bahnarbeiter einen riesigen Schlauch in den Wasserwagen gleiten und füllen den Container. Ignacio stapft mit den Füßen in einem Schneehaufen herum und erzählt: "Die Bahntrasse wurde nach ganz einfachen Kriterien in den Berg geschlagen. Der Zug fährt überall dort vorbei, wo es Wasser gibt." Die Ladung von hier sei für Socompa bestimmt, denn dort gebe es keinen Brunnen. Wasser ist in der Andenhochebene Mangelware - in der Puna regnet es so gut wie nie.

Ein paar Kilometer weiter passiert der Zug die einsamste Bahnstation Argentiniens. "Alemán Muerto", toter Deutscher. Ein Steinhaufen, ein eisernes Kreuz, sonst nichts. Ignacio zuckt mit den Augenbrauen und grinst: "Er war ein Landsmann von Dir. Vor 70 Jahren kam er mit dem Zug herauf, um weiter nach Chile zu reisen, weil er in Buenos Aires sein Schiff verpasst hatte. Während es das Kap Hoorn umrundete, wollte er auf dem Landweg nach Antofagasta an der Pazifikküste, um dort wieder zuzusteigen. Er schaffte es genau bis hierher. Die Kälte holte ihn ein." Ein vergilbtes Schild weist noch heute auf das Drama hin, das sich vor über 50 Jahren abgespielt hat.

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