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An Benins Küste : Unser Fahrer Parfait

Sand und sonders: Begegnung auf der „Route des Pêches“ an der Küste Benins. Bild: Maria Wiesner

Die alte Fischer-Straße in Benin ist nur eine staubige Piste. Da braucht man einen Fahrer, der jedes Sandloch persönlich kennt. Eine fast perfekte Expedition.

          Bab's Dock, oh, c'est très cool“, sagte Natalie de la Roche Murat. Wir saßen im Innenhof ihres Gästehauses, dessen gelbe Mauern den Straßenlärm Cotonous draußen hielten. Drei Tage waren wir in der heimlichen Hauptstadt Benins unterwegs gewesen, sie war bunt und laut und aufregend, aber jetzt wollten wir raus. Die Mopeds waren uns zu hektisch, die Luft schmeckte zu sehr nach billigem Benzin, wir wollten ins Grüne. Also hatten wir unsere Gastgeberin nach dieser Lodge gefragt, die auf einigen Reiseblogs als Geheimtipp an der Küste gehandelt wurde: Sie liege hinter einem Mangrovenwald, am Ufer eines Sees und sei überhaupt ganz malerisch. Natalies Aufregung beim Namen „Bab's Dock“ sprach Bände. Unsere Gastgeberin war Mitte 30 und wegen der Liebe in das kleine Land in Westafrika gezogen. Ursprünglich kam sie aus Paris, und wir wussten: Wenn eine Pariserin sagt, dass etwas sehr cool sei, dann ist es das für gewöhnlich auch.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Wie man dahin kommen könnte? Mit dem Bus? „Nein, nein“, wehrte Natalie ab. Vielleicht mit einem Buschtaxi, aber das könnte uns nur bis zum Parkplatz bringen, der Fahrer würde wohl schwerlich bis zur Rückfahrt mehrere Stunden auf uns warten. Sie könne uns da allerdings einen guten Fahrer vermitteln, sagte sie. Immerhin arbeite ihr Mann hier für eine Autovermietung. Sie führte drei, vier Telefonate.

          Ein halbe Stunde später trat unser Fahrer durchs Tor. Er war groß und schlank und trug den typischen Beniner Anzug: Hemd und Hose aus dem gleichen buntbedrucktem Baumwollstoff. Hier schlangen sich pinkfarbene, gelbe und blaue Waben ineinander, Kragen und Ärmel waren extravagant mit Goldkordeln besetzt. Der Mann wirkte fast schon jugendlich, nur das graumelierte Bärtchen auf seiner Oberlippe ließ vage sein Alter erahnen. „Guten Tag“, sagte er auf Deutsch und grinste. „Ich habe ein paar Jahre in Deutschland gelebt. Freut mich, die Sprache mal wieder zu sprechen.“

          Feilen in Deutschland

          Während sich sein grauer Wagen gemächlich durch den hektischen Verkehr schob, fragten wir, was er denn in Deutschland gemacht habe. „Feilen“, sagte er und lachte wieder. 1968 war er gekommen, in einem Austauschprogramm zwischen Benin und Deutschland. Vier Jahre lang ging es für ihn durch alle möglichen Städte: München, Bochum, Aachen, Duisburg, Frankfurt, sogar West-Berlin. Er war Mechaniker und arbeitete in verschiedenen Betrieben und Werkstätten. „Eine tolle Zeit und ein tolles Land.“ 1972 flog er in seine Heimat zurück. „Stand von Anfang an fest, dass wir zurückkommen. Wir sollten das Gelernte ja in unserem Land umsetzen“, sagte er. Kurz darauf rief die Regierung Benins den Marxismus-Leninismus als Staatsideologie aus, ließ Betriebe verstaatlichen und führte das Einparteiensystem ein. Der Versuch endete 1989 durch Aufstände der Bevölkerung, seitdem ist das Land wieder demokratisch.

          Unser Fahrer schaffte es, seinem Beruf über all die Jahre treu zubleiben. Heute ist er bei einer Autovermietung am Flughafen angestellt, an Autos herum schrauben muss er trotzdem noch ab und zu. Neuwagen können sich in Benin die wenigsten Menschen leisten. Statistisch lag das Pro-Kopf-Einkommen 2015 bei 767 Dollar (etwa 680 Euro), pro Jahr, nicht pro Monat. Hauptverkehrsmittel in Cotonou sind Mopedtaxis, mehr als 400.000 schnellen jeden Tag durch die Stadt. Wie kleine, tropische, gelbe Fische zischten sie an unserem grauen Wagen vorbei, der wie ein großer, grauer Hai im Verkehrsstrom in Richtung Westen schwamm, der Küste entgegen.

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