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Algarve : Wehmütiger Blick vom Ende der Welt

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Herrlich wild: die Landspitze bei Ponta da Carrapateira. Bild: Rolf Neuhaus

Eine Wanderung entlang der Südwestküste Portugals führt unweigerlich nach Übersee und in die portugiesische Seele: Auf der neuen Rota Vicentina zum Cabo de São Vicente.

          Der große Platz mit dem pompösen Namen Jardim do Largo Marquês de Pombal und den einfachen niedrigen Häusern, die den Horizont bilden, als schieden sie Himmel und Meer, ist verwaist. Nur ein alter Mann sitzt auf einer Bank am Rand, den Regenschirm gegen die Sonne gespannt, denn die wenigen jungen Bäume werfen kaum Schatten und die zwei masthohen Palmen bloß dünne Striche. Wenn es hier etwas im Überfluss gibt, dann sind es Licht und Sonne. Die langen, geraden Straßen zum Meer sind ebenso lautlos und leer, die Häuser stehen still in Reih und Glied und tragen weiße Uniform mit blauen Streifen an Sockeln, Türen, Fenstern oder Fassaden, in den Straßencafés und Restaurants sitzen ein paar Touristen, die wenig zu beobachten haben. Es ist kein Leben in Porto Covo, diesem gradlinigen, rechtwinkligen, kantigen Städtchen, das die Träume in Kästchen sperren und den Gesang begradigen zu wollen scheint, bis er verstummt. Dabei ist der Ort schön, homogen, harmonisch, doch von einer harten Ästhetik der Einheitlichkeit, die das Leben über einen Kamm schert und die Sehnsucht kanalisiert wie Abwasser.

          Porto Covo entstand Ende des rationalistisch inspirierten achtzehnten Jahrhunderts aus einer Handvoll Fischerhütten, wuchs erst in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts zu einem nennenswerten Ort heran, als das benachbarte Sines, Geburtsort Vasco da Gamas, sich in einen Industriehafen verwandelte, und versucht seit den neunziger Jahren, vom Tourismus zu leben. Porto Covo ist Ausgangspunkt des Fischerpfads. Auf Wegen, die früher die Fischer gingen, um zu ihren Booten und Angelplätzen zu gelangen, an weiten Sandstränden und versteinerten Dünen vorbei, über hohe Klippen mit Blick auf traumhafte Strände und launisch geformte Felseilande, durch Dünen mit wuchernder Macchie und aromatischen Gewächsen führt dieser Trilho dos Pescadores stets am Meer entlang zu ehemaligen Fischer- und heutigen Ferienorten, die als Etappenziele dienen. In Odeceixe, wo Alentejo und Algarve aneinandergrenzen, trifft der Fischerpfad auf den Historischen Weg, der von Santiago do Cacém herunterkommt, über Feldwege, Erdpisten, Waldwege und selten einmal ein Stück Straße durchs Hinterland bis zum Cabo de São Vicente reicht und dabei auch einige Abstecher an die Küste macht. Zusammen bilden die beiden Routen die Rota Vicentina, die seit dem Frühjahr 2015 komplett markierte Wanderstrecke durch den Naturpark im äußersten Südwesten Kontinentaleuropas, dessen spektakuläre Küste zu den ursprünglichsten und schönsten Südeuropas zählt.

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          Der Mann sitzt vor seinem Haus und schaut aufs Meer, das katenähnliche Haus steht allein auf weiter flacher grüner Flur direkt hinter dem Strand. Vor fast siebzig Jahren ist er hier zur Welt gekommen, sagt der Mann, auf diesem zehn Hektar großen Stück Welt, das seine Familie früher bewirtschaftete. Viehzucht lohnt sich nicht mehr, das Trockenfutter ist zu teuer, aber die Wiesen werden noch gemäht und das Grünfutter verkauft. Ackerbau ist so nah an der Küste unmöglich, nicht aus Mangel an Süßwasser - ein Bach fließt durch das Anwesen und führt ganzjährig Wasser, außerdem befindet sich eine Quelle auf dem Grundstück -, doch der unaufhörliche Wind hält alle Pflanzen flach. Die Familie hat auf Turismo Rural umgestellt, sechs Zimmer hat er zu vermieten, an Wochenenden kommen manchmal Gäste, vielleicht werden es mehr, wenn sich herumspricht, dass die Rota Vicentina fertiggestellt ist.

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