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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Afrika Plastikplanen am Kilimandscharo

27.11.2003 ·  Das glitzernde Eis, das den Kilimandscharo bedeckt, könnte an den Rändern bald von Plastikplanen bedeckt sein. Der Geologe Euan Nisbet will auf diese Weise die Gletscher vor dem Abschmelzen bewahren.

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Vor diesem Hintergrund wurden Tausende von Elefanten und Giraffen fotografiert: Der Kilimandscharo ist mit seinen 5.892 Metern nicht nur der höchste Afrikas, sondern auch der höchste frei stehende Berg überhaupt. Sein schneebedecktes Plateau hebt sich bei gutem Wetter weiß leuchtend vor dem blauem Himmel ab. Doch das glitzernde Eis könnte an den Rändern schon bald von einer dicken Plastikplane bedeckt sein. Der in London lehrende Geologe Euan Nisbet will auf diese Weise die Gletscher vor dem Abschmelzen bewahren.

Forscher in den Vereinigten Staaten haben ausgerechnet, daß die weiße Schicht auf dem Gipfel in den nächsten 15 bis 20 Jahren ganz verschwinden könnte. Ernest Hemingways Erzählung „Schnee auf dem Kilimandscharo“ wäre dann eine traurige Reminiszenz an die Vergangenheit. Von den 12 Quadratkilometern Eis vor etwa 90 Jahren sind heute nur noch etwa 2,5 Quadratkilometer übrig. „Es liegt nahe, der globalen Erwärmung die Schuld zu geben“, sagte Nisbet. „Doch in diesem Fall liegt es eher an der Abholzung der Bäume am Fuße des Berges.“ Die Wälder sorgen dafür, daß der aufsteigende Wind feucht ist und er dadurch die Eisschicht immer wieder verstärkt.

Plastikplane wie auf Mülldeponien

Nisbets Idee klingt überraschend einfach: „Wenn die Eisränder mit einer weißen Folie bedeckt sind, dann sind sie vor Sonnenstrahlen und dem trockenen Wind geschützt“, sagt er. Er denkt an eine kräftige Plastikplane, wie sie für Mülldeponien verwendet wird. „Wir bräuchten dafür nicht mehr Material, als Verpackungskünstler Christo für seine Projekte braucht“, fügt er hinzu. Es sollen lediglich die bis zu 25 Meter hohen Ränder der Eisflächen abgedeckt werden.

„Im Moment ist es mehr eine Idee als ein Projekt“, sagt der aus Simbabwe stammende Forscher. Es sei auch schon ein Erfolg, wenn Menschen dadurch auf das Problem der schmelzenden Eisflächen aufmerksam würden. „Wie viel es kostet, hängt davon ab, wie lange die Plane halten soll“, erläutert Nisbet. Langfristig sei die einzige Lösung, die Wälder am Fuß des Berges wieder aufzuforsten. Er habe auch über den Einsatz von Schneekanonen nachgedacht. „Aber dazu braucht man Wasser, das nur schwer dort oben hinzuschaffen ist.“

Wissenschaftlicher Wert des Eises

Die Eisflächen haben auch einen wissenschaftlichen Wert, wie der Amerikaner Lonnie Thompson und andere Forscher herausgestellt hatten. Sein Team hat sechs tiefe Löcher ins Eis gebohrt und die Bohrkerne analysiert. Die Eissäulen sind eine Art Klimaarchiv, das etwa 11.000 Jahre zurückgeht. „Das ist weltweit einzigartig“, sagt Nisbet. „Wenn wir den Klimawandel in der Zukunft verstehen wollen, brauchen wir diese Daten.“

Und schließlich sei der Berg - in ökologisch intakter Umgebung - wichtig für den Tourismus in Ost-Afrika. Kenia und Tansania streiten immer mal wieder, wem der Berg eigentlich gehört. Auf der Karte betrachtet, macht die Grenze zwischen den Ländern kurz vor dem Kilimandscharo einen Knick und schlägt das Massiv Tansania zu. Das hindert die Kenianer allerdings nicht, den Berg in manchen Tourismusbroschüren als nationales Eigentum darzustellen. Letztlich verdienen aber beide Seiten nicht schlecht: Viele Bergbegeisterte geben für den Aufstieg bis zu tausend Euro aus, entweder für tansanische oder für kenianische Veranstalter. Die meisten Berg-Touristen werden höhenkrank - doch wer es geschafft hat, wird beim Anblick der klassischen Elefantenfotos immer einen heimlichen Stolz verspüren.

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