25.06.2009 · Die vom Verlag dieses Buchs als "unnachahmlich, weil mal nachdenklich-philosophisch, mal humorvoll-ironisch" annoncierte Sprache des Autors kann einem schon nach wenigen Seiten der Lektüre gehörig auf den Wecker gehen. Über Fragen wie: "Haben Sie schon bemerkt, dass es in ganz Italien relativ wenige ...
Die vom Verlag dieses Buchs als "unnachahmlich, weil mal nachdenklich-philosophisch, mal humorvoll-ironisch" annoncierte Sprache des Autors kann einem schon nach wenigen Seiten der Lektüre gehörig auf den Wecker gehen. Über Fragen wie: "Haben Sie schon bemerkt, dass es in ganz Italien relativ wenige Kellnerinnen gibt? Auch eines der Rätsel des Weltenlaufes", möchte der Leser vielleicht nicht nachdenken. Schon gar nicht in einem Buch, das sich den wie in Marmor gemeißelten Titel "Kirchenführer Venedig" gestattet. Das klingt nach kunsthistorischer Forschung, neuen Erkenntnissen oder Zuschreibungen und auch nach Grundrissen, Plänen und exzellenten Abbildungen. Nichts davon jedoch in diesem Buch, für das der Autor gleich auch konsequent auf Bibliographie und Künstlerregister verzichtet hat. Es bleiben fünf Rundgänge durch Venedig und eine Exkursion zu den in der Lagune liegenden Inseln. Übersichtlich sind die den Rundgängen vorangestellten Karten, in denen die zu besichtigenden Objekte eingetragen und mit Nummern versehen sind. Praktisch sind die Angaben zu Öffnungszeiten wie auch die Auflistungen der in den jeweiligen Kirchen mit Werken vertretenen Künstler. So kann sich der willige Leser mit diesem Führer gut orientieren, über die Kirchen allerdings erfährt er nichts, was nicht andernorts schon viel gehaltvoller geschrieben worden wäre. Es gibt eine Anhäufung von Jahreszahlen, Heiligennamen, Anekdoten aus der venezianischen Geschichte und launige Betrachtungen des umfangreich gebildeten Autors. Kunst- und kulturhistorisch jedoch ist dieser Führer absolut unergiebig. Angesichts der vielen nicht mehr existierenden Kirchen der Stadt lässt sich der Autor dann noch zu einer Bemerkung wie dieser hinreißen: "Es gibt ein ganzes, wissenschaftlich fundiertes Buch, das sich nur mit den Kirchen Venedigs befasst, die es nicht mehr gibt." Sein Erstaunen über diese Maßlosigkeit kommentiert er mit einem Zitat des Schriftstellers Alexander Roda Roda, der gesagt haben soll: "Auf was die Wissenschaftler nicht alles kommen, wenn man sie lässt." Das nun gilt, leider ohne eine Spur wissenschaftlichen Anspruchs, vor allem für dieses Buch.
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"Kirchenführer Venedig" von Herbert Rosendorfer. Edition Leipzig, Leipzig 2008. 244 Seiten, 80 farbige Abbildungen. Broschiert, 19,90 Euro.