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Aktualisiert: 17.06.2017, 05:39 Uhr

Reaktionen auf den Tod Kohls „Sein Vermächtnis wird weiterleben“

Auf der ganzen Welt bringen Politiker und Weggefährten ihre Trauer zum Ausdruck . Auch der einstige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und der amerikanische Präsident Donald Trump äußern sich bestürzt.

© Frank Röth Helmut Kohl (1930-2017)

Der Tod des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl hat auf der ganzen Welt Bestürzung ausgelöst. Nun hat sich der einstige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow würdigte Kohl als herausragenden Politiker, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlasse. „Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen „Kanzler der deutschen Einheit“ gegeben. Das ist richtig und gerecht“, sagte Gorbatschow am Freitagabend in Moskau.Kohl hatte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 mit Gorbatschow sowie den Staats- und Regierungschefs der USA, Großbritanniens und Frankreichs die Bedingungen für die Deutsche Einheit ausgehandelt.

Auch der amerikanische Präsident Donald Trump hat auf den Tod des Altkanzlers reagiert und kondoliert. „Kanzler Kohl war den Vereinigten Staaten ein Freund und Verbündeter, während er die Bundesrepublik Deutschland durch 16 entscheidende Jahre führte“, hieß es in einer Mitteilung vom Weißen Haus am Freitagabend (Ortszeit). „Im Namen des amerikanischen Volkes spreche ich dem deutschen Volk, der Familie und den Angehörigen des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl mein tiefstes Beileid aus“, sagte Trump der Mitteilung zufolge.

Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen, sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis, hieß es weiter. Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert. „Sein Vermächtnis wird weiterleben.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl (beide CDU) zuvor als „Glücksfall für uns Deutsche“ gewürdigt. Die in Ostdeutschland aufgewachsene Kanzlerin hob am Freitag auch ihre ganz persönliche Verbundenheit mit seinem Wirken hervor: „Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert“, sagte sie am Abend in Rom. Dort wird sie am Samstag von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. Kohl war am Morgen im Alter von 87 Jahren gestorben

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Kohl insbesondere für dessen Einsatz für die Aussöhnung und das Zusammenwachsen in Europa. Insbesondere hob er in einem Kondolenzschreiben an Kohls Witwe dessen „segensreiche Bereitschaft zur Versöhnung“ mit Frankreich hervor. „Wir trauern um einen großen Staatsmann – sein Werk wird Bestand haben“, schrieb Steinmeier weiter.

© reuters Bundespräsident zu Helmut Kohl: „Sein Werk wird Bestand haben“

Norbert Lammert, Bundestagspräsident, bezeichnete Kohl als „Persönlichkeit von historischer Größe“. Kohl habe „entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten“, erklärte er am Freitag. „Wir werden ihm das nie vergessen. Sein Vermächtnis, ein weltweit geachtetes Deutschland in einem friedlich geeinten Europa, bleibt die Richtschnur unseres Handelns und ist Auftrag für alle künftigen Generationen.“ In einem Schreiben sprach Lammert Kohls Frau Maike Kohl-Richter sein Beileid auch im Namen des Bundestags aus, dem Kohl mehr als ein Vierteljahrhundert angehörte.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich tief betroffen vom Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl. „Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund“, teilte Juncker am Freitagabend mit. „Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht.“ Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben.

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Von Berthold Kohler

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