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Ralf König Die Schrift auf der Wand

 ·  Bekannt wurde er durch „Der bewegte Mann“ oder „Lysistrata“. Schockiert von den muslimischen Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, wurde der Comiczeichner zum Karikaturisten. Und schuf eine Serie, die sich mit der Feigheit in Deutschland auseinandersetzt: Ralf Königs Kommentar zum Prophetenbild.

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Am Sonntag sah Ralf König fern und konnte nicht fassen, was er sah: „Hysterischer losgelassener Mob, wegen ein paar Karikaturen aus Dänemark?“ So schrieb er einem Freund. „Was für ein Haß bricht sich da Bahn? Da ist Religion doch nur Benzin fürs Feuer.“

König, bekannt geworden durch Comics wie „Der bewegte Mann“, „Pretty Baby“, „Lysistrata“ oder „Konrad und Paul“, setzte sich hin und fertigte eine Suite von neun Karikaturen an, die seine Sicht auf den Streit dokumentieren. Eine daraus veröffentlichen F.A.Z. und FAZ.NET.

Der Großteil der Serie setzt sich mit der Feigheit in Deutschland auseinander. Die eigenen Werte unter Druck von Extremisten aufzugeben, hält König für empörend: „Die dänische Regierung hat sich zum Glück bisher nicht entschuldigt. Das darf sie auch nicht. Daß Kofi Annan ,trotz' Pressefreiheit zur Besonnenheit aufruft, mag ja verständlich sein, aber lieber wäre mir gewesen, er hätte gesagt, wir sind hier im Westen und denken anders über die Dinge, und das bleibt auch so!“

Diesmal ist's dem Spötter bitterernst

König ist kein Karikaturist, er ist ein Geschichtenerzähler und -zeichner. Seine aktuelle Arbeit heißt „Dschinn“, und sie beschäftigt sich auf satirische Weise mit dem Kontakt zwischen Kulturen: Am historischen Musterbeispiel für eine solche Politik, dem Delegationen- und Geschenkeaustausch zwischen Harun al Raschid und Karl dem Größten im frühen neunten Jahrhundert, exerziert König Gemeinsamkeiten wie Mißverständnisse in Morgen- und Abendland durch - mit durchaus liebevollem Blick auf den damals ungleich kultivierteren Orient.

Doch die Reaktion auf die zwölf Karikaturen in „Jyllands-Posten“ ließ ihn nun zu der Form greifen, die verfemt werden soll: Der Comiczeichner wird einmal zum Karikaturisten, und dem Spötter ist es diesmal bitterernst: „Wenn der Westen da nicht gegenhält und seine demokratischen Werte ohne Wenn und Aber und Entschuldigungen verteidigt, ist's bald vorbei mit Presse- und Meinungsfreiheit.“

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