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Techniken gegen Ernteverluste : Von kleinen Dingen, die Afrika ein Segen sind

Vorführung von Plastiksäcken, in denen die Ernte nicht schimmelt. Bild: Noor Khamis

Die Ernte verschimmelt oder wird von Insekten vernichtet – das Schicksal von Hunderten Millionen Bauern. Kleine Erfindungen können die Probleme lösen. Eine Reise zu Mais und Menschen in Tansania.

          Das abgebrochene Horn ist sein Todesurteil. Die letzten Stunden des schwerverwundeten Bullen haben geschlagen, als wir ihn in der sengenden Mittagshitze antreffen. Glasig trüb ist sein Blick, träge sein Schritt, nur noch mühsam wehrt er sich gegen Fliegen, die sich an der Wunde laben. Das Duell mit dem anderen Bullen war sein letztes. Morgen geht es zum Schlachter.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In so einem Bullen stecken Tausende Kilo Futter, gewissermaßen Zehntausende Stunden bäuerliche Handarbeit für die Ernte. Ein Moment der Unachtsamkeit – und der Schaden ist riesig. Mehr als siebenhunderttausend tansanische Schilling wird Aisha für das kranke Tier nicht mehr erhalten, umgerechnet rund zweihundertsechzig Euro; das ist gerade mal die Hälfte seines normalen Verkaufswerts. Und was bekommt man dafür? Sieben, vielleicht acht Säcke Mais je einhundert Kilo, mehr nicht.

          Die Bäuerin nennt einige wenige Hektar Land ihr Eigen, wo sie neben Mais auch Hirse anbaut. Die Märzwochen waren stürmisch und die Überschwemmungen verheerend, ein beträchtlicher Teil der Ernte ging verloren. Und jetzt auch noch die Sache mit dem Bullen. All das hat Aishas Haushaltsplan über den Haufen geworfen. Damit ihre vier Kinder nicht hungrig in die Schule müssen, muss sie nun Lebensmittel am lokalen Markt dazukaufen.

          Bis zu 40 Prozent Ernteverlust

          Wie Aisha geht es vielen in Mnenya. Dreieinhalbtausend Bewohner zählt das Dorf, der Anteil an Bauern liegt irgendwo zwischen neunzig und hundert Prozent. Der stete Kampf um die Vorräte bestimmt ihr Leben. Dass die Unwetter ausgerechnet im März Vorräte vernichtet haben, hat sie schwer getroffen. Er war der letzte von vier Hungermonaten, ehe die Frühernte beginnt, die Lagerbestände sind knapp. Familien mit Überschuss erzielen jetzt hohe Verkaufspreise. Doch wer das Geld nicht aufbringen kann, muss in dem Zeitraum hungern. In ganz Tansania ist das nach Zahlen der Vereinten Nationen jeder Dritte.

          Die Verletzung eines Bullen lässt sich vielleicht nicht vermeiden. Aber Verluste von Grundnahrungsmitteln wie Mais durchaus. Bis zu vierzig Prozent gehen den Bauern in Afrika nach der Ernte verloren, das Thema ist auch in Tansania ein Politikum. An diesem Vormittag ist die Stimmung in Mnenya allerdings auffallend heiter. Auf dem Dorfplatz, einige Meter von Aisha und ihrem Bullen entfernt, steigt eine Feier. Die Bewohner sind in Scharen gekommen.

          Ein Chor in Tansania singt im Hintergrund der neuen Lagertechnik.

          Veranstalter ist die Bezirksregierung. Man sei froh, am heutigen Schulungstag, der im Zeichen von verbesserter Erntelagerung stehe, viele Gäste in Mnenya begrüßen zu dürfen, ruft der Regierungsvertreter ins Mikro. Er ist ein Sakkoträger mit rundlichem Gesicht. Ihm zur Seite stehen zwei Forscher von der ETH und der Universität Zürich, die zur Lebensmittelsicherheit forschen und hierher geladen haben, und Vertreter der Schweizer Hilfsorganisation Helvetas, die sie dabei unterstützen.

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