http://www.faz.net/-ilp-97vjm

Ernährung in Afrika : Soja gegen den Proteinmangel

  • -Aktualisiert am

Genverändertes Soja aus Kalifornien. Bild: Jan Grossarth

Bisher importiert Afrika den Großteil seines Sojas. Das soll sich nun ändern und die eigenen Erträge durch wirtschaftlichen Fortschritt gesteigert werden. Doch das bringt auch Kosten.

          Die Hochhausfassaden in Nairobi, Lagos und Kigali zeugen von der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas. Doch der Fortschritt kommt nicht bei allen an. In 20 afrikanischen Ländern sind immer noch mehr als 40 Prozent der Kinder chronisch unterernährt, insgesamt sind es 58 Millionen.

          Durch Mangelernährung verlieren die Länder der Subsahara der Afrikanischen Entwicklungsbank zufolge jährlich 25 Milliarden Dollar an Wirtschaftsleistung. „Verkümmerte Kinder führen zu verkümmerten Volkswirtschaften“, sagt Akinwumi Adesina, Präsident der Entwicklungsbank. Viele Afrikaner nehmen zwar genügend Kalorien, aber nicht genügend Protein zu sich, weil sie sich kein Fleisch leisten können.

          Auch deshalb hat die Sojabohne Hochkonjunktur auf dem Kontinent. Vor allem in Ruanda, Tansania, Ghana und Nigeria wächst die Hülsenfrucht. Nigeria ist mit rund 500.000 Tonnen der größte Sojaproduzent der Subsahara. Es waren Hilfsprogramme aus dem Ausland, die den Anbau der Sojabohne in der Subsahara ab den 2000er Jahren förderten. Doch noch immer müssen diese Länder jährlich 1,4 Millionen Tonnen Sojaerzeugnisse importieren.

          „Ein faustischer Pakt“

          „Das Potenzial ist da, aber es fehlt uns an den Mitteln. Die Bauern schaffen nur Erträge von einer halben Tonne pro Hektar“, sagt James Mutegi, Sojaexperte des International Plant Nutrition Institute in Nairobi. Mit besserem Know-how und Gerätschaften wären Erträge von bis zu zwei Tonnen pro Hektar möglich, Kleinbauern müssten sich zudem zu Genossenschaften zusammenschließen.

          Race to Feed the World
          Race to Feed the World

          In Zukunft leben 9 Milliarden Menschen auf der Erde. Wie werden sie satt, ohne dass der Planet kollabiert? Ein Jahr lang suchen wir Antworten.

          Mehr erfahren

          Peter Goldsmith von der University of Illinois, die ein Afrika-Programm für den Anbau von Soja aufgelegt hat, glaubt ebenfalls an die Möglichkeit besserer Ernten. Diese hätten allerdings Folgen: „Soja als kommerzielle Nutzpflanze anzubauen bedeutet, dass man Dünger und Herbizide einsetzen muss. Und zwar in eine Umfeld, das bisher hauptsächlich mit menschlicher Arbeitskraft bearbeitet wurde“, sagt er. Die Verdrängung traditioneller Arbeitsweisen, Ernährung und die Belastung der Böden seien die Kosten, die der wirtschaftlichen Erfolg mit sich bringe: „Ein faustischer Pakt“, urteilt der Wissenschafter.

          Topmeldungen

          Einwandererkinder : Trump gibt nach

          Donald Trump will die Trennung von Einwandererfamilien an der Grenze beenden. Nun sollen auch die Kinder in Abschiebeknäste. Dadurch könnte sich der Präsident neue juristische Probleme einhandeln.

          WM-Sorgen beim DFB-Team : Der Weltmeister schrumpft immer weiter

          Ein Aus nach der Vorrunde wäre die schlimmste WM-Niederlage in der Geschichte der DFB-Elf. Unter dem Druck des drohenden Scheiterns sucht der Weltmeister nach etwas, das man nicht trainieren kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Race to Feed the World

          Race to Feed the World ist ein Projekt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gefördert durch das European Journalism Centre über dessen Programm „Innovationen im Entwicklungsjournalismus“.faz.net/feedtheworld