http://www.faz.net/-gpc-76139
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.01.2013, 20:14 Uhr

Prostituierten-Affäre Freispruch im Prozess um Ottfried Fischers Sex-Video

Der Richter hält die Geschichte zwar für eine „Riesen-Sauerei“, stellt aber fest, dem angeklagten „Bild“-Journalisten sei keine persönliche Schuld nachzuweisen. Das seit Jahren laufenden Verfahren könnte aber noch weitergehen.

von
© dapd Ottfried Fischer im Münchner Gerichtssaal

Der „Bild“-Journalist, dem die Staatsanwaltschaft vorwarf, er habe den Schauspieler Ottfried Fischer durch ein in seinem Besitz befindliches Sex-Video genötigt, der Zeitung ein Interview zu geben, ist vom Landgericht München freigesprochen worden. Was passierte, sei „eine Riesen-Sauerei“ gewesen, doch sei eine persönliche Schuld des Angeklagten nicht feststellbar, sagte der Vorsitzende Richter. Fischer war heimlich beim Sex mit zwei Prostituierten gefilmt worden. Der Film war in den Besitz des Reporters gekommen. Der aber verwies vor Gericht darauf, es sei nicht daran gedacht gewesen, das Video für eine Veröffentlichung zu nutzen. Eine frühere Presseagentin Fischers hatte diesen überredet, der „Bild“ ein Interview zu geben. Fischer hatte vor Gericht gesagt, er habe Angst  um seine berufliche Existenz gehabt. Von dem Gerichtsurteil zeigte sich Fischer enttäuscht – der angeklagte Journalist habe sich ein Video verschafft, dass seine Privatsphäre nicht massiver haben verletzen können.

Der Staatsanwalt wollte eine Geldstrafe

Michael Hanfeld Folgen:

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 42 000 Euro für den Angeklagten gefordert. Die Anklage hatte auf Nötigung und Verletzung des
höchstpersönlichen Lebensbereichs durch unbefugte Bildaufnahmen gelautet. In erster Instanz war der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 14 400 Euro verurteilt worden. In zweiter Instanz war er freigesprochen worden, das Verfahren ging ans Landgericht München zurück. Der Verteidiger hatte ins Feld geführt, dass nicht sein Mandant, sondern die „Bild“-Zeitung auf der Anklagebank gesessen habe. Der Journalist habe das Recht gehabt, in der Angelegenheit zu recherchieren, um herauszufinden, ob Fischer Opfer eine Straftat geworden sei oder die Prostituierten um ihr Geld geprellt haben könnte.

Der Vorsitzende Richter hatte den Streitparteien in den Verhandlungstagen vor dem Urteil nahegelegt, eine „pragmatische Lösung“ zu suchen, die einer der Verfahrensbeteiligten vorgeschlagen habe. Demnach hätte der Angeklagte dreitausend Euro an die Deutsche Kinderkerbshilfe zahlen sollen. Der Springer-Verlag hatte in das Verfahren ein Gutachten von Winfried Hassemer, des ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, eingebracht, in dem dieser auf die für die Presse grundsätzliche Dimension des Prozesses verwiesen hatte. Das Gutachten warf den Richtern der Vorinstanzen vor, zu verkennen, dass es sich hier nicht nur um eine strafrechtliche Angelegenheit handele, sondern es um die Frage gehe, was Journalisten generell bei ihren Recherchen dürfen. Der Angeklagte habe nicht als Privatperson, sondern als Vertreter der Presse gehandelt. So sei auch zu prüfen, ob das unter strafrechtlichen Gesichtspunkten zweifelhaft erscheinende Verhalten des Reporters vom Grundrecht auf Pressefreiheit gedeckt sei.

Fischers Anwälte, die den Kabarettisten als Nebenkläger vertreten, wollen eine Anfechtung des Urteils prüfen. Das letzte Wort in dem Verfahren könnte das Bundesverfassungsgericht haben.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Oberlandesgericht Frankfurt Richter seien Verbrecher

Weil er Richter mehrfach beleidigt haben soll, ist ein Mann vor dem Frankfurter Oberlandesgericht verurteilt worden. Doch bevor das Urteil verkündet wurde, hatte er den Saal schon verlassen. Mehr

16.08.2016, 14:32 Uhr | Rhein-Main
Den Haag Angeklagter gibt Beteiligung an Zerstörungen in Timbuktu zu

Ein ehemaliger Islamist aus Mali hat vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag seine Beteiligung an der Zerstörung von religiösen Stätten in Timbuktu gestanden. In diesem Verfahren wird erstmals die Zerstörung von Kulturgütern als Kriegsverbrechen verhandelt. Mehr

22.08.2016, 18:32 Uhr | Politik
Nürburgring-Prozess Suche nach dem verlorenen Milliardär

Anfang 2015 begann in Mainz der Prozess gegen einen Schweizer Finanzvermittler, der einst versprochen hatte, den Nürburgring mit einem ominösen Geldgeber zu retten. Doch das Verfahren stockt von Anfang an. Mehr Von Timo Frasch, Wiesbaden

19.08.2016, 14:51 Uhr | Politik
Teaser Video Polizistin Teaser Video Polizistin

Teaser Video Polizistin Mehr

31.07.2016, 19:58 Uhr | Aktuell
Nötigung und Amtsmissbrauch Angeklagter Staatsanwalt entschuldigt sich

Wegen Nötigung und Amtsmissbrauchs klagen gemeinhin Staatsanwälte mutmaßliche Straftäter an. In Frankfurt steht aber nun ein Ankläger vor dem Richter - unter anderem wegen dieser Vergehen. Mehr

22.08.2016, 15:23 Uhr | Rhein-Main

Nach dem Golde drängt alles

Von Christian Siedenbiedel

Schon in Goethes „Faust“ heißt es: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“. Was aber rückt das Gold heute wieder so in den Mittelpunkt des Interesses der Anleger? Der Brexit? Sorgen um die Weltwirtschaft? Etwas ganz anderes? Mehr 3 13

VW Phideon Bling-Bling ist aus der Mode

Mit dem Phideon sendet Volkswagen Lockstoffe an Chinas aufstrebende Mittelklasse. Das neue Modell ist ein Aufsteiger-Passat auf Basis des Audi A6. Mehr Von Holger Appel 2 3

Das Beste aus dem Netz Böhmi is back!

Nach seinem viralen Gangsterrap-Debüt “Ich hab Polizei” hat der Satiriker Jan Böhmermann nun ein zweites Ding nachgelegt. Mehr 4

Mehr als nur Modefotografie Peter, der Große

Mit einem einzigen Bild begründete der Fotograf Peter Lindbergh die Ära der Supermodels. Seine Fotos zeigten und schufen Ikonen. Nun blickt ein neuer Bildband auf vier Jahrzehnte seines Schaffens – wir zeigen die eindrucksvollsten Aufnahmen. Mehr Von Maria Wiesner 5