Home
http://www.faz.net/-gpc-76139
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Prostituierten-Affäre Freispruch im Prozess um Ottfried Fischers Sex-Video

Der Richter hält die Geschichte zwar für eine „Riesen-Sauerei“, stellt aber fest, dem angeklagten „Bild“-Journalisten sei keine persönliche Schuld nachzuweisen. Das seit Jahren laufenden Verfahren könnte aber noch weitergehen.

© dapd Vergrößern Ottfried Fischer im Münchner Gerichtssaal

Der „Bild“-Journalist, dem die Staatsanwaltschaft vorwarf, er habe den Schauspieler Ottfried Fischer durch ein in seinem Besitz befindliches Sex-Video genötigt, der Zeitung ein Interview zu geben, ist vom Landgericht München freigesprochen worden. Was passierte, sei „eine Riesen-Sauerei“ gewesen, doch sei eine persönliche Schuld des Angeklagten nicht feststellbar, sagte der Vorsitzende Richter. Fischer war heimlich beim Sex mit zwei Prostituierten gefilmt worden. Der Film war in den Besitz des Reporters gekommen. Der aber verwies vor Gericht darauf, es sei nicht daran gedacht gewesen, das Video für eine Veröffentlichung zu nutzen. Eine frühere Presseagentin Fischers hatte diesen überredet, der „Bild“ ein Interview zu geben. Fischer hatte vor Gericht gesagt, er habe Angst  um seine berufliche Existenz gehabt. Von dem Gerichtsurteil zeigte sich Fischer enttäuscht – der angeklagte Journalist habe sich ein Video verschafft, dass seine Privatsphäre nicht massiver haben verletzen können.

Der Staatsanwalt wollte eine Geldstrafe

Michael Hanfeld Folgen:  

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 42 000 Euro für den Angeklagten gefordert. Die Anklage hatte auf Nötigung und Verletzung des
höchstpersönlichen Lebensbereichs durch unbefugte Bildaufnahmen gelautet. In erster Instanz war der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 14 400 Euro verurteilt worden. In zweiter Instanz war er freigesprochen worden, das Verfahren ging ans Landgericht München zurück. Der Verteidiger hatte ins Feld geführt, dass nicht sein Mandant, sondern die „Bild“-Zeitung auf der Anklagebank gesessen habe. Der Journalist habe das Recht gehabt, in der Angelegenheit zu recherchieren, um herauszufinden, ob Fischer Opfer eine Straftat geworden sei oder die Prostituierten um ihr Geld geprellt haben könnte.

Der Vorsitzende Richter hatte den Streitparteien in den Verhandlungstagen vor dem Urteil nahegelegt, eine „pragmatische Lösung“ zu suchen, die einer der Verfahrensbeteiligten vorgeschlagen habe. Demnach hätte der Angeklagte dreitausend Euro an die Deutsche Kinderkerbshilfe zahlen sollen. Der Springer-Verlag hatte in das Verfahren ein Gutachten von Winfried Hassemer, des ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, eingebracht, in dem dieser auf die für die Presse grundsätzliche Dimension des Prozesses verwiesen hatte. Das Gutachten warf den Richtern der Vorinstanzen vor, zu verkennen, dass es sich hier nicht nur um eine strafrechtliche Angelegenheit handele, sondern es um die Frage gehe, was Journalisten generell bei ihren Recherchen dürfen. Der Angeklagte habe nicht als Privatperson, sondern als Vertreter der Presse gehandelt. So sei auch zu prüfen, ob das unter strafrechtlichen Gesichtspunkten zweifelhaft erscheinende Verhalten des Reporters vom Grundrecht auf Pressefreiheit gedeckt sei.

Fischers Anwälte, die den Kabarettisten als Nebenkläger vertreten, wollen eine Anfechtung des Urteils prüfen. Das letzte Wort in dem Verfahren könnte das Bundesverfassungsgericht haben.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wegen Hanfpflanze Staatsanwalt ermittelt gegen Özdemir

Auf seinem Video zur Ice-Bucket-Challenge war im Hintergrund eine Hanfpflanze zu sehen. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen Grünen-Parteichef Cem Özdemir. Das Parlament soll seine Immunität bereits aufgehoben haben. Mehr

17.01.2015, 19:50 Uhr | Politik
Hawaii Fischer überlebt ohne Trinkwasser im Pazifik

Fast zwei Wochen ist der Fischer Ron Ingraham mit seinem Boot auf dem Pazifik getrieben, bis er gerettet wurde. Er hatte noch zwei Notrufe abgesetzt, doch die Retter brachen die Suche nach fünf Tagen zunächst erfolglos ab. Mehr

11.12.2014, 16:02 Uhr | Gesellschaft
Eintracht Frankfurt Die große Peter-Fischer-Show

Eintracht-Präsident Peter Fischer wird mit 99,9 Prozent der Stimmen bestätigt. Herausforderer Schäfer zieht seine Kandidatur unmittelbar vor der Abstimmung zurück, weil er seine Chancenlosigkeit erkennt. Mehr Von Jörg Daniels und Marc Heinrich, Frankfurt

26.01.2015, 09:23 Uhr | Sport
Fahrlässige Tötung Staatsanwaltschaft enttäuscht über Pistorius-Urteil

Über eine Berufung werde man allerdings erst entscheiden, wenn das Strafmaß bekannt sei, sagte ein Sprecher. Das Verfahren dazu soll dazu Mitte Oktober beginnen. Mehr

21.10.2014, 12:07 Uhr | Gesellschaft
Claudia Pechstein Besser als alle Olympiasiege

Claudia Pechstein hat einen großen Sieg erzielt. Ihre Klage auf Schadenersatz in Höhe von 4,4 Millionen Euro gegen die ISU ist zulässig. Wie geht es weiter im Verhältnis zwischen Verbänden und Sportlern? Mehr Von Christoph Becker

15.01.2015, 09:29 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.01.2013, 20:14 Uhr

Auch Auschwitz?

Von Berthold Kohler

Wer verstehen will, warum die Menschenwürde unser höchster Rechtswert ist, muss sich mit der deutschen Geschichte befassen. Mit Auschwitz, aber auch mit der Aufklärung. In Integrationskursen sollten beide Kapitel nicht fehlen. Mehr 14

Bademode Auf nach Hyères!

Wir fahren ans Mittelmeer, dorthin, wo bald schon wieder Sommer ist. Eingepackt und angezogen haben wir Badesachen aus Resort-Kollektionen. Also aufgepasst, abgewartet und hinein ins Wasser. Mehr 4

Der frühe Tod der Pioniere Bremst der Ölpreis das Elektroauto?

Der niedrige Ölpreis könnte den Durchbruch des Elektrofahrzeuges bedrohen. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Ökoautos verkaufen sich gut, wenn sie mehr bieten als niedrigen Verbrauch. Mehr Von Johannes Winterhagen 4 1

Investoren aus Fernost Keine Angst vor China

Investoren aus Fernost verwandeln marode deutsche Mittelständler in attraktive Arbeitgeber. Wenn nur kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren nicht wären. Da hilft nur eines: Piktogramme. Mehr Von Ulrich Friese 2 11