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Porträt: Johann Mühlegg: Skurril, schrullig, schräg

Erst die „Spiritisten-Affäre“, nun ein Dopingenthüllung: Johann Mühleggs in jeder Hinsicht schillernde Karriere hat nach unglaublichen Höhenflügen wieder einen jähen Absturz erlebt.

Skurril, schrullig und immer ein bisschen schräg - an Johann Mühlegg scheiden sich seit jeher die Geister. Er gewann den Langlauf-Weltcup, wurde Weltmeister 2001 und holte dreimal olympisches Gold für Spanien bei den Winterspielen in Salt Lake City. König Juan Carlos kam das aber nicht Spanisch vor.

Der Monarch griff höchstpersönlich zum Telefon, als „Juanito“ wie ein Irrwisch zum ersten Gold in der Loipe allen auf und davongelaufen war. Und Regierungschef Jose Maria Aznar verabredete sich mit Mühlegg sofort zum Skilaufen.

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Vorwurf "Söldner" zu sein

Im Überschwang der Gefühle schrie Johann danach ein „Viva Espana“ in die TV-Kameras. „O Sole Mio“ sang er auch noch, das war zwar Italienisch, doch auch darüber würden sich seine „Landleute“ in Spanien freuen, mag der gebürtige Allgäuer gedacht haben.

Dabei ist Mühlegg, der nach seinen Eskapaden in der Heimat auf die iberische Halbinsel flüchtete, auch dort nicht gerade der Liebling der Massen. Für einen Großteil der stolzen Spanier ist der 31-jährige Deutsche ein „Söldner“, auch wenn er kaum noch Interviews mehr in seiner Muttersprache gibt.

"Ich fühle mich in Spanien frei"

Seit dem 11. November 1999 ist Mühlegg mit einem spanischen Pass ausgestattet. Auf wundersame Weise hatte er sich damit offenbar auch die Lizenz zum Siegen erworben, für Deutschland war er bis auf seine zwei Junioren-Weltmeister-Titel niemals aufs Podest gelaufen. Zu seinen Erfolgsgeheimnissen sagte er: „Ich fühle mich in Spanien einfach frei.“

In der neuen Heimat stört sich keiner an seiner Vergangenheit. Denn was schert einen Spanier schon eine „Spiritisten-Affäre“. Der „Spiritist“ - das war in Mühleggs Augen der damalige Bundestrainer Georg Zipfel. Das war 1994, da galt Mühlegg als hochtalentierter Langläufer, der sich fortan aber um Kopf und Kragen redete. Deshalb wurde er bei der WM 1995 in Thunder Bay vom Deutschen Skiverband (DSV) suspendiert und nach Hause geschickt.

Die Rolle der portugiesischen Putzfrau

Selbst alte Weggefährten schüttelten über Johann nur noch den Kopf. Der führte fortan eine Ration Wasser mit sich, das von seiner portugiesischen Putzfrau geweiht worden war. Justina Agostino heißt die gute Dame, die Mühlegg „meine Gnade“ nennt. Da hatte der DSV endgültig die Nase voll, 1998 erfolgte die Trennung.

Mühlegg blieb stur. Rückblickend sagt er: „Ich bin niemand, der seine Meinung ändert. Ich habe durch diese Affäre Freunde verloren, aber wahre Freunde behalten.“ Nun wohnt er in Madrid oder im oft mit einer bayerischen und spanischen Fahne geschmückten Familien-Haus mit Bruder Martin in Grainau bei Garmisch.

Auch in Spanien unbeliebt

Für den DSV will er nie wieder laufen: „Ich fühle mich auch von der Mentalität her wohl als Spanier. Dort habe ich in den Zeitungen Lawinen ausgelöst und kann gut mit den Fußballern konkurrieren.“ Aber auch in Spanien machte sich Mühlegg unbeliebt.

So warf er seinem Trainer Carlo Petrini Mafia-Methoden vor und riskierte einen Rausschmiss aus dem Team. Spaniens Zeitungen stellten Mühlegg an den Pranger, der konzentrierte sich danach wieder auf den Sport und ging weiteren Skandalen aus dem Weg - bis Salt Lake City. Auch dort war Justina Agostino natürlich an seiner Seite.

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