23.07.2009 · Der Vorstoß, homosexuellen Paaren das Recht zu geben, Kinder zu adoptieren, ist nicht wirklich originell. Er ist seit langem Teil des rot-grünen Gesellschaftsprojekts, den grundgesetzlich gewährleisteten besonderen Schutz von Ehe und Familie Schritt für Schritt auszuhöhlen.
Von Daniel DeckersRichtlinien für Lesermeinungen
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Nicht originell vom 23.07.09 von Herrn Deckers
Sehr geehrter Herr Deckers,
ich musste mich erst von dem Schock erholen . dass es im 3.Jahrtausend noch solche "ewig gestrige " Menschen gibt, die die Realität einfach nicht sehen wollen.
Unsere homosexuellen Kinder haben ein Recht Gleich behandelt zu werden, wie ihre heterosexuellen Geschwister. Wenn dieses Recht nicht politisch eingefordert wird, dann spaltet sich die Familie und zerbricht. Artikel 6 GG kennen Sie ja. Wie sieht der Schutz für Familien(Mann und Frau , hetero- und homosexuelle Kinder) denn per Gesetz aus???
Homosexuelle sind keine schlechteren Eltern als Heterosexuelle. Das ist das Ergebnis einer Studie von Soziologen an der Universität Bamberg. Marina Rupp vom Staatsinstitut für Familienforschung hat die Studie geleitet -
Nachwuchs in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ähnlich gut wie in heterosexuellen Ehen. Entscheidend für die Kinder ist nicht die Struktur der Familie, sondern die Beziehung zu den Eltern.
Wir Eltern von homosexuellen Kindern sind der Politik dankbar, dass sie sich einsetzt
der Diskriminierung ein Ende zu setzen. Hätten Sie homosexuelle Kinder würden Sie ganz anders reden, denn dann wäre Ihnen auch das Glück Ihrer Kinder das Wichtigste.
Erika Micale
Elterngruppe Stuttgart im BEFAH
Homoadoption ist kein rot-grünes Projekt, die FDP will es richtigerweise auch. Auch Karlsruhe hat da eine objektivere Sicht auf die Dinge als der Autor dieses Kommentars
Abenteuerlich? Glorifizierung?
Was für ein zugekniffener Stammtischqualm.
Menschenverachtend, Rattenfängerei???
Man wähnt sich im tiefsten Mittelalter beim Lesen des Kommentars des Herrn Deckers. Was soll denn menschenverachtend daran sein, Adoptiv-Kindern mehr soziale Sicherheit zu bieten, wenn beide Elternteile das Adoptivrecht haben? Es kann doch nur von Vorteil sein. Was sagt denn schon die Sexualität eines Menschen über dessen Fähigkeit aus, einem Kind ein liebevolles Elternhaus zu bieten? Nur weil in einer Homo-Beziehung die sogenannte "Mutter-" bzw. "Vaterrolle" fehlt, wächst ein Kind doch nicht weniger optimal heran, das zeigt die gelebte Wirklichkeit in zig Regenbogenfamilien! Etwas anderes zu behaupten ist einfach Ignoranz, wenn nicht bodenlose Borniertheit. Was ist es eigentlich, das so unglaublich vielen Menschen immer noch Panik eintreibt, wenn sie das Wort "homosexuell" hören, warum diese Dämonisierung? Machen Sie Ihre Augen auf, Herr Deckers: wir leben im 21. Jahrhundert!
Die zynische Menschenverachtung findet sich in ihren Worten, Herr Deckers, sonst nirgends. Das Bundesverfassungsgericht hat schon 2003 festgestellt, dass zum besonderen Schutz von Ehe und Familie eine Schlechterstellung anderer Lebensformen keinesfalls notwendig ist. Die Ergebnisse der Studie aus dem Hause Zypries reihen sich nahtlos an zahlreiche internationale Studien. Lernen Sie einfach mal Kinder aus Regenbogenfamilien kennen! Aber die Wirklichkeit interessiert Ideologen wie Sie sicher nicht. Homophobie sitzt eben in den gleichen Hirnwindungen wie Rassismus, nur dass eine ihnen nahestehénde Partei das letztere als extremistisch erkannt, das erstere aber noch immer für gutbürgerlich und christlich hält. Die Zeit wird's richten.
Menschenverachtend und abstoßend
Faktisch existiert kein Argument gegen eine rechtliche Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften und die Einräumung des uneingeschränkten Adoptionsrechtes.
Die Studie sagt nur, was wir schon wusste, war aber dennoch notwendig, weil die nicht belehrbaren Ablehner das Fehlen einer solchen Studie aus Deutschland ins Feld geführt haben und ausländische Studien nicht gelten lassen wollten.
Es ist jedoch erschreckend, wie reflexartig jetzt wieder heruntergebetet wird, dass man das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare nicht wolle. Ganz so argumentlos, als würde man erklären, man wolle heute keinen beigen Anzug tragen, weil einem die Farbe nicht gefällt. Hier geht es aber um die Rechte von Kindern und deren Eltern und damit um Fakten und nicht um subjektive Einstellungen!
Kinder wachsen mit gleichgeschlechtlichen Eltern auf, das ist die Realität. Diesen Familien - echte Familien - nicht den größtmöglichen Schutz zu geben und ihnen diesen stattdessen zu verweigern - das ist menschenverachtend. Die Einstellung, Kindern die selbe Sicherheit wie Kindern aus klassichen Familien zu verweigern, nur weil man mehr Rechte für eingetragene Lebenspartner ablehnt, ist schlicht kinderfeindlich und deshalb zu tiefst abstoßend.
Sehr geehrter Herr Decker,
Ihr Kommentar gibt sich unter Hinweis auf Dahrendorf einen intellektuellen Anstrich, drückt aber letztlich nur ideologisch begründetes Unbehagen mit dem wissenschaftlichen Forschungsstand aus: Kinder haben es vor allem dort gut, wo sie geplant und gewollt sind. Dies bestätigen breit angelegte epidemiologische Kohortenstudien aus den USA, in denen Exponierte (in Homofamilien) und Nicht-Exponierte (in Heterofamilien) im Hinblick auf das Risiko abzuweichen untersucht wurden. Es fand sich kein signifikanter Unterschied und auch deshalb unterstützen 12 Fachverbände wie zB der US-Verband der Pädiater die Adoptionsrechte von Homosexuellen. Standpunkte wie Ihre haben die Aufklärung überlebt und werden immer existieren, gebildet oder gar evidenzbasiert ist ein solcher Standpunkt aber nicht.
PD Dr. Birgit Reime, Karlsruhe
Lieber Herr Deckers, auch wenn Sie sich bereits über die Anerkennung der Lebenswirklichkeit lustig gemacht haben, zeugt alleine der Begriff "sogenannte verpartnerte homosexuellen Beziehungen" davon, dass Sie sich mit der Lebenswirklichkeit schwer tun. Sind nicht gerade verpartnerte Homo-Beziehungen Ausdruck dessen, dass die bürgerliche Idee der Ehe auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren Anerkennung findet? Dass hierdurch die wesentlichen bürgerlichen Werte gelebt werden? Dass Sie relativ unbegründet von menschenverachtender Rattenfängerei reden, finde ich wiederum beschämend.
Es ist außerdem falsch, wenn Sie sagen, dass hier eine notwendige Bedingung zu einer hinreichenden gemacht würde. Das deutsche Adoptionsrecht ist meines Wissens äußerst streng bei der Auswahl der zur Adoption geeigneten Familien. Diese Kriterien würden für homosexuelle Paare in keiner Weise gelockert. Die Liebe der Adoptiveltern bliebe weiterhin lediglich notwendig, nicht hinreichend.
Ich halte es aber für eine Trivialität, dass es den Kindern mit liebenden Eltern (ob homo oder hetero) besser ginge als ohne. Der einzige Grund, der dagegen spräche, sind Menschen wie Sie. Mit anderen Worten: die Intoleranz der Gesellschaft. Soviel zur Lebenswirklichkeit.
Daniel Deckers Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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