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Zweiter Galileo-Test Von „wirtschaftlich existenzieller Bedeutung“

27.04.2008 ·  Mit dem Start des zweiten Testsatelliten ist das Navigationssystem Galileo vorangetrieben worden. Verkehrsminister Tiefensee hofft auf Folgeaufträge für die deutsche Raumfahrtindustrie - und einen Erfolg im Wettbewerb mit dem amerikanischen GPS-System.

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Ein zweiter Testsatellit für das europäische Navigationssystem Galileo ist in der Nacht zum Sonntag erfolgreich in seine Umlaufbahn gestartet. Der Satellit Giove-B wurde um 00.16 Uhr MESZ vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan an Bord einer Sojus-Trägerrakete ins All geschickt, teilte die Europäische Weltraumorganisation Esa mit. Giove-B enthält die präziseste Atomuhr, die je im Weltall getestet wurde. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee verglich die Bedeutung des Galileo-Systems mit der Entwicklung der europäischen Airbus-Flugzeugfamilie.

Der SPD-Politiker begrüßte den Start des Testsatelliten. Die deutsche Raumfahrtindustrie sei gut aufgestellt, um im Wettbewerb um die Produktion gut abzuschneiden. Die neue Technologie soll Galileo eine genauere Positionsbestimmung ermöglichen als dem amerikanischen Navigationssystem GPS. Als Zeitpunkt für die Nutzung des Systems nannte Tiefensee das Jahr 2013, gab aber zu, das sei „ein sehr ehrgeiziges Ziel“. Letztlich sollen 30 Satelliten für Galileo um die Erde kreisen und Ortungssignale mit einer Genauigkeit von einem Meter senden.

Folgeaufträge für die deutsche Industrie

Giove-B ist ohne Flügel rund 2,4 Kubikmeter groß und wiegt 523 Kilogramm. Zwei Solarflügel mit einer Lände von jeweils 4,34 Metern sollen den Himmelskörper mit Strom versorgen, ihre Leistung beträgt rund eintauschend Watt. Der von der EADS-Tochter Astrium entwickelte Satellit kreist in 23.200 Kilometern um die Erde und hat rund 80 Millionen Euro gekostet. Neben insgesamt drei Atomuhren sind Geräte zur Strahlungsüberwachung sowie Laserreflektoren zur genauen Positionsbestimmung an Bord. Der 2005 gestartete erste Galileo-Demonstrationssatellit Giove-A erreicht demnächst das Ende seiner Einsatzdauer.

Auch der Parlamentarische Staatssekretär und Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, beglückwünschte die Esa zu dem Start. „Galileo sichert die Unabhängigkeit Europas bei der Satellitennavigation“, erklärte er. Das Projekt sei auf gutem Weg. EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot, der den Start von Italien aus verfolgte, äußerte sich zuversichtlich. Tiefensee betonte, an den Aufträgen würden kleine, mittlere und große deutsche Unternehmen teilhaben. „Sowohl die Erstellung des Systems als auch die Folgeaufträge, die nach Realisierung von Galileo entstehen werden, werden für die deutsche Industrie interessant sein und ein neues Betätigungsfeld bieten.“

Weiter pro Kooperationen mit der Wirtschaft

Dem Einwand, für ein genaueres Navigationssystem und ein europäisches Prestigeprojekt seien 3,4 Milliarden Euro zu teuer, begegnete Tiefensee mit dem Argument, Galileo sei für Europa von „wirtschaftlich existenzieller Bedeutung“. Die Europäische Union liege habe bei der Raumfahrt „noch Nachholbedarf“. Es wäre strategisch fatal, dieses milliardenträchtige Zukunftsfeld nicht zu besetzen. Zudem sei Galileo „im Vergleich zum amerikanischen System GPS ein Quantensprung“. GPS bietet laut Esa nur eine Genauigkeit von etwa 15 bis 20 Metern.

Trotz des Rückzugs der Industrie aus der Entwicklungsfinanzierung von Galileo stellte Tiefensee die öffentlich-private Partnerschaft bei Großprojekten nicht grundsätzlich infrage. Die EU werde „weiter auf Kooperationsmodelle mit der Wirtschaft setzen und setzen müssen“. Als Beispiel nannte er die Entwicklung neuer Antriebs- und Kraftstoffsysteme wie Wasserstoff- und Brennstoffzelle.

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