Zum Tode Nelson Mandelas: Vorbild für die Welt - Politik - FAZ
http://www.faz.net/-gpf-7k5xa

Zum Tode Nelson Mandelas : Vorbild für die Welt

Eine Ikone wider Willen: Nelson Mandela Bild: REUTERS

Diese Welt hat einen großen Mann verloren. Nelson Mandela war wahrscheinlich der größte unserer Zeit, voller Ehre, menschlicher Güte und politischer Großzügigkeit.

          Einzigartig sind die Nachrufe, die von Washington bis Delhi zum Tode Nelson Mandelas verfasst worden sind. Aus allen, ohne Ausnahme und Unterschied, spricht Verehrung, Bewunderung und die Ahnung, ja, das Wissen, dass ein Mensch von weltgeschichtlicher Bedeutung von uns gegangen ist. Einer, dessen Freiheitswillen viele, viele Millionen überall auf der Welt inspiriert und der den Geächteten Kraft gegeben hat. Der Vorbild war für die Präsidenten großer und kleiner Länder.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Weil er das Apartheid-Regime Südafrikas bekämpfte, musste Mandela viele Jahre seines Lebens hinter Gittern verbringen. Diese Erfahrung, die alltägliche Erniedrigung verbitterten ihn nicht. Er hatte die Größe und die Weitsicht, den Vertretern des alten Regimes die Hand zu reichen. Mandela war nicht auf Vergeltung und Rache aus – im Gegenteil: Er war von einem beispielhaften Geist der Versöhnung beseelt.

          Das Apartheid-Regime war moralisch diskreditiert und international isoliert; der Wirtschaft setzten die internationalen Sanktionen zu. Aber es war vor allem und nicht nur zu einem geringen Teil Mandelas Autorität und sein Versöhnungswille zugleich, die zu dessen Überwindung beitrugen und die Repräsentanten des alten Regimes beschämten. Auf seiner Person ruhten die Hoffnungen der schwarzen Mehrheit des Landes, die ihn zur Ikone erhob.

          Mandela war der erste schwarze Präsident eines Südafrikas, in dem nach seinem Willen Platz für alle Südafrikaner sein sollte. In Südafrika ist es gelungen, den Übergang weitgehend friedlich zu vollziehen. Das lag auch daran, dass Mandela in seinem weißen Vorgänger im Präsidentenamt, Frederik de Klerk, einen Partner fand, der historischen Mut zeigte und den Realitäten ins Auge sah. Viele afrikanische Länder haben den Kolonialismus blutig abgeschüttelt – und oft genug ein neues Unrechts- und Unterdrückungsregime an dessen Stelle gesetzt. Auch in dieser Hinsicht ist Südafrika, bei allen Unzulänglichkeiten, Fehlentwicklungen und Enttäuschungen, ein Beispiel für die Welt.

          Diese Welt hat einen großen Mann verloren. Nelson Mandela war wahrscheinlich der größte unserer Zeit, voller Ehre, menschlicher Güte und politischer Großzügigkeit.

          Weitere Themen

          Absage an Kim Video-Seite öffnen

          Trump per Brief : Absage an Kim

          Trump schrieb in einem Brief an Kim, ein solches Treffen sei gegenwärtig nicht angemessen. Er begründete den Schritt mit zuletzt von Kim gezeigten „offenen Feindseligkeiten“.

          „Verteidiger der Italiener" Video-Seite öffnen

          Giuseppe Conte : „Verteidiger der Italiener"

          Der parteilose Politik-Neuling Giuseppe Conte soll Italien regieren - an der Spitze einer europakritischen und populistischen Koalition. Der Jurist will einen selbstbewussten außenpolitischen Kurs fahren und die Interessen seiner Landsleute in den Mittelpunkt stellen.

          Topmeldungen

          Eng verbunden: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in Peking vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping begrüßt.

          Merkel in Peking : In Chinas Arme

          Im neuen großen Spiel der Mächte steht Europa ungewohnt einsam da. Gewicht bekommt seine Außenpolitik nur durch Einigkeit. Ein Kommentar.

          Absage an Kim Jong-Un : Spannung und Ungewissheit

          Die Absage des Treffens in Singapur hat auch etwas Gutes: Der Realismus kehrt zurück. Das Regime in Nordkorea hat es nicht auf den Friedensnobelpreis abgesehen, und die Regierung Trump kann noch einmal in sich gehen. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.