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Zum Tod von Charlie Wilson : Der Bewaffner der Mudschahedin

Politiker, Frauenheld, Partylöwe: Charlie Wilson (Archivfoto aus dem Jahr 1990) Bild: AP

Er stieß die größte verdeckte Operation der CIA an - die Unterstützung der Mudschahedin gegen die sowjetischen Besatzer Afghanistans Ende der 1970er Jahre. Charlie Wilson war auch als Frauenheld und Partylöwe bekannt, nun ist der amerikanische Politiker an Herzversagen gestorben.

          Charles Nesbitt Wilson liebte die Frauen, die Freiheit, den Whiskey, Texas und das Vaterland - wahrscheinlich in dieser Reihenfolge. Am 10. Februar starb der langjährige Abgeordnete für einen ländlichen Wahlkreis im Osten von Texas und einstige Leutnant der amerikanischen Kriegsmarine im Alter von 76 Jahren in einem Krankenhaus in Lufkin in Texas. Seit 2007 hatte ein Spenderherz in seiner Brust geschlagen. Sein eigenes Herz, so hieß es, sei vom Lebenswandel des weithin als „Good Time Charlie“ bekannten hochgewachsenen Texaners vollkommen ausgelaugt gewesen.

          Matthias Rüb

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Charlie Wilsons historische Leistung besteht darin, die größte verdeckte Operation des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA angestoßen zu haben. Es war die Unterstützung der Mudschahedin gegen die sowjetischen Besatzer Afghanistans, die 1979 nach einem „Hilferuf“ des kommunistischen Regimes in Kabul in das Land am Hindukusch einmarschiert waren. Zehn Jahre dauerte der Krieg, bis die geschlagenen sowjetischen Truppen Ende 1989 schließlich abzogen. Wie der Sieg der Freiheitskämpfer gegen die Supermacht möglich gewesen sei, wurde der zu jener Zeit in Pakistan mit eiserner Hand regierende Präsident Zia ul Haq damals gefragt: „Alles, was ich sagen kann“, antwortete der General, „Charlie hat es getan.“

          Das ist nur wenig übertrieben. Wesentlich hervorgerufen wurde Charlie Wilsons Einsatz für die Mudschahedin und gegen die Sowjets in Afghanistan durch den Besuch in einem afghanischen Flüchtlingslager in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar von 1982. Angeregt zu der Reise hatte den klassischen Südstaaten-Demokraten Wilson dazu die einflussreiche und wohlhabende republikanische Spendensammlerin Joanne Herring. Der Eindruck vom Besuch des Lagers auf Wilson war so bleibend, dass er in den Jahren bis zur Niederlage der Sowjettruppen etwa fünf Milliarden Dollar aus geheimen Haushaltsposten für die Aufrüstung und Ausstattung der Mudschahedin an den Hindukusch kanalisieren konnte.

          Seine wechselnden Freundinnen wurden „Charlie's Angels“ genannt

          Vor allem die amerikanischen Stinger-Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden konnten und zur tödlichen Bedrohung für die bis dahin unverwundbaren Hubschrauber der Sowjets wurden, brachten die Wende im Afghanistan-Krieg. Später, nach dem Abzug der Roten Armee und dem blutigen Bürgerkrieg, sagte Wilson, die Machtübernahme der radikalislamischen Taliban am Hindukusch hätte verhindert werden können, wenn Amerika und der Westen den Wiederaufbau Afghanistans vorangetrieben hätten, anstatt das Land und die Menschen ihrem Schicksal zu überlassen.

          Charlie Wilson wurde am 1. Juni 1933 in Trinity in Texas geboren, kam früh in die Politik. Schon 1960, im Alter von 27 Jahren, wurde er ins Abgeordnetenhaus von Texas in Austin gewählt. 1972 gelang ihm der Sprung ins Repräsentantenhaus in Washington, wo er seinen Wahlkreis bis zu seinem Rückzug aus der Politik im Jahre 1996 vertrat. Neben seinem Einsatz als linksliberaler Demokrat für die Bürgerrechte und auch für das Recht auf Abtreibung wurde er als außenpolitischer „Falke“ bekannt, der in der Sowjetunion und im Kommunismus nichts weniger als das Böse schlechthin sah. Ein bleibendes Denkmal wurde Wilson mit dem 2007 spektakulär mit Tom Hanks und Julia Roberts in den Hauptrollen verfilmten Buch „Der Krieg des Charlie Wilson“ gesetzt, in dem Wilsons Einsatz für Afghanistan und die Mudschahedin plastisch beschrieben wird.

          Als Wilson Anfang der achtziger Jahre sein Herz für die Freiheit der Afghanen entdeckte, war er in Washington längst schon als Frauenheld und Partylöwe bekannt. Seine wechselnden Freundinnen wurden „Charlie's Angels“ genannt. Trotz zahlreicher Anklagen wegen Trunkenheit am Steuer und Drogenkonsums - etwa mit zwei nackten Tänzerinnen in einer Badewanne in Las Vegas - wurde er nie verurteilt. Seine Ausschweifungen und Überschreitungen stritt Wilson nie ausdrücklich ab, er gab sie aber auch nicht offen zu. Seit 1999 war er mit der ehemaligen Ballerina Barbara Alberstadt verheiratet. Seinen Rückzug aus der Politik 1996 hatte er mit dem Argument begründet, anders als früher könne man in Washington keinen Spaß mehr haben.

          Quelle: F.A.Z.

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