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Zentralrat der Juden „Broders Kritik ist ungehörig“

22.10.2009 ·  Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, hat die Kritik des Publizisten Henryk Broder an der Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch als „ungehörig und falsch“ zurückgewiesen. Broders Bewerbung für die Knobloch-Nachfolge sei aussichtslos.

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Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Graumann, hat am Donnerstag die Kritik des Publizisten Henryk M. Broder an der Zentralratspräsidentin, Charlotte Knobloch, und dem Generalsekretär des Zentralrats, Kramer, zurückgewiesen.

Broder hatte in einem Artikel in der Zeitung „Tagesspiegel“ über Frau Knobloch geschrieben, „die Präsidentin – intern Tante Charly genannt – scheint von dem Job überfordert“. Kramer versuche, den Bedeutungsverlust des Zentralrats durch „sinnfreien Aktionismus“ auszugleichen. Der Zentralrat trete als „Reue-Entgegennahme-Instanz auf“ und befinde sich in einem erbärmlichen Zustand. Seine inflationären Stellungnahmen würden kaum noch wahrgenommen. Er, Broder, wolle sich daher im kommenden Jahr als Nachfolger von Frau Knobloch bewerben. Als Präsident würde er sich dafür einsetzen, dass die Leugnung des Holocausts kein Straftatbestand mehr sei.

„Wir kritisieren deftig, dann müssen wir uns das auch anhören“

Der Vizepräsident des Zentralrats, Graumann, verwahrte sich gegen die persönlichen Angriffe auf Frau Knobloch und Kramer. Diese seien „ungerecht, ungehörig und falsch“, sagte Graumann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In dem Artikel hatte Broder auch behauptet, Graumann und der zweite Vizepräsident des Zentralrats, Korn, belauerten einander. Auch diese Einschätzung wies Graumann zurück: „Wir arbeiten nicht nur kollegial, sondern freundschaftlich zusammen.“

Broder habe in dem Artikel allerdings auch legitime Kritik am Zentralrat geübt. „Wir kritisieren deftig, dann müssen wir uns das auch anhören.“ Selbstverständlich könne Broder auch für das Präsidentenamt kandidieren. „Broder hat alle Chancen, Aufmerksamkeit zu bekommen“, äußerte Graumann. Eine reelle Chance, gewählt zu werden, habe Broder jedoch nicht. Broder habe sich bisher nicht in der jüdischen Gemeindearbeit engagiert.

Graumann wies darauf hin, dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland vor gewaltigen Herausforderungen stünden: 90 Prozent der etwa 110 000 Mitglieder seien nach 1989 aus der früheren Sowjetunion eingewandert. Der Präsident des Zentralrats müsse daher sehr viel nach innen arbeiten und unterschiedliche Interessen zusammenführen. Graumann sagte, Broder sei ein brillanter Journalist, aber er suche stets den Konflikt und nie den Konsens.

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Von Günther Nonnenmacher

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