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Zensus 2011 „Street View“ statt „Schnüffelstaat“

10.08.2010 ·  Die Stasi wäre grün vor Neid, könnte sie noch die Datensammlungen und Bewegungsprofile sehen, die manche Konzerne in ihren Computern horten. Der „Schnüffelstaat“ war gestern, heute ist Google Street View.

Von Berthold Kohler
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Dreizehntausend Bürger sollen ihre Unterschrift unter eine Verfassungsbeschwerde gesetzt haben, die sich gegen die Volkszählung im nächsten Jahr richtet. Das klingt nach vielen Klägern.

Doch nimmt sich der Protest gegen den Zensus 2011 bisher nur wie ein laues Lüftchen aus, verglichen mit dem Volksaufstand, der Anfang der achtziger Jahre ausbrach, als die Deutschen sich von Staats wegen schätzen lassen sollten. Der „Schnüffelstaat“ scheint zwar auch heute noch einige Misstrauische mobilisieren zu können.

Im Alltag wird das Recht auf informationelle Selbstbestimmung aber eher als Aufforderung verstanden, möglichst viel von sich preiszugeben. Die Großzügigkeit im Umgang mit privaten Daten machen sich immer mehr Unternehmen zunutze, die mitunter nicht einmal mehr fragen, bevor sie sich bedienen.

Die Stasi wäre grün vor Neid, könnte sie noch die Datensammlungen und Bewegungsprofile sehen, die manche Konzerne in ihren Computern horten. Der „Schnüffelstaat“ war gestern, heute ist Google Street View. Und morgen?

Vorbereitung für Zensus 2011

Das Statistische Bundesamts rechnet damit, dass die Einwohnerzahl in Deutschland aufgrund von Fortschreibungsfehlern um 1,3 Millionen niedriger ist als angenommen. Das sagte Sabine Bechtold, Abteilungsleiterin im Statistischen Bundesamt, am Dienstag.

Bei der Volkszählung im kommenden Jahr soll anhand der Melderegister, einer Haushaltsbefragung und einer Gebäude- und Wohnungszählung die genaue Bevölkerungszahl ermittelt werden. Der Zensus 2011 ist laut Bechtold aber keine traditionelle Volkszählung. Man werde zwar alle Daten von Registern auswerten, aber nur zehn Prozent der Haushalte befragen. Die Ergebnisse hätten eventuell Auswirkungen auf den Finanzausgleich, die Einteilung der Wahlkreise und auf die Sitzverteilung im Bundesrat. (apn)

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