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ZdK-Präsident Wer wollte, dass es so weit kommen konnte?

08.05.2009 ·  Heinz-Wilhelm Brockmannm war kurz davor, der neue Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zu werden. Doch „die üblichen Verdächtigen“ rund um die Bischöfe Mixa, Meisner und Müller sollen seine Wahl verhindert haben. Das ZdK liegt im Streit.

Von Daniel Deckers, Berlin
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Es sollte der Tag des Heinz-Wilhelm Brockmann werden: vor einem Jahr noch Abteilungsleiter im niedersächsischen Kultusministerium, seit wenigen Wochen beamteter Bildungsstaatssekretär in Hessen und nun für vier Jahre Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Zielstrebig hatte Brockmann auf die Nachfolge des scheidenden vormaligen sächsischen Wissenschaftsministers Meyer an der Spitze der traditionsreichen, weltweit einmaligen Laienvertretung hingearbeitet: seit acht Jahren Vizepräsident, seit zwei Jahren nicht mehr an führender Stelle bei „Donum vitae“, dem aus dem Zentralkomitee hervorgegangenen Dorn im Auge vieler Bischöfe auf dem Gebiet der Schwangerenkonfliktberatung, im vergangenen Frühjahr einer der Protagonisten des Katholikentags in seinem Heimatbistum Osnabrück, im Zentralkomitee stets auf der Seite derjenigen zunehmend stärkeren Bataillone, die sich mit „Zukunftsgesprächen“ und Papieren wie „Die Mitwirkung des Gottesvolkes bei der Bischofsbestellung“ an den Defiziten der sogenannten Amtskirche abarbeiteten.

Keine Diskussion, zurück zur Tagesordnung

Niemand machte Brockmann die Kandidatur streitig. Politiker wie den altgedienten, angesehenen Bayern Alois Glück (CSU) zog es aus familiären Gründen nicht in das Präsidentenamt, Bundestagsvizepräsident Thierse (SPD) oder der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Kues (CDU), wollten es nicht auf eine Abstimmung im Plenum ankommen lassen, Präsident Meyer verwarf aus prinzipiellen Gründen Ambitionen von ZdK-Mitgliedern, die in einem kirchlichen Arbeitsverhältnis stehen.

Überdies sind Persönlichkeiten von unbestrittenem öffentlichen Rang ohnehin rar geworden in den Reihen des ZdK. Kurz nach Ostern stand fest, dass Brockmann bei der Frühjahrs-Vollversammlung des ZdK in Berlin der einzige Kandidat für die Nachfolge Mayers sein würde.

Dann kommt der 27. April. Am Vormittag jenes Tages versichern sich eine erkleckliche Zahl von Diözesanbischöfen und die Mitglieder des Hauptausschusses des ZdK, darunter Brockmann, man sei sich „so nahe wie lange nicht mehr“ (Meyer).

Am Nachmittag bringen die Diözesanbischöfe in geheimer Abstimmung nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit zustande, die es dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz ermöglicht hätte, Brockmann nach seiner Wahl als ZdK-Präsident zu bestätigen. Ohne Diskussion über die Folgen der Entscheidung geht man zur Tagesordnung über.

„Einer wurde für uns alle geprügelt“

Zorn, Wut, Trauer, Bestürzung, Unverständnis - mehr als drei Stunden lassen viele der mehr als 220 Mitglieder der ZdK-Vollversammlung am Freitagvormittag ihren Gefühlen freien Lauf. Der vormalige bayerische Kultusminister Hans Maier, selbst viele Jahre ZdK-Präsident, moniert die Zurückweisung eines „unbescholtenen Bewerbers“ ohne Angabe von Gründen als „unerträglich“ und diagnostiziert eine Spaltung der Bischofskonferenz, da eine Minderheit zunehmend die Mehrheit blockiere. Viele Redner sehen nicht nur die Person Brockmann beschädigt, sondern das ZdK als Ganzes getroffen.

„Einer wurde für uns alle geprügelt“, klagt Vizepräsident Christoph Braß stellvertretend für viele. Dann beschwört er die Gemeinsamkeit des ZdK in Sachen „Donum vitae“, Ablehnung von Judenmission sowie modernes Familienbild und warnt davor, nun denen in die Hände zu spielen, „die diese Veranstaltung ohnehin nicht mögen“.

Namen werden im Plenum wohlweislich nicht genannt. Auf den Gängen gilt es aber als ausgemacht, dass es sich bei den Verhinderern um die „üblichen Verdächtigen“ rund um Meisner (Köln), Müller (Regensburg) und Mixa (Augsburg) handelt. Dass ein ZdK-Präsident Brockmann womöglich jenen Kräften im Episkopat erst recht in die Hände gespielt hätte, die das ZdK für anachronistisch halten, will sich der emotionalisierten Laienschar auch an diesem Freitag nicht erschließen.

Schlechte Vorbereitung der Präsidentenwahl

Nur wenige sprechen davon, dass das Votum der Bischofskonferenz auch etwas mit der inneren Verfassung des ZdK zu tun haben könnte. Wie es denn wirklich um die Relevanz der zahllosen Verlautbarungen und Stellungnahmen des ZdK und um die Repräsentativität des verfassten Katholizismus stehe, fragt Caritas-Präsident Peter Neher.

Die Bundesvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), Maria Elisabeth Thoma, erkennt eine erhebliche Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, Alois Glück diagnostiziert viel Routine inmitten heftiger gesellschaftlicher Umbrüche.

Hermann Kues bleibt die undankbare Aufgabe, auf die Unzulänglichkeiten der Vorbereitung der Präsidentenwahl durch das Präsidium hinzuweisen: „Wer befangen ist, berät nicht mit über mögliche Kandidaten.“

Nach mehr als zweieinhalb Stunden intoniert der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst, der bis dahin dem Verlauf der Debatte mit verschränkten Armen gefolgt ist, den Schlussakkord: das Gespräch suchen, das Vertrauen wiederherstellen, die Talente, Charismen und Kompetenzen der Laien wertschätzen.

„Intensive Gespräche“ stehen an

Die Regie des Präsidiums geht auf: Alle Wahlen, auch die der Vizepräsidenten, der Sprecher der Sachbereiche, der Mitglieder des Hauptausschusses und der Gemeinsamen Konferenz von ZdK und Bischofskonferenz, werden auf die nächste Vollversammlung im November verschoben.

Einstimmig wird schließlich noch eine Resolution verabschiedet, in der von dem Wunsch nach „intensiven Gesprächen“ mit den Bischöfen und von „voller Solidarität“ mit dem „geeigneten“ Kandidaten Brockmann die Rede ist.

Der hatte zuvor unter großem Beifall gesagt: „Ich bin nicht von Ehrgeiz zerfressen. Ich muss nicht ZdK-Präsident werden. Aber ich mache mich nicht aus dem Staub, so lange Sie es nicht wollen.“

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Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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