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Yukos-Affäre Russischer Staat friert Aktien ein - Gazprom-Chef wird neuer Stabschef

31.10.2003 ·  Die Krise um den Erdölkonzern Yukos verschärft sich. Während der russische Staat die Aktienanteile des charismatischen Chodorkowskij eingefroren hat, wurde ein Putin-Protegé Stabschef im Kreml.

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Die Krise um den russischen Ölkonzerns Yukos verschärft sich weiter. Die russische Staatsanwaltschaft hat die Anteile des verhafteten Yukos-Chefs Michail Chodorkowskij an dem Ölkonzern eingefroren. Ein Sprecher des Ölkonzerns bezeichnete die Aktion als „groben Rechtsbruch“.

Zudem hat der russische Präsident Wladimir Putin nach Angaben seines Sprechers seinen Stabschef Alexander Woloschin entlassen. Als Nachfolger ernannte Putin den Chef des Gaskonzerns Gazprom, Dmitri Medwedjew. Woloschin, die Nummer drei in der Kreml-Hierarchie, galt als Fürsprecher der Oligarchen, darunter auch Yukos-Chef Michail Chodorkowskij.

43,8 Prozent des Grundkapitals von Yukos wurden von der russischen Staatsanwaltschaft eingefroren. Zunächst hatte „Interfax“ gemeldet, die Aktien seien beschlagnahmt worden. Die nun vom Staat kontrollierten Aktien gehörten dem festgenommenen Firmenchef Chodorkowskij und engen Vertrauten. Die Besitzer dieser Aktien behielten zwar weiter ihre Stimm- und Dividendenrechte, aber die Strafverfolger hätten jeglichen Handel mit den Papieren untersagt. „Das ist ein schwerer Bruch der Verfassung und der Gesetze", sagte ein Firmensprecher. Die Yukos-Aktie verlor am Donnerstag 14 Prozent, der russische Aktienindex RTS brach um zwölf Prozent ein.

Entgegen ersten Meldungen der Nachrichtenagentur “Interfax“ und deren Bestätigung durch eine Yukos-Sprecherin griff die Staatsanwaltschaft nicht nach 53 Prozent der Aktien, sagte der Finanzvorstand des russischen Konzerns, Bruce Misamore, am Donnerstagabend. Bei der Schätzung der Nachrichtenagentur seien die Auswirkungen der Fusion mit Sibneft auf das Grundkapital außer Acht gelassen worden, begründete Misamore die Differenz. Zwischenzeitlich war sogar von 61 Prozent die Rede gewesen.

Nach der Verhaftung des Vorstandsvorsitzenden von Yukos hatte am Mittwoch ein Amerikaner die Leitung des Ölkonzerns übernommen. Gemäß einem Krisenplan soll der 51 Jahre alte Steven Theede, der vor zwei Jahren vom amerikanischen Ölunternehmen Conoco-Phillips zu Yukos gekommen war, den Ölkonzern zunächst leiten.

Rücktritt von Kreml-Stabschef

In Reaktion auf die Verhaftung Chodorkowskijs ist der einflußreiche Leiter der Präsidialadministration, Alexander Woloschin, zurückgetreten. Präsident Putin nahm das Rücktrittsgesuch bereits an. Nach Angaben eines Sprechers von Putin hat der russische Präsident Woloschin, der Nummer drei im Kreml, entlassen. Wie die Nachrichtenagentur „Interfax“ meldete, wurde zum Nachfolger der bisherige Stellvertreter Woloschins und Chef des Gaskonzerns Gazprom Medwedjew ernannt.

Woloschin, der schon zu Zeiten von Putins Vorgänger Jelzin als Stabschef im Kreml tätig war und über gute Kontakte zum russischen Großkapital verfügt, soll aus Verärgerung über die Verhaftung Chodorkowskijs seinen Rücktritt eingereicht haben. Sein Rücktritt wird in der russischen Presse als Sieg der Personen aus dem Geheimdienst gesehen, die Putin mit seinem Amtsantritt aus St. Petersburg mit in den Kreml gebracht hatte.

Festnahme wegen Steuerhinterziehung

Chodorkowskij war am Samstag wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und der Untreue festgenommen worden. Die Festnahme hatte Sorge um eine Fortsetzung des Privatisierungskurses in Rußland ausgelöst und zu einer massiven Verunsicherung von Anlegern geführt. Präsident Putin hatte vor einer „Hysterie“ im Zusammenhang mit der Yukos-Affäre gewarnt und alle politischen Motive hinter der Aktion der Justiz gegen den Chef des Ölkonzerns bestritten.

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