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Youtube-Mitschnitt : Tonaufnahme legt türkische Angriffspläne auf Syrien nahe

„Regierung zurücktreten“ fordern Demonstranten am Donnerstag in Ankara Bild: REUTERS

Die Türkei hat das bei Youtube verbreitete Gespräch zwischen dem Außenminister und dem Geheimdienstchef bestätigt. Dort geht es um einen Vorwand für eine türkische Intervention in Syrien. Der Inhalt sei jedoch „verfälscht“ worden.

          Zwei Tage vor der türkischen Kommunalwahl haben der Ministerpräsident Tayyip Erdogan und Außenminister Ahmet Davutoglu die Authentizität der am Donnerstag veröffentlichten brisanten Tonaufnahme grundsätzlich bestätigt. Das Gespräch habe stattgefunden, der Inhalt sei aber „verfälscht“ worden, teilte das Außenministerium mit. Damit wird die Vermutung genährt, dass Ankara nach einem Vorwand für eine bewaffnete Intervention in Syrien gesucht hat. Die von Unbekannten heimlich angefertigte Tonaufnahme einer Diskussion über Vorwände für eine Militäroperation war am Donnerstag auf der Videoplattform Youtube hochgeladen worden. Kurz darauf war Youtube in der Türkei gesperrt worden; die Sperre war auch am Freitag noch in Kraft. Der Mitschnitt verbreitete sich dennoch mit großer Schnelligkeit über andere Kanäle im Netz.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Zu hören sind auf der Aufnahme vier Männer bei einer Besprechung in den Räumen des Außenministeriums in Ankara: Außenminister Davutoglu, Geheimdienstchef Hakan Fidan, der stellvertretende türkische Generalstabschef Yasar Güler und Feridun Sinirlioglu, der als Staatssekretär im Außenministerium das besondere Vertrauen seines Ministers sowie Erdogans genießt, und der wiederholt bei besonders heiklen Missionen eingesetzt wurde, so bei der (letztlich gescheiterten) „Fußballdiplomatie“ zwischen der Türkei und Armenien. Die meisten Stellen der Aufnahme sind klar zu hören, doch sprechen die Männer umgangssprachlich, unterbrechen einander und reden oft in unvollständigen Sätzen, weshalb nicht alle Passagen inhaltlich deutlich sind.

          „Ein Vorwand lässt sich konstruieren“

          Im Kern geht es um Überlegungen, eine militärische Intervention der Türkei in Nordsyrien zum Kampf gegen radikale Islamisten durch einen fingierten Raketenangriff auf türkisches Territorium zu rechtfertigen. Unter anderem fragt Davutoglu den Geheimdienstchef: „Hakan, wenn wir Panzer schicken, was sind dort die Komplikationen?“ An einer anderen Stelle sagt Davutoglu: „Wir werden Panzer reinschicken. Von diesem Moment an müssen wir eine Kriegssituation berücksichtigen, und damit treten wir in den Krieg, wir machen eine Operation.“ Offenbar an den stellvertretenden Generalstabschef gewandt, sagt Geheimdienstchef Fidan: „Schauen Sie, General, ich schicke vier Männer auf die andere Seite und lasse sie acht Stück (gemeint sind Granaten oder Raketen) auf ein leeres Feld schießen. Das ist kein Problem. Ein Vorwand lässt sich konstruieren.“

          Kurz vor den für Sonntag angesetzten Kommunalwahlen in der Türkei sind die Hinweise auf Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen Syrien von hoher Brisanz. Die Staatsanwaltschaft in Ankara nahm am Freitag Ermittlungen auf. Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arinc sprach von einem „offensichtlichen Akt der Spionage“, von dem ausschließlich die syrische Regierung „profitieren“ könne.

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