09.08.2005 · Wolfgang Kubicki vertritt den ehemaligen VW-Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer. Daß der FDP-Politiker im Wolfsburger Skandal mitwühlt, überrascht nicht - taucht sein Name doch oft auf, wenn es um Merkwürdigkeiten geht.
Von Frank PergandeEr habe die Ausstrahlung eines Kühlschranks, hat der Kieler Wolfgang Kubicki über sich selbst gesagt, nachdem die FDP die Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 20. Februar verloren hatte. Wer das mit Selbstkritik verwechselt, verkennt, daß mancher für eine Pointe allerhand geben würde. Kubicki sagte diesen Satz zwar, weil ihm nach der Wahl kaum etwas anderes übrigblieb. Aber er erfüllte die kritischen Erwartungen aus der eigenen Partei derart vollkommen, daß man es wiederum nur für einen guten Witz halten konnte.
Kubicki ist Politiker und Rechtsanwalt, also kein Anwalt als Politiker wie so viele andere Anwälte. Er übt beide Berufe aus, und das aus seiner Sicht erfolgreich. Als Anwalt vertritt er gerade Klaus-Joachim Gebauer, den ehemaligen Mitarbeiter in der Personalabteilung bei Volkswagen. An dem Fall läßt sich Kubickis Art und Weise erkennen, seinen Beruf, vielleicht sogar sein Leben zu sehen.
Flucht nach vorn
Einerseits will er mit den üblichen Verfahren eine Kündigungsschutzklage für seinen Mandanten gegen VW führen, obwohl die FDP von Kündigungsschutz nicht viel hält. Andererseits betreibt er offenbar Flucht nach vorn. Die immer neuen Einzelheiten über das Innenleben von VW, die es nach der fristlosen Kündigung Gebauers gegeben hat und die schließlich auch zum Rücktritt von Personalvorstand Peter Hartz führten, dürften bei Kubicki ihre Quelle haben. Kubickis Name taucht oft auf, wenn es um Merkwürdigkeiten geht. Ja, er fühlt sich in merkwürdigen Umständen stets besonders wohl. Daß er etwas Diabolisches hat, dürfte er als Kompliment nehmen.
Erst vor ein paar Wochen wurde endgültig der Schlußstrich gezogen unter die Vorwürfe gegen Kubicki, er hätte das Land Mecklenburg-Vorpommern bei der Deponie Schönberg nicht nur nicht richtig beraten, sondern auch noch überhöhte Honorare abgerechnet. Der Fall liegt mehr als zehn Jahre zurück. Kubicki mußte wegen der Vorwürfe 1993 sogar von seinen Ämtern, dem Landesvorsitz der FDP und dem Fraktionsvorsitz im Kieler Landtag, zurücktreten. Inzwischen ist klar: Eine Schuld ist ihm nicht nachzuweisen. Auch dieser Fall endete wie eigentlich immer bei Kubicki: Er darf die weiße Weste in der Öffentlichkeit weiter tragen. Auch im Zusammenhang mit der Pleite von Mobilcom spielte sein Name eine Rolle. Er ist der Anwalt von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und war zugleich in Immobiliengeschäften mit Schmids Frau verbunden. Interessenkonflikte konnte er nicht erkennen, sowenig wie damals bei der Deponie Schönberg.
Im selben Augenblick einen bösen Witz auf den Lippen
So ist der 53 Jahre alte Kubicki nun einmal: Er fällt und steht im selben Augenblick mit einem bösen Witz auf den Lippen wieder auf. Längst ist er wieder Fraktionsvorsitzender. Daß der Landesvorsitzende der Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin ist, ist Kubicki nur recht. Treten beide auf, überstrahlt er seinen Vorsitzenden sowieso. Selbst die Schlappe bei der Landtagswahl gleitet an ihm ab. Er hatte den Wunsch-Koalitionspartner CDU und dessen Spitzenkandidaten Peter Harry Carstensen veralbert mit den Worten, die sollten mal vierzig Prozent bringen, den Rest machten wir, sprich die Kubicki-FDP. Die CDU erreichte das Ziel, die FDP blieb mit 6,6 Prozent weit unter ihren Erwartungen. Die CDU regiert inzwischen erfolgreich in einer großen Koalition. Die FDP hingegen ist mit nur noch vier Abgeordneten statt sieben im Landtag zuvor wieder einmal nur hochtönende Opposition.
Aber gerade in der Opposition sind Kubickis Reden nun einmal besonders scharf und pointiert. Als Unterhaltungsfaktor gilt Kubicki im Landtag an der Förde sehr viel. Kubicki war seinerzeit auch in der Nähe von Möllemann zu finden und hatte seinen Anteil daran, daß Guido Westerwelle von Wolfgang Gerhardt das Amt des Parteivorsitzenden übernehmen durfte. Die FDP muß jedoch immer damit rechnen, daß ihre Arbeit wenigstens von einem ätzenden Spruch aus dem Norden begleitet wird. Am kommenden Samstag wird das Duell übrigens in aller Offenheit ausgetragen. Bei der traditionellen Regatta der Nordischen Folkeboote um die Blau-Gelbe FDP-Kanne treten Westerwelle und Kubicki gegeneinander an. Ein bißchen Spaß muß sein, auch wenn man keinen Spaßwahlkampf mehr machen will.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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