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Wolfgang Huber Mehr protestantisches Profil

05.11.2003 ·  Als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat Wolfgang Huber nun den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Ein Portrait.

Von Heike Schmoll, Trier
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Der Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg Wolfgang Huber wird als neuer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für mehr protestantisches Profil sorgen.

Er gehört zu den wenigen mediengewandten evangelischen Bischöfen und denkt ebenso scharf wie er brillant formuliert. Auch wer seine Auffassungen nicht immer teilt, wird zugeben müssen, daß die EKD dringend eine starke protestantische Identifikationsfigur braucht, die sich an den gesellschaftlichen und politischen Diskursen kundig und klug beteiligt. Unter seiner Leitung werden die bioethischen Fragen nach vorn rücken. Huber gehörte bisher dem Nationalen Ethikrat an und teilt die forschungskritische Haltung der beiden großen Kirchen. Seine Erfahrungen als Bischof einer aus Ost und West wiedervereinigten Landeskirche haben ihn gelehrt, daß die weitgehende Entkirchlichung in der Hauptstadt und in den östlichen Gebieten für die Kirche eine enorme missionarische Herausforderung bildet. Seine wöchentliche Predigtaufgabe betrachtet er als Kern seines Dienstes.

Starke Präsenz

Das klare Votum der Synode schon im ersten Wahlgang für die Ratswahlen läßt darauf schließen, daß sich die Protestanten von ihm auch eine starke Präsenz in der Hauptstadt erhoffen. Huber ist förmlich von einem mehr links außen Stehenden ins Zentrum der Macht vorgerückt. Es ist wohl nicht nur der Ironie des Schicksals zuzurechnen, daß er, der früher entschieden gegen das Staatskirchentum eingetreten war, etwa in der Irak-Politik eine erstaunliche Nähe zur amtierenden Bundesregierung gesucht hat. Gleichzeitig aber hat Huber in Berlin mit großer Entschiedenheit gegen seine eigenen Genossen gekämpft, als es um die Einführung des Religionsunterrichts in Berlin und die feste Etablierung von LER in Brandenburg ging. Bis heute gibt er sich mit faulen Kompromissen wie dem brandenburgischen Modell nicht zufrieden.

Auch in der Kopftuchfrage hat Huber sich in gewohnter Eindeutigkeit geäußert. Da das muslimische Kopftuch ein Verhältnis der Geschlechter zum Ausdruck bringe, das nicht zur deutschen Rechtsordnung und Kultur passe, fördert es nach Huber die kulturelle Kluft, nicht die Integration. Sei es seine unterstützende Haltung zum Kirchenasyl und seine Kritik am Zuwanderungsgesetz, Huber scheut vor öffentlicher Klarheit nicht zurück. Er hat aber gelernt, daß die Unverwechselbarkeit der kirchlichen Äußerung auf der Grundlage der biblischen Botschaft dabei erkennbar bleiben muß. Seine Größe als Ratsvorsitzender wird sich daran erweisen, wieviel innerkirchlichen Pluralismus er trotz seiner eigenen Entschiedenheit zulassen kann. Berlin ist der ideale Ort, um die von ihm angestrebte Neubestimmung des Verhältnisses Protestantismus und Kultur zu erarbeiten.

Huber wurde am 12. August 1942 in Straßburg als Sohn des Rechtslehrers Ernst Rudolf Huber geboren. Aufgewachsen ist er in Freiburg. In Heidelberg, Göttingen und Tübingen studierte er Evangelische Theologie, wurde 1972 Professor, arbeitete zunächst an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg und wurde auch ihr stellvertretender Leiter. 1980 ging er als Professor für Sozialethik nach Marburg, 1984 übernahm er einen Lehrstuhl für Systematische Theologie in Heidelberg. Huber ist der Kirchentagsbewegung eng verbunden, er war von 1983 bis 1985 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags. 1994 wurde er Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. November 2003
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Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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