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Wörter-See Shanksville

06.09.2002 ·  Was ist eigentlich Shanksville? Es ist der vergessene Ort des 11. September. Eine Heldengeschichte als Wörtersee.

Von Majid Sattar
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Was ist eigentlich Shanksville? Es ist der vergessene Ort des 11. September. Eine Heldengeschichte als Wörtersee.

„I've got to put the phone down/
And do what we've got to do/
One standing in the aisle way/
Two more at the door
We've got to get inside there/
Before they kill some more/
Time is running out/
Let's roll“

Was der kanadische Liedermacher Neil Young in diesen Zeilen besingt, sind die letzten Momente von United-Airlines-Flug 93, der am 11. September 2001 in Newark, New Jersey, startet und nach San Fransisco führen soll. Tatsächlich endet er bereits um 10.06 Uhr auf einem freien Feld in Pennsylvania, fünf Kilometer außerhalb von Shanksville.

Ein klarer, sonniger Tag

In Shanksville beginnt der 11. September so wie viele spätsommerliche Tage in dem 245-Seelen-Weiler. Klares, sonniges Wetter in Pennsylvania. Die Menschen sind Farmer, Bergarbeiter, Einzelhändler. Es gibt ein Postamt, eine Schule und drei Kirchen. In der Umgebung leben viele Amish people. Der kleine Ort ist stolz auf seine Geschichte: Namensgeber Christian Shank gründete die deutsche Siedlung bereits Ende des 18. Jahrhunderts.

Am Himmel über Shanksville besitzen „gewöhnliche Menschen außergewöhnlichen Mut“, so der Titel eines Buchs von Lisa Beamer, Witwe des wahrscheinlichen Anführers der Rebellion gegen die vier Entführer: Von Ehemann Tom, der in seiner Verzweiflung per Handy mit der Telefonistin Lisa Jefferson spricht und gemeinsam mit ihr betet, stammt der Kampfesruf „Let's roll“ (Auf geht's). Es sind die letzten Worte, die von Beamer auf der Erde zu hören waren. Das Flugzeug, das die Entführer Polizeierkenntnissen nach auf das Weiße Haus oder das Kapitol lenken wollen, gerät außer Kontrolle, explodiert beim Aufschlag im Stonycreek Township, hinterlässt einen riesigen Krater - und 41 Tote.

Kapitel der Geschichte

Später rekonstruieren Ermittler, was über Shanksville im Cockpit und auf den Gängen der Boeing geschah: Mit kochendem Wasser als Waffe und Getränkewagen als Barriere stürmen die Rebellierenden das Cockpit. Einer der Entführer versucht offenbar den Sauerstoffzufluss zu kappen, ein anderer ruft „Allah hu akbar“. Die Piloten selbst sind zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits tot. Die Kämpfe enden in einem Sturzflug auf eine gottverlassene Gegend Amerikas. In dem Moment, in dem die Dorfbewohner beim morgendlichen Geschäftstreiben in den Himmel schauen, wird Shanksville ein Kapitel der Geschichte des 11. September. Nie zuvor hat der Ort Ereignisse erlebt, die auch nur landesweit Schlagzeilen machten.

Irgendwann einmal sollte Shanksville einen Eisenbahnanschluss bekommen - nach Pittsburgh und damit in die große weite Welt. Doch die Pläne zerschlugen sich. Shanksville blieb Provinz. Am kommenden Mittwoch, wenn die meisten Menschen nach New York und Washington blicken, wird sich die Bevölkerungszahl des Weilers kurzzeitig mehr als verhundertfachen. In Shanksville werden 30.000 Menschen zur Gedenkfeier erwartet.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.

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