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Jahrhundertunwetter „Harvey“ : Houston ertrinkt

Die texanische Großstadt Houston versinkt in Wassermassen. Bild: AFP

Wirbelsturm „Harvey“ ist mit seinem Zerstörungswerk noch längst nicht fertig. Und selbst wenn das Unwetter vorüber ist, könnte die Stadt noch länger überflutet sein.

          Die Bilder wirken zunächst vertraut. Autobahnauffahrten, auf denen nur noch die Dächer von Geländewagen aus dem Wasser ragen. Familien, die ihre Vororthäuser auf den Booten von Nachbarn verlassen. Senioren, die bei der Räumung eines Altenheims an ihren Rollatoren zur Eile gedrängt werden. Flüchtlinge, die sich in Turnhallen auf Decken einrichten. Fernsehreporter, die unter Regenschirmen über die Öffnung zweier Dämme berichten, durch die Schlimmeres verhindert werden soll.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Doch es ist weit mehr das übliche Unglück nach einem Hurrikan, das die Millionenstadt Houston sowie weite Teile von Südosttexas und Louisiana erfasst hat. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, beteuert der Direktor der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde Fema am Montag in Washington. „Im Traum hätten wir uns diese Lage nicht ausmalen können“, fügt Brock Long hinzu, bevor er nach Texas fliegt. Der Nationale Wetterdienst hat auf Twitter mitgeteilt: „Dieses Ereignis ist beispiellos & die Folgen sind unabsehbar & jenseits von allem, was wir erlebt haben.“

          Hurrikan „Harvey“ stieß schon in der Nacht auf Samstag als stärkster Wirbelsturm seit mehr als zehn Jahren auf die amerikanische Küste. Er verwüstete die texanische Stadt Rockport, deren meiste Einwohner sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten. Danach schwächte sich der Sturm ab. Doch mit seinem Zerstörungswerk war und ist „Harvey“ noch lange nicht fertig. Denn er bringt einen Regen mit, wie ihn Texas noch nicht kannte. In und um Houston, erklärt der Leiter des Wetterdienstes am Montag, seien zwölf bis fünfzehn Zentimeter Regen gemessen worden – pro Stunde. Inoffizielle Messungen hätten sogar noch größere von Niederschlagsmengen ergeben. Am Flughafen wurde der bisherige Regenmengenrekord aus dem Jahr 1945 am Sonntag verdoppelt. Und das Schlimmste haben viele der 6,6 Millionen Einwohner im Großraum der viertgrößten Stadt der Vereinigten Staaten noch vor sich. Denn die Region dürfte noch mehrere Tage solchen Starkregens vor sich haben. Meteorologen halten es für möglich, dass Teile von Houston am Ende der Woche insgesamt bis zu 130 cm Zentimeter Regen abbekommen haben werden. Das entspricht der durchschnittlichen Jahresmenge. Deshalb dürften die ersten Statistiken vom Montag ein zu harmloses Bild zeichnen. Von fünf Toten war zunächst die Rede und von allenfalls ein paar tausend Personen in Notunterkünften.

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          Zehntausende weitere Texaner dürften am Montag Obdach im Kongresszentrum von Houston und anderswo suchen. Viele werden auf längere Sicht nicht heimkehren können. Denn wegen der Sturmflut an der Küste fließt das Wasser nicht oder nur äußerst langsam ab.

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