11.03.2010 · Lange stand Tim K. im Mittelpunkt des Geschehens nach seinem Amoklauf in Winnenden. Akribisch wurde sein Leben in aller Öffentlichkeit ausgebreitet. Ein Jahr danach standen endlich die Opfer im Mittelpunkt - die Getöteten und ihre trauernden Angehörigen.
Von Stefan DietrichDas Hauptmotiv fast aller Amokläufer ist es, einmal im Leben beachtet, ja gefürchtet zu werden. Das hat Tim K., der 17 Jahre alte ehemalige Schüler der Albertville-Realschule in Winnenden, am 11. März 2009 auf schreckliche Weise erreicht. Tage und Wochen stand er im Mittelpunkt des Geschehens. Akribisch wurden die Blutspur seiner Taten, Einzelheiten seines Vorlebens und seines familiären Umfelds in aller Öffentlichkeit ausgebreitet. In den Puzzleteilen suchte alle Welt nach Erklärungen, „wie es dazu kommen konnte“.
Ein Jahr danach standen endlich die Opfer im Mittelpunkt – die Getöteten und ihre trauernden Angehörigen. In der von den Schülern gestalteten Gedenkfeier kam auf anrührende Weise zum Ausdruck, was ein solches Erlebnis an Kraft, Zusammenhalt und Initiativen hervorzubringen vermag. Gegen ihre Entschlossenheit, sich für eine bessere und friedlichere Welt einzusetzen, wirkte das Gezänk der Politik über das Für und Wider großkalibriger Waffen an diesem Tag nur hilflos. Winnenden, Emsdetten und Erfurt bieten Anschauungsmaterial genug für die richtigen Lehren.