27.02.2009 · Der umstrittene katholische Geistliche Richard Williamson hat sich nach erzwungener Ausreise aus Argentinien für die Leugnung des Holocaust entschuldigt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies die Äußerung als ein „Bedauern dritter Klasse“ zurück.
Der Holocaust-Leugner Richard Williamson hat für seine weltweit kritisierten Aussagen zur Judenvernichtung nach einem Bericht der katholischen Nachrichtenagentur Zenit um Vergebung gebeten. Es habe sich nur um die „Meinung eines Nicht- Historikers“ gehandelt, die sich auf die Erkenntnisse von vor 20 Jahren gestützt habe, zitierte Zenit den umstrittenen Pius-Bruder am Donnerstag: „Ich kann aufrichtig sagen, dass es mir leidtut, solche Bemerkungen gemacht zu haben.“ Die Agentur wertete dies als Rücknahme der Äußerungen des Bischofs, die weltweit Empörung ausgelöst hatten.
In der Erklärung von Williamson an die für Traditionalisten zuständige Päpstliche Kommission Ecclesia Dei heißt es weiter: „Ich bitte alle, die sich aufgrund meiner Worte aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung.“ Williamson hatte in einem schwedischen Fernseh-Interview behauptet, dass in nationalsozialistischen Lagern nicht sechs Millionen Juden umgebracht wurden, sondern maximal 300.000, davon allerdings keiner in Gaskammern. Einer Aufforderung des Papstes, seine Aussagen zu widerrufen, widersetzte sich Williamson.
„Es tut mir leid, diese Aussagen gemacht zu haben“, heißt es in der Erklärung des am Mittwoch aus Argentinien nach Großbritannien zurückgekehrten Williamson. Er hätte sie nicht gemacht, fährt er fort, „wenn ich im Vorhinein um den ganzen Schaden und den Schmerz gewusst hätte, die diese (Aussagen) verursachen würden, besonders der Kirche, aber ebenso den Überlebenden und den Verwandten der Opfer der Ungerechtigkeit unter dem Dritten Reich.“
„Eine durch und durch verkorkste Erklärung“
Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies die Äußerung als ein „Bedauern dritter Klasse“ zurück. „Williamson zieht seine verlogenen Thesen zum Holocaust und dessen Leugnung ja auch keineswegs zurück, er bedauert doch nur, dass seine Worte schädlich gewirkt haben“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats, Dieter Graumann, am Donnerstag dem „Handelsblatt.com“.
Williamson habe zudem erklärt, seine Meinung sei vor 20 Jahren aufgrund der damals vorhandenen Beweise gebildet worden. „Als ob vor 20 Jahren die Existenz des Holocaust in Zweifel gestanden habe“, empörte sich Graumann und fügte hinzu: „Nein: Diese durch und durch verkorkste Erklärung von Williamson nimmt leider überhaupt nichts zurück, sie lässt vielmehr den Schluss zu, er halte die Holocaust- Leugnung, die er ja schon seit Jahrzehnten pathologisch auslebt, weiter aufrecht.“ Das Thema sei „keineswegs vom Tisch, sondern aktueller als je zuvor“.
Auch für das Zentralkomitees der deutschen Katholiken „in keiner Weise befriedigend“
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, bezeichnete Williamsons Erklärung als „in keiner Weise befriedigend“. Selbst wenn der Geistliche seine Aussagen über den Holocaust eindeutig widerrufen hätte, müsste man sich fragen, wie ein erwachsener Mensch sich so leichtfertig in einer so fundamentalen Frage wie der Existenz von Gaskammern in Auschwitz äußern könne, sagte Meyer dem Berliner „Tagesspiegel“. Er fügte hinzu: „So jemand darf keine Verantwortung tragen.“
Als Williamsons Holocaust-Leugnung bekannt wurde, rief sie vor allem bei Juden Entsetzen hervor. Massive Kritik und Unverständnis wurde auch gegenüber Papst Benedikt XVI. laut, der die Exkommunikation von Williamson trotz der Holocaust-Leugnung wie auch die von drei weiteren traditionalistischen Bischöfen zurückgenommen hatte.