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Samstag, 11. Februar 2012
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Wikileaks Die Taliban lesen mit

28.07.2010 ·  Dass sich Regierungsgegner in Washington und Berlin die Wikileaks-Akten auf unseriöse Art und Weise zu eigen machen, ist nicht der springende Punkt bei ihrer Veröffentlichung. Sondern dass sie Auskunft über die Taktik der Nato geben. Die Taliban werden das zu nutzen wissen.

Von Klaus-Dieter Frankenberger
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Es war zu erwarten und ja auch beabsichtigt, dass die Veröffentlichung Zehntausender geheimer Dokumente die Afghanistan-Debatte beeinflussen würde - in den Vereinigten Staaten wie in Deutschland. Die Opposition in Berlin wähnt sich erst jetzt vollends im Bilde und wirft der Bundesregierung eine unzureichende Informationspolitik vor. Der Abgeordnete Nouripour findet zahlreiche Vorfälle in den Papieren, von denen er zuvor nicht gehört habe. Bei 75.000 Dokumenten, soviel zu seiner Empörung, sollte auch der Verteidigungspolitiker der Grünen etwas Neues entdecken. Es ist aber absurd, von der Regierung zu verlangen, noch die kleinste Einzelheit sofort an die Abgeordneten weiterzuleiten. Wie sehr will man den militärischen Handlungsspielraum der Exekutive noch einengen? Natürlich, bis zum Abzug.

Es ist auch nicht so, dass erst jetzt klar geworden wäre, wie „dramatisch“ die Lage in Afghanistan ist. Jeder Zeitungsleser weiß, dass sie alles andere als rosig ist - und die westlichen Regierungen haben das weder verschleiert noch geleugnet. Warum hätte der amerikanische Präsident eine drastische Erhöhung der Truppen beschlossen, wenn nicht aus dem Grund, dass die Sicherheit prekär ist und die gesteckten Ziele bislang nicht erreicht worden sind? Es ist unseriös, wenn Kritiker des westlichen Afghanistan-Engagements nun so tun, als habe es „Wikileaks“ bedurft, um die Wahrheit des Krieges an den Tag zu bringen.

Die Namen vieler afghanischer Informanten wurden nicht geschwärzt

Dessen Gründer will übrigens ganz genau wissen, dass es sich um Kriegsverbrechen handele, die er da ans Licht der Öffentlichkeit bringt. Gleichzeitig behauptet er, sorgfältig geprüft zu haben, dass die Veröffentlichung weder die Soldaten noch die Afghanen in Gefahr bringt. Von der Heroisierung dieses Geheimnisverrats und der selbstgefälligen Demokratie-Rettungs-Pose einmal abgesehen: Die Namen vieler afghanischer Informanten wurden nicht geschwärzt; sie sind zugänglich - auch für die Taliban.

Und das ist der entscheidende Punkt an dieser Veröffentlichung, nicht deren durchsichtige Instrumentalisierung in Berlin oder in Washington (wo die Aktion den Gegnern des Afghanistan-Einsatzes im Kongress bemerkenswerterweise keinen spontanen Auftrieb gab). Sensationelles enthalten diese allein wegen ihrer Zahl bedeutsamen Dokumente nicht. Aber sie geben Auskunft über Taktik und Verfahren der Nato. Warum sollten die Taliban sich das nicht zunutze machen können?

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